Geschichten aus dem Uchiha-Clan: Teil 0.1

Kurzbeschreibung:
Achtung: Enthält zeitversetzte Charaktere und mehrere wesentliche Abwandlungen!

Dies ist eine Probeversion eines viel umfangreicheren Werks, zu dem aufgrund der alternativen Timeline auch ein Glossar gehört, welches noch in Arbeit ist.

Autorennotiz:
Achtung: Enthält zeitversetzte Charaktere und mehrere wesentliche Abwandlungen!

Dies ist eine Probeversion eines viel umfangreicheren Werks, zu dem aufgrund der alternativen Timeline auch ein Glossar gehört, welches noch in Arbeit ist.

Am 12.3.2021 um 6:45 von HaruMaeUchida auf StoryHub veröffentlicht

1. Kapitel: Prolog

Vielleicht sollte ich von vorn anfangen? Mein Leben irgendwie … von Anfang an in einem zusammenhängenden Buch aufschreiben?

Aber wo sollte ich da anfangen? Bei der Geschichte meiner Familie, meiner Heimat und so weiter?

Wenn ich da anfangen würde … oder auch nur bei meinen vielen Tagebüchern … dann würde es sehr lange brauchen, bis ich bei dem angekommen wäre, was ich wirklich sagen will.

 

Vielleicht werdet ihr so, wie ich es jetzt schreibe, nicht alles gleich verstehen. Weil es ein wenig … oder manchmal auch sehr … anders ist als das, was ihr vielleicht gedacht habt … Es gibt so viele Geschichten … Manches ist passiert in meiner Welt, anderes sind Geschichten von anderen Welten. Manche Namen sind anders, manche Lebensläufe oder Zeiten, und Dinge, die daraus entstanden sind, dass manches einfach anders war und anders gelaufen ist. Und nicht zuletzt die Tatsache, dass ich noch hier bin und das hier schreiben kann.

 

Ich denke, ich erzähle euch einfach Dinge, die ich erlebt habe. Größtenteils chronologisch, aber Zeiten, an die ich mich nicht gut erinnere, werde ich wohl auslassen.

 

Ich bin jetzt neununddreißig Jahre alt und habe, das kann ich wirklich so sagen, so ziemlich alles geschafft, was ich in meinem Leben schaffen wollte, wenn ich früher, als Kind, darüber nachgedacht habe, was ich alles erreichen will. Im Moment fühle ich eine solche glückliche Ruhe wie fast noch nie in meinem Leben. Und ich nehme das nicht für selbstverständlich, denn es gab genug Momente und Zeiträume, in denen ich nicht geglaubt habe, weiter machen zu können und da hin zu kommen, wo ich jetzt bin.

Doch ich bin da.

 

Mein Name ist Itachi Uchiha, ich wurde am 6. August 1981 in Konoha Gakure geboren, und das hier sind Teile der Geschichte meiner Familie.

2. Kapitel: Tsukuyomi, Teil 1

Die erste Geschichte, die ich euch erzählen will, spielt in meiner Kindheit, zu einer Zeit, als ich vier Jahre alt war. Ich erinnere mich noch relativ gut an diese Zeit, meine ersten Erinnerungen setzen ein, als ich ungefähr anderthalb oder zwei Jahre alt war, und so habe ich auch recht klare Bilder von der Zeit, als ich vier war.

 

Ich erinnere mich nicht mehr an das Datum dieses einen Tages, aber sicher weiß meine Mutter das noch, denn sie hat damals, als ich klein war, über alles Buch geführt, was mich betraf.

Es war im Frühjahr, ich glaube, so im April oder Mai. Mama, Papa und ich lebten damals schon nicht mehr im großen Hauptsitz des Uchiha-Clans, sondern in einem kleineren, zweigeschossigen Haus näher am Dorf, in dem Mama auch ihre Praxis hatte. Mama ist Medizin-Kunoichi und spezialisiert als Augenärztin, vor allem auf die Behandlung des Sharingan, und sie war damals schon die beste Augenärztin in ganz Konoha Gakure.

 

Ich wachte morgens auf und irgendwas war anders. Es dauerte ungewöhnlich lange, bis ich ganz wach war, ich hatte sehr intensiv geträumt und der Traum hing noch in mir fest. Ich hatte von meinem Papa geträumt, davon, wie er und die anderen Shinobi draußen im Krieg kämpften. Papa war stark, und ich wusste, wie stark, doch trotzdem hatte ich Angst um ihn, das ist ganz natürlich und normal.

Ich hob den Kopf und versuchte, mich langsam aufzusetzen, und mein Blick streifte eins der Bücher in dem Regal über meinem Bett. „Shinobi-Grundausbildung, Klasse 1“ stand auf dem Rücken. Mein Schulbuch, schon fast durchgearbeitet. Daneben ein anderes Buch: „Illusionen schaffen und auflösen, ein Genjutsu-Grundkurs“. Ich musste lächeln. Dieses Buch war ein Geschenk gewesen. Papas Cousin, den ich „Dara“ nannte und der wie ein Onkel für mich war, hatte es mir zu meinem vierten Geburtstag geschenkt.

Ich sah sein lächelndes Gesicht vor mir, seine Stärke ausstrahlende Gestalt in der roten Rüstung, und seine unglaublich dichten, rückenlangen, schwarzen Haare. Selbst, wenn er nur in einem Buchladen stand und mir ein kleines Geschenk machte, Dara war einfach immer der große, starke Shinobi, eine beeindruckende Erscheinung.

„Dieses Buch, mein Junge, wird dir auf dem Weg zu großartigen Fähigkeiten die beste Unterstützung bieten, die ein Buch nur geben kann“, hatte er gesagt. „In dir steckt unglaubliches Talent, und wir werden alles tun, damit du es voll entfalten kannst.“

Auch Dara war nicht hier. Er war in derselben Truppeneinheit wie Papa und die beiden kämpften derzeit im Wasser-Reich gegen Shinobi aus Suna Gakure. Ich vermisste Dara. Papa war oft streng, aber Dara als mein „Patenonkel“ war wie ein guter Freund für mich.

 

Die Gedanken an Dara hatten den Albtraum aus meinem Kopf vertrieben, aber als ich aufstehen wollte, wurde mir schwindlig und ich sank wieder ins Kissen zurück. Was war denn das? Hatte ich mir etwa eine Erkältung eingefangen?

Ich lauschte, ob ich Mama hören konnte, und tatsächlich hörte ich Geräusche aus der Küche unten.

 

„Mama?“, rief ich laut.

Schritte auf der Treppe, dann schob sie die Tür auf. „Itachi? Alles in Ordnung bei dir?“

„Ich weiß nicht …“, antwortete ich. „Mir ist auf einmal so schwindlig.“

Mama sah mich besorgt an, kam auf mich zu und setzte sich an mein Bett. Sie berührte meine Stirn, fühlte, ob ich Fieber hatte, und sagte dann: „Deine Temperatur ist tatsächlich etwas erhöht.“

„Gestern Abend gings mir gut“, sagte ich.

Mama sah mich an, schien einen Moment lang nachzudenken, dann legte sie eine Hand auf meinen Kopf und ließ blau leuchtendes Chakra aus ihrer Hand fließen.

„Mach die Augen zu, mein Kind“, sagte sie und lächelte.

Ich schloss die Augen, spürte Mamas Chakra im Kontakt mit meinem, und auf einmal … tat sich in mir ein Loch auf, aber kein tiefes, dunkles, sondern ein helles Licht, in das ich hineinzufallen fühlte.

Ich riss die Augen wieder auf und blickte in Mamas Gesicht, und so, wie sie mich anschaute, schien sie zu wissen, was mit mir los war.

 

„Itachi …“, sagte sie leise, und dann: „Dass es jetzt schon so weit ist …“

„Was ist los mit mir, Mama? Fehlt mir was?“, fragte ich ängstlich, dieses Licht eben war doch ganz schön unheimlich gewesen.

„Nein, dir fehlt nichts, keine Angst. Es ist nur … nun ja, es sieht so aus, als ob du etwas bekommen hast … Ich bin noch nicht sicher, ob es das wirklich ist. Dara kennt sich auch gut damit aus, er müsste hier sein …“

„Aber Dara ist im Krieg …“, sagte ich.

„Er kommt ja bald wieder, in ein, zwei Wochen hat er Urlaub. Dann schauen wir uns das zusammen an. Und bis dahin … wenn es das ist, was ich vermute, dann musst du keine Angst davor haben. Es ist nichts Böses.“

„Da war so ein helles Licht …“

Mama strich mir durchs Haar, beugte sich vor und drückte einen Kuss auf meine Stirn. Als ich ihre Augen wieder sah, hatte sie ihre Sharingan aktiviert.

„Es sind deine Augen, Itachi. Deine Fähigkeiten wachsen, und manchmal macht einem so etwas Angst. Aber wir sind alle da und wir helfen dir.“

„Kann ich dann … auch so was wie du, Mama? Kann ich dann Menschen heilen?“, fragte ich.

„Vielleicht, ja. Du könntest ein guter Medizin-Ninja werden, wenn du das möchtest …“

 

Eine Woche später kamen Papa und Dara tatsächlich von der Front zurück. Papa war leicht verletzt und ging erst einmal ins Krankenhaus, aber Dara kam danach gleich zu uns nach Hause.

„Hallo, Ikue!“, rief er laut, und Mama antwortete: „Madara! Ihr seid wieder da?“

„Yoshio ist noch im Krankenhaus, aber mir geht’s gut.“ Er legte klappernd seine Rüstung ab, dann setzte er sich an den Küchentisch, nahm sich eine Dose Limonade und trank sie in zwei Zügen leer. „Und? Wie ist die Lage hier?“, fragte er dann.

Ich saß oben an der Treppe und sah, wie Mama sich zu Dara an den Tisch setzte. Sie sprach leise, aber ich konnte jedes Wort verstehen: „Madara, wir brauchen deine Hilfe. Es geht um Itachi … Er entwickelt gerade etwas … und ich glaube, er hat das Tsukuyomi geerbt …“

„Tsukuyomi?!“, wiederholte Madara laut. „Echt jetzt?“

Ich stand auf, ging die Treppe hinunter und sagte zu Mama: „Warum redest du so leise darüber?“

„Ich möchte nicht, dass Oma Yoneko gleich davon erfährt. Madara, du weißt ja, wie sie ist. Sie wird Itachi ins schwere Training nehmen, wenn sie erfährt, dass er schon so weit ist.“

„Ikue …“ Madara seufzte. „Dein Sohn ist eines der begabtesten Kinder in der Geschichte Konohas! Du kannst ihn nicht vom Training fern halten.“

Mama stand auf, ging zum Fenster und schaute hinaus, während sie sagte: „Itachi kommt in seinem Wesen so sehr nach mir. Er ist nicht für ein Leben als Ninja gemacht. Wenn er Mediziner werden könnte, ja, aber ich will nicht, dass Yoneko versucht, aus ihm einen Kämpfer zu machen. Ich hab Yonekos Training doch selbst mitgemacht, als ich klein war, und ich will nicht, dass Itachi dasselbe durchmachen muss!“

„Wenn ich dir verspreche, dass ich mit Yoneko rede?“, fragte Dara. „Auf mich hört sie … manchmal.“

Mama drehte sich wieder um, sah mich an, und sagte dann: „Itachi, ich möchte, dass du mit Madara auf den Übungsplatz gehst. Fragt am besten jemanden vom Hyuuga-Clan, ob ihr deren Platz benutzen dürft, dann kriegt Yoneko das nicht gleich so mit.“

„Ist gut, Mama“, sagte ich und nickte.

 

Auf dem Weg zum Übungsplatz der Hyuuga-Familie fragte Dara: „Wie fühlt sich das denn an? Also, dieses Neue in deinem Kopf?“

„Wie ein Licht … ein Licht, das ich formen könnte … wenn ich wüsste, wie“, versuchte ich, die seltsamen neuen Dinge in mir zu beschreiben.
„Spürst du darin Raum, Zeit und Masse?“, wollte Dara wissen.

„Ja. Aber es ist irgendwie anders als sonst. Nicht so … fest irgendwie …“

Dara blieb stehen, lächelte mich an, richtig strahlend. „Itachi, du bist großartig!“

„Ist das dieses … Tsukuyomi?“, fragte ich und meine Stimme zitterte ein wenig.

„So, wie du das beschreibst, ja, das ist Tsukuyomi.“

„Und was ist das?“

Dara blieb stehen, wir hatten den Platz erreicht. „Das Erste, was du lernen musst, ist, dieses Jutsu in dir zu festigen. Zu lernen, wie du damit umgehst, und dazu brauchst du die Sharingan noch nicht. Tsukuyomi ist ein persönliches Jutsu, und du wirst wohl der Einzige sein, der es beherrscht. Vor dir gab es andere, der letzte war dein Urgroßvater Fukuya, aber derzeit bist du der einzige lebende Mensch damit. Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis du es wirklich anwenden kannst, denn noch sind deine Sharingan nicht erwacht, aber du wirst die Zeit bis dahin gut nutzen können, denn um es sicher anwenden zu können, musst du dieses Jutsu vollkommen kennen. Und ich weiß genug darüber, um dir dabei zu helfen.“

Ein persönliches Jutsu. Ich wusste ungefähr, was das war, ich kannte mehrere Shinobi, die solche Jutsus beherrschten, die sie selbst entwickelt hatten. Aber ein persönliches Jutsu, das auf Vererbung beruhte, das war noch mal etwas anderes, und so, wie Dara es sagte, ahnte ich schon, dass dieses Tsukuyomi etwas ganz Besonderes war.

 

Dara öffnete eine große Schriftrolle mit einem starken Siegel, schloss mehrere Fingerzeichen und aktivierte seine Kaleidoskop-Sharingan, dann schlug er mit der flachen Hand auf die geöffnete Rolle. Daraufhin entstanden aus der schwarzen Tinte winzige, pechschwarze Flammen. Ich kannte diese Flammen nur aus dem Jutsu-Verzeichnis unseres Clans, es hieß Amaterasu und galt als eines der stärksten und gefährlichsten Jutsus überhaupt. Dass Dara es so einfach beherrschte, zeigte einmal mehr, wie unglaublich stark er war.

„Das ist Amaterasu, mein eigenes Erbjutsu“, sagte Dara. „Der Unterschied zum Tsukuyomi besteht allerdings darin, dass dieses Jutsu von mehr als nur einer Person angewandt werden kann. Wer über das Kaleidoskop-Sharingan verfügt, kann Amaterasu beherrschen lernen, also irgendwann auch du. Im Unterschied dazu wirst du vielleicht dein Leben lang der einzige Anwender des Tsukuyomi sein.“

 

„Wie kann mir denn dann jemand beibringen, wie ich das Tsukuyomi richtig anwende?“, fragte ich.

„Genau genommen kann das niemand. Obwohl beispielsweise deine Mutter ebenfalls die Anlagen dazu hat, kann sie es nicht anwenden. Tsukuyomi kommt nicht in jeder Generation vor, es ist selbst im Uchiha-Clan äußerst selten. Doch es scheint so, nach allem, was wir wissen, dass es dir auch niemand in dem Sinne beibringen muss. Tsukuyomi ist nicht einfach nur ein Jutsu, es wird mit der Zeit immer mehr mit dir verwachsen und greift auch in deine Persönlichkeit und dein Seelenleben ein, es wird irgendwann so sehr eins mit dir sein, dass du es dann völlig intuitiv anwenden kannst.“

Ich wusste nicht recht, was ich sagen sollte. Dieses Jutsu sollte in meine Persönlichkeit eingreifen? Wie sollte ich das verstehen, war das gut oder schlecht?

Madara bemerkte, dass ich Angst hatte, er hockte sich hin, sah mir ins Gesicht und legte mir seine Hand auf die Schulter. „Du musst keine Angst davor haben, Itachi. Dieses besondere Jutsu ist eine so wunderbare Gabe, und das Beste ist, dass du selbst bestimmen kannst, wie du es nutzen willst. Es ist sehr viel mehr als nur eine Kampftechnik, und je besser und genauer du es kennen lernst, umso mehr Möglichkeiten wirst du damit haben.“

„Ich würde gerne Medizin-Ninja werden, wie Mama“, sagte ich.

„Auch dabei wird Tsukuyomi dir helfen können.“ Madara stand wieder auf, löste Amaterasu auf und rollte die Schriftrolle wieder zusammen. Dann begann er, seine Rüstung abzulegen.

„Wie wär’s, trainieren wir noch ein bisschen?“, fragte er.

Ich nickte.

 

Und während Madara mit mir dann über zwei Stunden lang Tai- und Nin-Jutsu übte, dachte ich zwischendurch ein bisschen darüber nach, dass ich wirklich gern Medizin-Ninja werden wollte, wie meine Mama. Kämpfen, auf einer Mission oder im Krieg, das wollte ich nicht.

Lieber stellte ich mir vor, wie ich gemeinsam mit Mama in ihrer Praxis verletzte Shinobi versorgte. Oder, und das war für mich eigentlich der wichtigste Grund, überhaupt stark zu werden: Hokage werden, und dann mit diesem Amt für Frieden sorgen.

 

„Dara?“, sprach ich meinen Patenonkel später auf dem Heimweg an, „… sag mal, glaubst du, ich könnte irgendwann … Hokage werden?“

Madara blieb stehen, wandte sich zu mir um, und ich sah zum ersten Mal diesen Ausdruck in seinen dunklen Augen, ein eigenartiges Leuchten, das so aussah, als freute er sich sehr, dass ich das fragte.

„Möchtest du das gern?“, fragte er und hockte sich runter, sah mich an.

„Ja.“ Ich nickte.

Madara lächelte, es schien ihn wirklich sehr zu freuen, und dann sagte er: „Wenn du hart trainierst und deine Fähigkeiten weiter ausbaust, dann kannst du ganz sicher Hokage werden. Aus unserer Familie war noch nie jemand Hokage. Ich … muss ja gestehen, ich wäre es selbst gern. Und vielleicht schaffe ich das sogar. Und wenn nicht ich, dann wirst irgendwann du der erste Hokage aus dem Uchiha-Clan sein, da bin ich ganz sicher.“

„Du magst den Hokage der Ersten Generation, oder?“, fragte ich, denn ich wusste, dass Madara alle öffentlichen Schriften und Dokumente von Hashirama Senjuu sammelte und den Gründer unseres Dorfes glühend verehrte.

Dara nickte strahlend. „Ich hab ihn noch kennen gelernt, als ich ganz klein war. Er war der großartigste Shinobi, den man sich nur vorstellen kann.“

 

Er sah mich einen Moment lang an, dann fragte er: „Itachi, kennst du denn schon den Unterschied zwischen einem Ninja und einem Shinobi?“

„Ein Ninja befolgt bedingungslos die Befehle seiner Vorgesetzten. Ein Shinobi dagegen steht für seine Werte und seine Heimat ein!“, zitierte ich den Unterschied nach den Büchern, die ich dazu kannte.

„Und was ist dir wichtiger?“, fragte Madara.

Ich wusste erst nicht, wie ich es sagen sollte. Ninja und Shinobi … irgendwie sollte ich beides sein. Papa vertrat in seiner Arbeit als Anführer der Dorfpolizei von Konoha eher die Werte eines Ninja und versuchte, mir diese beizubringen, aber ich selbst fühlte mich dem Begriff des Shinobi bedeutend näher.

„Ich glaube … ich möchte lieber ein Shinobi sein …“, sagte ich leise.

Madara lächelte wieder. „Deine Mama hat Recht, du kommst wirklich sehr nach ihr.“

„Ist das gut?“

„Das ist sehr gut. Du denkst mit Kopf und Herz zusammen, und das ist wichtig, um ein guter Shinobi zu sein. Natürlich ist dein Papa auch ein guter Shinobi. Aber es kann sein, dass er dich manchmal nicht versteht. Dann ist es gut, dass du deine Mama hast.“

 

Madara blieb drei Wochen im Dorf, ehe er und Papa wieder an die Front mussten. In dieser Zeit verbrachte ich viel Zeit mit ihm, er unterstützte mich beim Training und zeigte mir auch einige Bücher und Schriftrollen des Ersten Hokage. Ich hatte das Gefühl, dass es ihn sehr stolz machte, zu sehen, dass ich auch diesen Wunsch hatte, irgendwann Hokage zu werden.

Während dieser Zeit hatte ich immer wieder Momente, in denen diese Kraft in mir, aus der mein Tsukuyomi wachsen sollte, immer ein bisschen stärker wurde. Es fühlte sich nicht wirklich an wie ein Jutsu, sondern ganz anders, fast so wie eine kleine zweite Welt, die in meinem Innenleben wuchs und meinen Geist weiter und stärker machte.

 

Einmal, ich saß allein in meinem Zimmer und lernte für die Schule, da spürte ich es wieder. Mama war einkaufen gegangen und ich also allein im Haus, und so musste ich es in diesem Moment alleine aushalten. Es fühlte sich ein bisschen einsam an, weil ich wusste, dass ich der Einzige war mit diesem Jutsu, dieser neuen, seltsamen Welt in mir. Und so musste ich ein bisschen weinen, einfach so, weil es so stark war …

Als Mama wieder kam und mich in die Küche rief, hatte ich noch gerötete Augen und sie fragte mich ganz besorgt, ob mit mir alles okay war.

„Alles gut, Mama“, sagte ich und versuchte zu lächeln. „War nur das Tsukuyomi …“

Mama stellte ihren Korb auf den Tisch, dann kniete sie sich zu mir herunter und sah mich aufmerksam an. „Itachi … manchmal frage ich mich, ob das alles nicht zu viel für dich ist …“

Ich dachte daran, wie es mir manchmal ging, wenn ich von Dingen viel zu stark berührt war oder mir manchmal etwas zu viel wurde und ich weinen musste, und dass Papa und Oma Yoneko mich dann nicht verstanden und sagten, dass ich „viel zu sensibel“ sei.

Ich wusste, was dieses „sensibel“ bedeutete, Mama hatte es mir schon oft gesagt und erklärt, dass sie so war und ich auch, weil ich ihr ähnlich war und so weiter …

„Ich krieg das schon hin, Mama“, sagte ich und lächelte, versuchte, es so zu sagen, dass es wie bei Madara klang: „Ich will doch Hokage werden!“

Ich sah, wie Mamas Augen sich mit Tränen füllten, und auf einmal umarmte sie mich ganz fest.

„Mein kleiner Itachi …!“

 

 

Es war ungefähr ein halbes Jahr danach, dass Papa auf einmal ohne Madara von der Front heim kam. Er erzählte, dass sie nach der Schlacht von Ame Gakure vor zwei Wochen noch zusammen gewesen waren, und dann war Madara ohne ein Wort einfach weggegangen und nicht mehr wieder aufgetaucht. Papa hatte ihn noch weg gehen sehen und gedacht, er käme gleich zurück, doch seitdem hatte niemand mehr etwas von Dara gesehen oder gehört.

Hokage Sarutobi hatte sehr überrascht reagiert, und nun überlegten alle, ob man Madara als „Deserteur“ bezeichnen sollte oder nicht, wobei die meisten, die ihn kannten, sich absolut keinen Reim darauf machen konnten, wie ein so glühender, treuer Konoha-Shinobi wie Madara Uchiha auf die Idee gekommen sein könnte, zu desertieren. Genau so wenig konnte sich jemand vorstellen, dass er gefallen sein könnte, denn er war so immens stark, dass ihn eigentlich niemand unbemerkt hätte besiegen können.

 

Ich war inzwischen fünf Jahre alt geworden, und ich vermisste Madara sehr. Ich verstand genau so wenig wie alle anderen, warum er einfach verschwunden war. Zwar kannte ich ihn als jemanden mit einer gewissen impulsiven Ader und einer Art von Eigenwilligkeit, aber dass er Konoha Gakure einfach so verließ, konnte ich mir nicht vorstellen. Das einzige, was ich mir vielleicht denken konnte, war, dass dort an der Front irgendwas passiert war, was ihm ähnlich wichtig gewesen sein könnte wie unser Dorf. Aber was konnte ihm so extrem wichtig gewesen sein? Ich wusste es nicht, aber diese Vorstellung, dass dort draußen in Ame Gakure irgendwas gewesen war, was für ihn Priorität gehabt hatte, war alles, was wir an Ideen über seinen Verbleib hatten.

 

Tatsächlich kam Hokage Hiruzen Sarutobi eines Tages auf dem Schulhof auf mich zu, sprach mich an und fragte, ob er mit mir über Madara sprechen könnte. Er ging mit mir zur Schaukel am Rand des Schulhofes und ich setzte mich darauf, während Sarutobi vor mir stand und mich fragte: „Itachi, ich weiß, dass Madara dich sehr gern hat und ihr beiden viel Zeit zusammen verbracht habt. Also frage ich mich, hat er jemals dir gegenüber irgendetwas erwähnt, was uns helfen könnte, herauszufinden, warum er gegangen ist und wohin?“

Ich schüttelte den Kopf. „Nein … ich hab keine Ahnung …“

„Denk bitte ganz genau nach. Wenn wir nicht herausfinden, was passiert ist, muss ich Madara als Deserteur eintragen lassen, und das würde ich nur äußerst ungern tun. Wir wissen beide, was für ein stolzer Konoha-Shinobi er ist … oder war … Selbst die Anbu haben keine Spur von ihm, er hat sein Amaterasu mitgenommen und ist seitdem wie vom Erdboden verschluckt.“

„Ich weiß es wirklich nicht …“, sagte ich leise und blickte auf meine Beine, die von der Schaukel nicht bis zum Boden reichten. „Er wollte doch Hokage werden …“

 

Sarutobi nahm einen Zug von seiner Pfeife und blies den Rauch ins dicht belaubte Geäst des Baumes, an dem die Schaukel hing. „Das ist wirklich schade. Dann habe ich wohl keine andere Wahl, dann muss ich ihn als Deserteur eintragen lassen. Auch, wenn es mir das Herz zerreißt, denn ich hätte ihn selbst gern als meinen Nachfolger gesehen …“

„Und wenn er … doch einfach in einem Kampf gefallen ist?“, fragte ich, denn die Vorstellung, dass ausgerechnet Madara, der ein solch glühender Verehrer des Ersten Hokage war, „desertiert“ sein sollte, war doch zu unglaublich. Und die Idee, dass irgendwas passiert war, was für ihn wichtiger gewesen sein könnte … wir wussten ja alle nicht, was ihn dazu bewegt hatte, zu gehen …

„Es ist zwar schwer vorstellbar, aber genau so möglich.“ Sarutobi zog wieder an seiner Pfeife. „Aber, da hast du Recht, Itachi, es wäre für Madaras Ehre wesentlich erträglicher. Nun gut … dann tragen wir ihn als Gefallenen ein. Sollte er irgendwann doch noch wieder auftauchen, wird er uns ja aufklären können darüber, was wirklich passiert ist.“

Der Hokage verabschiedete sich von mir und ich kehrte ins Schulgebäude zurück, wo die nächste Unterrichtsstunde schon begonnen hatte.

 

3. Kapitel: Genin

Der Krieg war mit der Schlacht von Ame Gakure entschieden worden und nun vorbei, und das bedeutete, dass Papa wieder öfter zu Hause war.

Entsprechend ging nun meine praktische Ausbildung zum Ninja richtig los. Und weil Madara nicht mehr da war, um sie daran zu hindern, fing nun meine Urgroßmutter Yoneko an, mich in ihr spezielles Trainingsprogramm aufzunehmen, bei dem Papa auch mitmachte.

Mama sprach sich mehrmals dagegen aus und achtete darauf, dass Oma Yoneko, die sehr streng sein konnte, mich nicht überforderte, aber ab und zu kam es doch vor, dass es mir einfach zu viel wurde. Es gab deshalb hin und wieder Streit zwischen Mama und ihr.

Yoneko sprach vor mir offen darüber, dass sie die Ehe meiner Eltern ja arrangiert hatte, damit ein so begabtes Kind wie ich dabei herauskam, und das setzte mich doch ganz schön unter Druck.

 

Ich war nicht nur einfach ein kleiner Junge von gerade mal fünf Jahren, nein, denn das, was Oma Yoneko über mich und vor mir sagte, wenn sie mich in ihr sehr exklusives Teehaus mitnahm, war immer „Itachi, das hochbegabte Wunderkind“ und „Itachi, der Clan-Erbe“ und so weiter … Ich wusste, dass ich vollkommen geplant war, dass meine Uroma die Ehe meiner Eltern, die Cousin und Cousine waren, eben genau dafür arrangiert hatte, dass ihre guten Gene mich zu einem solchen Wunderkind machen sollten, wie ich nun war, und mir war klar, dass Yoneko sich schon ganz genau vorstellte, was ich alles zu erreichen hatte. Diesen hohen Erwartungsdruck, den spürte ich jetzt.

 

Mama tat alles, um mir zwischendurch so viele Ruhezeiten wie möglich zu schaffen, und war ich zuvor schon ein echtes „Mamakind“ gewesen und hatte mich bei ihr immer wohler gefühlt als bei Papa, wurde sie in dieser Zeit noch mehr zu meinem Ruhepol. Die hohe Sensibilität, die ich mit ihr gemeinsam hatte und die Papa oft nicht verstehen konnte, band Mama und mich eng zusammen, und je mehr sich meine Fähigkeiten als Shinobi entwickelten und mehrten, umso mehr hing ich an Mama, erst recht, als ich mit sechs Jahren als mit Abstand jüngster Absolvent die Grundausbildung an der Akademie abschloss, Genin wurde, und mein Training damit noch mal intensiviert wurde.

 

Meine Eltern waren eigentlich ein gutes Team und ein harmonisches Ehepaar, obwohl sie so verschieden waren, verstanden sie sich meistens gut. Aber damals, als ich sechs Jahre alt war, hörte ich sie manchmal nachts streiten. Und meistens ging es dabei um mich.

„Er ist noch ein Kind, Yoshio! Und auch, wenn er jetzt ein Genin ist: Du kannst ihn nicht wie einen Chuunin von vierzehn oder fünfzehn Jahren behandeln, er ist erst sechs!“

„Itachi ist eine riesige Chance für Konoha! Was meinst du, was er mal alles können wird!“

„Und weißt du, was er noch ist?! Er ist ein Kind, und er ist mein Sohn! Und was bin ich? Ich hab meine Shinobi-Karriere damals an den Nagel gehängt, weil ich einen Sohn habe, der mich braucht! Yoshio, du weißt, ich liebe dich, aber du kannst aus MEINEM Sohn keine Kampfmaschine machen, denn das ist Itachi nun mal einfach nicht!“

„Ikue …“

„Ich werde jedenfalls nicht tatenlos zusehen, wie du unseren Sohn krank machst, Yoshio! Und jetzt hau ab, ich mag dich gerade nicht mehr sehen.“

Die Tür knallte, Papa lief aus dem Haus und ich hörte Mama in der Küche weinen.

 

Ich lag oben in meinem Zimmer im Bett und wusste nicht, was tun. Dass Mama so wütend wurde, kam sehr selten vor, sie war sonst ein ruhiger Mensch, und ich fühlte mich schlecht deswegen. Ich war der Grund, warum meine Eltern sich so stritten, und so dachte ich, wie schon öfter mal, an etwas, das ich mir schon lange sehr wünschte: Ich wollte nicht mehr allein sein in meiner Familie. Klar, ich hatte meine Cousins und Cousinen, und dann gab es da ein paar Mädchen und Jungen aus dem Dorf, mit denen ich manchmal zusammen war. Aber mit meinen Eltern war ich immer allein, und deshalb ging es immer um mich.

Was ich mir wünschte, war ein Geschwisterkind. Einen kleinen Bruder oder eine Schwester, jemanden, mit dem ich immer zusammen sein konnte, und durch dessen Existenz der Fokus dann eben nicht immer nur auf mir lag.

 

Ich mochte es nie, so im Mittelpunkt zu stehen, auch bei Oma Yoneko im Teehaus nicht, wenn sie mich ihren Freundinnen als „den ganzen Stolz des Uchiha-Clans“ präsentierte. Ich konnte ja nicht mal einfach im Dorf herumlaufen und spielen, ohne dass von irgendjemandem ein „Da ist ja der Uchiha-Erbe“ oder ähnliche Aufmerksamkeit kam. Es war zwar meistens positiv gemeinte Aufmerksamkeit, doch mir war das immer sehr unangenehm.

 

Und dann gab es da noch die „Gegenpartei“ zu Uroma Yonekos Teehaus: Koharu Utatane-Hyuuga und deren Anhänger. Soweit ich damals wusste, konnten diese beiden Cliquen einander schon seit ihrer Jugend in der Gründungszeit von Konoha Gakure nicht ausstehen und führten eine Art dorf-internen Krieg gegeneinander. Und ich, beziehungsweise meine Fähigkeiten und meine Ausbildung, wurden zu einem Teil dieses Kampfes: Yoneko berichtete stolz von jedem Fortschritt, den ich machte, und Koharu schimpfte dagegen an, beschwerte sich laufend, dass es im Uchiha-Clan viel zu viel Talent gab und so weiter. Als Madara noch da gewesen war, hatte sich Koharus Hass hauptsächlich gegen ihn gerichtet, denn er war Yonekos Liebling gewesen, doch nun regte sie sich über mich auf. Ich hatte selten persönlich mit ihr zu tun, aber jedes Mal, wenn beispielsweise Papa für mich im Dorfrat einen neuen Rang oder eine Ausnahmeregelung durchsetzen wollte, waren es Koharu und ihr Vasall Homura, die dagegen stimmten und stetig behaupteten, dass der Uchiha-Clan viel zu viel zu sagen hatte.

 

Mit der Zeit wurde der Umstand, dass ich zu viel Aufmerksamkeit und Auffallen nicht mochte, immer mehr zu einem bewussten Teil von mir. Und ich entdeckte, dass dieser Wesenszug von mir doch ganz gut zum Beruf des Ninja und Shinobi passte: Nicht auffallen, sondern sich verstecken und fast unsichtbar werden. Ich mochte einfache Kleidung in gedeckten Farben, und ich bemerkte, dass es mir gefiel, schnell und unauffällig zu kämpfen. Zum einen, weil Kämpfen etwas war, was ich immer schnell hinter mich bringen wollte, und zum anderen eben, weil ich nicht auffallen wollte.

Und so fühlte ich mich schon intuitiv mit all jenen Jutsus wohl, die mir ein Agieren im Unsichtbaren und ein indirektes Einwirken auf den Kampf ermöglichten: Genjutsu. Ninjutsu gefielen mir je nach ihrer Art. Und am wenigsten mochte ich Taijutsu, obwohl ich diese ebenfalls gut beherrschte.

 

Das war auch etwas, was ich über mich herausfand: Ich konnte sehr vieles, es gelang mir einfach, aber ich wollte bestimmte Dinge einfach nicht. Meine Begabungen ermöglichten mir, dass ich fast alles lernte, was es an der Akademie und im Training zu lernen gab, doch wenn ich etwas nicht richtig fand oder es sich für mich nicht gut anfühlte, dann tat ich es entweder sehr ungern, oder manchmal auch einfach gar nicht.

 

In der Akademie war das Fußballspielen der anderen Jungen so etwas gewesen: Ich hatte es damit versucht, es auch hinbekommen, und dann aber sehr bald gemerkt, dass ich es einfach nicht mochte. Ich war nicht nur immer der Jüngste in der Klasse, ich war auch noch anders als die anderen Jungen. Manche von ihnen nannten mich „Mädchen“, weil ich längeres Haar und zartere Gesichtszüge hatte, und weil ich meistens lieber mit einem Buch auf der Schaukel saß und las, statt eben mit ihnen Fußball oder ähnliches zu spielen.

Und als die Mädchen in der Klasse sich für mich interessierten, weil ich als mit Abstand jüngstes Kind der Klasse ihre Fürsorglichkeit weckte, verstand ich mich mit ihnen deutlich besser.

Wenn ich in dieser Zeit aber über meinen Wunsch nach einem Geschwisterkind nachdachte, dann wurde mir immer klarer, dass ich mir am liebsten einen Bruder wünschte, einen Jungen, von dem ich hoffte, dass er, weil er ja mit mir verwandt sein würde, mir vielleicht ähnlicher war als die Jungs in der Schule.

 

Eigentlich gab es damals nur einen einzigen Jungen, mit dem ich mich von Anfang an gut verstand, und das war mein Cousin Shisui. Er war zwar ganz anders als ich, lebhafter und lauter, und auch sechs Jahre älter, aber irgendwie fühlte ich mich bei ihm wohl. Vielleicht, weil er der Sohn von Mamas Bruder war, oder einfach, weil er mich nie „Mädchen“ nannte. Er nahm mich immer ernst, obwohl ich so viel jünger war als er, und mit ihm konnte ich über Bücher reden, weil er selbst gern und viel las.

Für die meisten anderen war ich entweder „der Jüngste“, in der Klasse, im Team, in so ziemlich allem, oder eben „das hochbegabte Wunderkind“. Dass ich mich eigentlich nie wie ein „Kind“ gefühlt hatte, weil ich so früh begonnen hatte, über die großen Dinge der Welt nachzudenken, und dass ich durch meine Fähigkeiten trotz meiner sehr jungen sechs Jahre meistens schon fühlte und dachte wie ein Erwachsener … bei Shisui konnte ich das zeigen und einfach sein, ohne dafür zu hören zu bekommen, wie „besonders“ ich doch sei. Er behandelte mich einfach … normal.

Shisui war selbst schon ziemlich reif, und auch wenn er längst nicht solche hochpotenzierten Fähigkeiten hatte wie ich, er war ein Uchiha und verstand, was das bedeutete.

 

Shisui war es dann auch, der mich quasi aufklärte, was Dinge betraf, die zwischen Männern und Frauen abliefen. Er hatte mit fast dreizehn seine erste feste Freundin, Izumi, die er mir vorstellte und von der ich dann zum ersten Mal hörte, wie das mit den … Bienen und Blumen so funktionierte. Ja, so erklärte sie mir das, und Shisui, der dabei war, sagte dann zu ihr: „Hey, behandele Itachi nicht wie ein kleines Kind! Er ist immerhin Genin! Bienchen und Blümchen, also echt!“

Izumi wurde knallrot und erwiderte: „Wie soll ich das denn sonst sagen? Dass die Erwachsenen diese … Dinge machen, die irgendwie … na ja, komisch sind?“

Woraufhin Shisui ein Buch aus seinem Rucksack holte, auf dem ein rotes Verbotsschildchen klebte und das er einfach vor sich auf den Tisch legte. „Da steht alles drin.“

„Was ist das denn?“, fragte Izumi.

„Hab ich von meinem Paps aus dem Nachttisch geklaut“, sagte Shisui und grinste. „Das ist das hochmysteriöse Flirtparadies, Band 1!“

Was er dann mit gesenkter Stimme aus diesem Buch vorlas, ließ Izumi wiederum erröten. Ich saß einfach da und fragte mich, ob das, was da beschrieben wurde, wirklich so schön und aufregend war, wie es dort stand. Mit meinen sechs Jahren hatte ich noch keine rechte Vorstellung davon, auch wenn ich sonst so viel wusste …

 

Aber etwas später, ich weiß heute nicht mehr genau, wann, da erfuhr ich dann etwas genauer, worum es dabei ging, bei solcher Liebe …

Ich wachte mitten in der Nacht auf und hörte etwas: Mamas Stimme, aber sie klang ganz anders als sonst. Einen solchen Laut hatte ich noch nie gehört, und zuerst dachte ich, vielleicht weinte sie. Ich setzte mich auf und lauschte. Papas Stimme war auch da, aber nur ganz leise.

Ich stand auf und schlich barfuß bis zu meiner Zimmertür, die ich leise aufschob.

Da, wieder Mama. Aber nicht in der Küche unten, sondern oben, im Schlafzimmer am Ende des Ganges. Und jetzt war deutlich zu hören, dass sie nicht weinte.

Mein Gefühl sagte mir, dass ich ganz leise sein musste, dass sie mich nicht bemerken durften. Und so näherte ich mich, schon intuitiv nach Art eines Ninja, dem Schlafzimmer meiner Eltern. Je näher ich kam, umso klarer wurde mir, dass es Mama gut ging und Papa auch, ich hörte Mama kichern und auch andere Laute sprachen davon, dass meine Eltern da gerade irgendwas taten, was ihnen hörbare Freude bereitete.

 

Das Schlafzimmer meiner Eltern lag auf der anderen Seite des Flures und ich wusste, dass eine der Wände von Papas Büro, das sich direkt daneben befand, nur aus einer Holz-und-Reispapier-Wand bestand. Die Tür vom Büro war nicht ganz geschlossen, ich schob sie vorsichtig auf und huschte hinein.

Kaum war ich drinnen, hörte ich Mama im Raum daneben wieder kichern. „Yoshiii … ahh, lass das!“ Und dann: „Wenn du so weiter machst …. hihihihi … dann wecken wir noch Itachi auf …“

„Ich bin schon wach“, dachte ich und kroch unter Papas Schreibtisch, denn dahinter, unten in der Ecke, war das Reispapier etwas lose. Ich feuchtete meinen Finger mit Spucke an und löste das Papier ein wenig von dem hölzernen Rahmen ab, und dann blickte ich durch das entstandene, winzige Fenster:

Viel sah ich nicht, es war ganz dunkel, nicht mal der Mond schien, denn es war Neumond. Aber ich hörte das Rascheln von Bettzeug, Mama kicherte und seufzte genießerisch, und Papa atmete laut. Und irgendwie wusste ich in diesem Moment, dass das, was Shisui mir erzählt hatte und das, was er aus diesem geheimnisvollen Buch vorgelesen hatte, genau das war, was meine Eltern hier gerade taten. Und weil Izumi es so erklärt hatte: „Erwachsene machen das und dann kommen manchmal später Babys zur Welt“, freute ich mich sehr darüber. Denn wenn meine Eltern das auch taten, dann bedeutete das, dass ich möglicherweise ein Geschwisterchen bekommen konnte.

 

Ich schlich zurück in mein Zimmer, setzte mich auf mein Bett und betete zu allen mir bekannten Gottheiten, dass ich mir so, so, so sehr einen kleinen Bruder wünschte. Und ich schwor, schon in dieser Nacht, dass ich der allerbeste große Bruder sein wollte, den man sich nur vorstellen konnte.

 

Damals war ich sechs. Es sollte noch vier Jahre dauern, bis sich mein Wunsch erfüllte, doch es passierte tatsächlich, ich bekam einen kleinen Bruder.

4. Kapitel: Kushina und Minato, Teil 1

Meine Mama hatte eine beste Freundin: Kushina Uzumaki. Mit ihr war sie bereits seit ihrer beider Schulzeit befreundet, die beiden hatten die Ausbildung zusammen gemacht, Mama als Medizinerin und Kushina als Kämpferin, beide in einem Team mit einem anderen Mädchen namens Maiya Hatake.

 

Kushina war eine lebhafte, strahlende, unübersehbare Erscheinung mit ihren langen, leuchtend roten Haaren, ihrer lauten, hellen Stimme und ihrem überschwappenden Temperament. Mama war ganz anders, ruhiger und weniger lebhaft, aber dennoch war ihre Freundschaft harmonisch, und ich freute mich immer, wenn Kushina uns besuchte. Sie hatte einfach diese mitreißende Fröhlichkeit, mit der sie sogar ein so stilles Kind, wie ich es damals war, aus dem Schneckenhaus locken und zu ausgelassenen Spielen ermutigen konnte.

 

Manchmal, wenn Kushina uns besuchte, brachte sie jemanden mit, einen Mann, den ich auch kannte: Minato Namikaze. Minato war ruhiger und gelassener als die sprudelnde, laute Kushina, aber die beiden wirkten trotzdem wie ein sehr harmonisches Paar. Ich musste oft an einen leuchtenden Regenbogen denken, weil Kushinas rotes und Minatos blondes Haar und ihrer beider blaue Augen im Vergleich zu den eher gedeckten Farben meiner Eltern so lebendig und bunt aussahen.

 

Ob ich mich damals schon fragte, wie ein Kind der beiden wohl aussehen und sein würde, weiß ich heute nicht mehr. Aber rückblickend ist Naruto, obwohl er seine Eltern ja nie kennen gelernt hat, so sehr Minatos und Kushinas Sohn, besonders seiner Mama ist er in seinem Wesen so ähnlich!

 

Im Unterschied zu meiner Mama, die seit meiner Geburt nicht mehr aktiv als Shinobi arbeitete, war Kushina noch im aktiven Dienst.

Und Minato, der sich im Krieg als „Konohas gelber Blitz“ einen Namen gemacht hatte, weil er unglaublich schnell war, arbeitete zu dieser Zeit schon daran, Hokage zu werden. Als er mitbekam, dass ich später auch gern Hokage werden wollte, sprach er mich darauf an, und in diesem Gespräch erfuhr ich dann, dass Minato auch von Madaras Hokage-Wunsch wusste.

„… Er kommt aber wohl nicht mehr wieder …“, sagte er dann.

Der Gedanke, dass Madara fort war, machte mich immer noch traurig, und ich blickte zu Boden.

Minato hockte sich vor mich hin und legte seine Hand auf meine Schulter. „Vermisst du Madara?“

Ich nickte nur.

„Es ist seltsam, wenn so jemand einfach verschwindet. Aber … ich muss gestehen, dass es so für mich natürlich einfacher ist … Ich meine, Hokage zu werden. Ich hätte ungern einen Konkurrenzkampf gegen Madara geführt …“

„M-hm …“, machte ich leise. Ja, für Minato war es so sicher einfacher. Er war richtig gut und ich konnte ihn mir auch gut als Hokage vorstellen. Ein Konkurrenzkampf zwischen ihm und Madara um das Amt des Hokage hätte unangenehm werden können, und so war ich fast ein bisschen froh, dass Dara nicht mehr hier war.

 

Manchmal fragte ich mich, was Madara wohl gerade machte und ob es ihm wohl gut ging. Auch wenn er nun offiziell als gefallen und tot galt, so richtig glauben konnte ich das nicht. Ich hatte, ohne es erklären zu können, das bestimmte Gefühl, dass er noch am Leben war … Er war noch irgendwo da draußen, tat irgendwas, aber was genau, auf diese Frage hatte niemand in Konoha Gakure eine Antwort.

5. Kapitel: Sharingan

Ungefähr ein Jahr ging das so, ich ging zum Training mit Papa, begleitete Yoneko ins Teehaus, und zwischendrin half ich Mama in der Praxis mit kleinen Tätigkeiten aus.

 

Damals hatte ich eine gewisse Scheu vor Spinnen, Spritzen und Hohlnadeln, die mir diese Aufgaben etwas erschwerten, fast so etwas wie eine kleine Phobie. Mama vermutete, dass sich darin meine seelische Überforderung ausdrückte und versuchte, zwischen mir und Yoneko einen Abstand herzustellen. Da sich das als schwierig erwies, passte Mama dann in den Zeiten, in denen ich mit ihr alleine war, umso mehr auf, dass ich mich ausruhen und erholen konnte.

Ich war immer noch dasselbe „Mamakind“, und je stärker ich wurde und je mehr damit auch zum Ninja, umso mehr brauchte ich zum Ausgleich die Nähe zu Mama, das normale, ruhige und vor allem kampffreie Dasein bei ihr. Wenn ich Mama bei der Arbeit im Haus oder in der Praxis zusah, stellte ich mir manchmal vor, dass ich genau so wurde wie sie, und diese Vorstellung gefiel mir sehr.

 

Im Sommer 1988 war es dann so weit, dass Yoneko und Papa öfter darüber sprachen, dass meine Sharingan „immer noch nicht“ erwacht waren und es dafür nun Zeit wurde.

 

Es war Mitte August, ich war gerade sieben Jahre alt geworden und damit eigentlich, gemessen an anderen Kindern meines Alters, noch viel zu jung dafür. Aber ich war meinen Altersgenossen schon so weit voraus, dass niemand mehr danach fragte, wie jung ich war. Es gab inzwischen eine ganze Menge ‚Sonderregeln‘ für mich, die auch den Kinderschutz in Bezug auf Training und Jutsus in meinem Fall außer Kraft setzten, sodass ich nun wirklich kaum mehr das Gefühl hatte, ein Kind zu sein. Ich war immer noch Genin, trainierte und arbeitete aber längst wie ein Chuunin, und meine Gedankenwelt hatte kaum noch etwas gemeinsam mit einem Kind.

 

Das Tsukuyomi war inzwischen ein fester, nicht wegdenkbarer Teil meines Wesens geworden, und ich hatte gelernt, es in mir zu öffnen und hinein zu gehen. Es war wie ein großer Raum in meiner Innenwelt, den ich nicht nur im Training, sondern auch im alltäglichen Leben benutzte, um mich zurück zu ziehen. Dort drinnen war ich allein, hatte meine Ruhe und konnte mich vom Training und von den Missionen, auf die ich inzwischen mitgenommen wurde, erholen.

Ich war inzwischen öfter mit anderen Ninjas unterwegs, in wechselnden Teams mit anderen Ge- und Chuunin, auf Missionen, bei denen ich dem jeweiligen Team meist als Stratege diente. Manchmal musste ich auch mitkämpfen, wobei ich als Langstrecken-Distanzkämpfer meistens Feuerversteck-Ninjutsu benutzte. Taijutsu blieben das, was ich am wenigsten mochte, und weil ich aufgrund meines jungen Alters ja kleiner war als meine Teamkameraden, schützten diese mich davor, in der ersten Reihe kämpfen zu müssen.

 

Da meine Sharingan noch nicht erwacht waren, konnte ich, obwohl ich Genjutsu inzwischen intuitiv beherrschte, diese noch nicht in dem Maße anwenden, wie es sein sollte, und so beschloss Papa, dass es nun Zeit wurde, sie zu wecken, damit ich meine Fähigkeiten weiter potenzieren konnte.

 

Am Abend vorher hatten er und Mama wieder Streit, ich hörte es von meinem Zimmer aus. Mama war nicht dagegen, dass ich meine Sharingan erweckte, aber die Umstände und die Art, wie man für gewöhnlich bei jemandem die Sharingan weckte, beunruhigte sie.

„Natürlich braucht Itachi die Sharingan irgendwann, das weiß ich! Aber wenn du ihn im Training so hart ran nimmst, dass er sie aus Not aktiviert, dann geht in ihm vielleicht was kaputt! Yoshio, unser Sohn ist kein Kämpfertyp, und das weißt du auch!“

„Du packst ihn viel zu sehr in Watte, Ikue!“

„In Watte packen? Falls du es mal wieder vergessen hast, Itachi ist hochsensibel! Du kannst aus ihm nicht auf Biegen und Brechen einen Ninja machen!“

„Aber wir leben nun mal in einer Welt, in der man kämpfen muss! Und besser, er lernt das! Mediziner kann er immer noch werden, aber er hat auch eine Aufgabe für Konoha, und ich werde ihm beibringen, wie er sie erfüllen kann.“

Einen Moment herrschte Stille, dann hörte ich Mama antworten, ihre Stimme klang nach Weinen: „Du hast aber nicht ernsthaft vor, ihn zur Anbu zu schicken, oder?!“

Wieder Stille. Dann hörte ich Schritte, die Küchentür wurde mit einem Ruck zugezogen, Mama kam die Treppe rauf. Ich hörte, dass sie weinte, und wagte doch nicht, aufzustehen und zu ihr zu gehen.

 

Am nächsten Morgen kam Papa in mein Zimmer. Ich saß an meinem Schreibtisch und lernte mit einem Buch über Feuerversteck-Jutsu, und als er die Tür öffnete, drehte ich mich zu ihm um.

„Komm, zieh dir Trainingssachen an, pack deine Waffen zusammen, wir gehen zwei Tage auf Trainingsreise“, sagte er.

Ich dachte an Mama, daran, was ich gestern gehört hatte, und fragte: „Wohin?“

„In einen Wald in Richtung der Berge“, antwortete Papa. „Deine Mutter weiß Bescheid, sie hat sich wieder beruhigt.“

Ich stand auf, ging an Papa vorbei die Treppe hinunter in die Küche. Mama saß am Küchentisch und las etwas. Als ich hereinkam, sah sie auf.

„Geh mit deinem Vater mit, Itachi. Und wenn ihr wieder zurück seid, mache ich einen schönen Ausflug mit dir, okay?“, sagte sie.

Ich ging zu ihr hin und sie umarmte mich, strich mir durchs Haar und drückte einen Kuss auf meine Stirn.

„Mama, geht’s dir gut?“, fragte ich.

„Ja, Spatz, es ist alles gut.“ Mama lächelte. „Pass schön auf dich auf, ja?“

 

Und so packte ich alles Notwendige zusammen, und Papa und ich verließen das Dorf durch das große Haupttor. Der Wächter am Tor begrüßte uns und fragte, wohin wir wollten, und Papa antwortete: „Wir gehen in die Berge zum Training.“

„Viel Erfolg!“, erwiderte der Wächter. „Gebt alles!“

 

Wir nahmen zuerst die Straße, die rund um das Dorf führte, und am Felsmassiv mit den Hokage-Gesichtern bogen wir in den Wald ab, nahmen den Weg durch die Baumkronen.

Papa voraus, ich hinterher, und während der Wind durch mein Haar fuhr und ich von einem Ast zum nächsten sprang, dachte ich an Mama und hoffte, dass sie sich nicht zu große Sorgen um mich machte. Und wieder kam ich mit den Gedanken darauf, dass ich mir einen kleinen Bruder wünschte, damit ich nicht mehr so allein war.

 

Nach etwa eineinhalb Stunden kamen wir an ein kleines Gasthaus, in dem wir uns ein Zimmer mieteten. Es gab auch etwas zu essen, Papa aß Reisbällchen und ich ein paar süße Dango mit Sauce.

 

Nach dem Essen gingen wir wieder ein Stück in den Wald hinein, zu einer Lichtung, die Papa schon kannte. Wir hatten das Reisegepäck im Gasthaus gelassen und nur Waffen mit zu dieser Lichtung genommen, mehrere Kunai, viele Shuriken und zwei Paar Tonfa, und Papa hatte außerdem sein Schwert dabei. Aus einer langen Tasche an seinem Gürtel zog Papa außerdem ein gerades Kurzschwert, und ich erkannte meinen Namen auf dem Griff.

„Du bist jetzt alt genug für ein kleines Schwert, mein Sohn“, sagte er und reichte es mir.

Ich nahm es mit beiden Händen an. Auf dem Griff war neben meinem Namen auch unser Familienwappen, der rot-weiße Blattfächer, eingraviert, und als ich das Schwert aus der Ummantelung zog, sah ich, dass die Klinge zwar ganz gerade war, aber dennoch das typische Wellenmuster eines edlen Katana-Schwertes hatte.

„Vielen Dank, Papa“, sagte ich und verbeugte mich leicht.

 

„Fangen wir an!“, gab Papa das Signal, dass ich mein neues Schwert gleich ausprobieren sollte. Er ging in Kampfhaltung, ich ebenso, und im nächsten Moment hatte er seine Sharingan aktiviert und lief auf mich zu.

Ich sprang rückwärts zurück und entschloss mich binnen Millisekunden für das Jutsu der Phönixblume, das ich von allen Feuerversteck-Jutsus am liebsten benutzte. Papa wich den Flammen aus, kaum dass ich sie erschaffen hatte, er hatte das Jutsu längst mit seinen Sharingan vorausgesehen. Ich warf ein Shuriken, auch dem wich er schon im Voraus aus, und als ich versuchte, ihm näher zu kommen, um mein neues Schwert einzusetzen, verschwand er im dicht belaubten Geäst eines Baumes.

 

Noch war dieses Training genau so, wie wir es schon immer machten, doch ich wusste, das würde nicht so bleiben. Papa wollte, dass meine Sharingan erwachten, und das bedeutete, dass er mich, jetzt oder später, ernsthafter angreifen würde. Einen Moment lang dachte ich an Mama, daran, dass ich sehr froh war, dass es nicht ihre Aufgabe war, mich zu trainieren, sondern Papas. Bei Mama würde ich mich später erholen können.

 

Zu lange durfte ich dem Gedanken an Zuhause nicht nachgehen, ich musste mich konzentrieren. Ich lauschte auf das Rauschen der Blätter, auf den Wind und jedes Geräusch in meiner Umgebung, wachsam und immer mit der Frage, wo und wann Papa wieder auftauchen und mich angreifen würde. Ich wusste, dass er mich beobachtete und auf einen Schwachpunkt meinerseits wartete.

Meine Hände warteten aufmerksam auf einen Befehl meines Geistes: Shuriken greifen? Fingerzeichen schließen? Und meine Beine waren bereit zum Sprung.

 

Einen Moment später hörte ich ein ganz leichtes Rascheln über mir, ich sah blitzartig nach oben und sprang gleichzeitig zurück, und eine Sekunde später steckten drei Kunai an dem Punkt, wo ich eben noch gestanden hatte. Ich hatte Papa nicht gesehen, nur gehört, und nach dem Angriff war er wieder verschwunden, nicht zu sehen. Wieder raschelte es irgendwo, und ich sprang zurück, noch einmal und noch einmal, und zum ersten Mal dachte ich: „Gleich bräuchte ich Sharingan. Ich weiß nicht, wo ist er, wann greift er wieder an?“

Ein Gedanke zu viel, zu lang, auf einmal stand er hinter mir und ich spürte ein Kunai unten an meinem Hals, bei meiner Schulter.

Ich spürte mein Herz klopfen, das Adrenalin rauschte durch meinen Körper.

„Was machst du jetzt?“, fragte Papa hinter mir.

Und auf einmal sah ich Mama vor mir stehen. Es konnte nicht sein, es war ein Genjutsu, Mama war zu Hause und wartete auf mich. Und als auch Shisui vor mir auftauchte, wusste ich, was Papa vorhatte.

 

Papas Schattendoppelgänger griff Shisui an. Mama war wieder verschwunden, ihre Erscheinung sollte mich nur ablenken, und so sah ich zu, wie Shisui vor Papa zurückwich. Shisui war zwar schon dreizehn, aber er sah nicht fit aus, und obwohl ich wusste, dass es ein Genjutsu war, bekam ich Angst um ihn, so direkt und deutlich, wie Papa ihn immer wieder angriff.

Und während Papas Doppelgänger gegen Shisui kämpfte, verwickelte Papa mich wieder selbst in einem Kampf. Oder war es anders herum? Auf einmal hatte ich das Gefühl, dass Shisui doch wirklich hier war, und dann kam er auf mich zu, griff mich auf einmal an!

 

Im nächsten Augenblick sah ich mich zwei Gegnern gegenüber, Papa und Shisui! Ich wich zurück, warf zwei Shuriken, Papa kam immer näher, ich sah seine Sharingan und schleuderte ihm noch eine Phönixblume entgegen, doch als ich noch einen Sprung rückwärts machte, prallte ich mit dem Rücken gegen einen Baumstamm.

Shisui war schneller als Papa und warf ein Shuriken, dem ich nur geradeso ausweichen konnte, und ich spürte, wie in meiner Innenwelt das Tsukuyomi erwachte und seine Tür öffnete. Ein Teil von mir wollte darin versinken, da hinein fliehen, ein anderer Teil fand einen Punkt darin, wie einen Schalter, an den ich bisher nicht heran gekommen war. War das der Punkt, an dem ich meine Sharingan erwecken sollte?

 

Eine Sekunde später musste ich wieder ins Außen zurück, denn Papa kam mit gezogenem Schwert auf mich zu, neben ihm Shisui, von dem ich nun wirklich nicht mehr wusste, ob er echt hier war oder nicht, mit je einem Kunai in jeder Hand. Und hinter mir, ich wusste nicht, ob durch den Baumstamm hindurch oder über mir mit Chakra am Stamm stehend, spürte ich zwei Doppelgänger von Papa, keine Schattendoppelgänger, sondern wohl welche aus festem Material, ein Tauschjutsu auf höchstem Niveau …!

 

Ich blickte schnell hinter mich, nur eine Millisekunde zu lange, die Shisui nutzte, um mich anzugreifen, die beiden Kunai landeten links und rechts neben meinem Kopf und mit einem dritten Kunai griff er meinen Kopf direkt an.

„Er ist nicht echt“, versuchte ich mir innerlich zu sagen, aber das Genjutsu und Papas Doppelgänger hinter mir waren so stark, und dann kam Papa von oben, während Shisui mit dem Kunai meine Aufmerksamkeit beanspruchte, einen ganz kurzen und zugleich ewig lang scheinenden Augenblick sah ich alles wie in Zeitlupe und wusste, ich konnte jetzt nicht einfach so ausweichen, ich saß in der Falle!

Intuitiv schloss ich die Augen, spürte eine gewaltige Welle aus Adrenalin und Chakra in mir, und wusste, wenn das hier so weiter ging, würden gleich meine Sharingan erwachen, ich spürte schon ein Kribbeln hinter meinen Augen.

 

Es war seltsam, wie schaffte Papa es, mich mit diesem Genjutsu so weit zu bringen? Es war doch nur ein Genjutsu! Oder?

Ich spannte meinen ganzen Körper an, versuchte, das Genjutsu zu lösen, eigentlich konnte ich das doch! Tatsächlich verschwand Shisui endlich, er war wirklich nur eine Illusion gewesen, aber Papa blieb, und auch die Doppelgänger hinter meinem Rücken waren noch da.

„Sehr gut“, hörte ich seine Stimme, und dachte, vielleicht machten wir jetzt eine kleine Pause?

Doch einen Moment später war da wieder ein Rascheln über mir, obwohl Papa vor mir stand. Ich spürte und erkannte Papas Chakra, sodass ich wusste, er stand vor mir, ohne dass ich die Augen öffnen musste. Doch das Chakra über mir war nicht Papa. Es gehörte zu jemand anderem, jemand, den ich nicht kannte!

„Papa?“, fragte ich leise, atemlos.

Er antwortete nicht. Und ich wusste, die Person über mir war echt, kein Genjutsu.

 

Ich hörte das Zischen von drei wirbelnden Shuriken, wich ihnen blind aus, und griff dann nach meinem neuen Schwert, zog es und versuchte einen ersten Schlag damit in Richtung des Gegners über mir, sah ihn nun auch. Es war jemand in der Uniform der Anbu-Einheit, und er trug eine Tiermaske, wie die meisten Anbu-Mitglieder, die ja meist anonym arbeiteten. Er hatte ein langes Schwert, eines, gegen das meines wie ein Kinderspielzeug aussah.

Ich wich aus, doch sofort kam der nächste Schlag, den ich parierte und dachte nur, ganz kurz: „Das hier ist verabredet. Der Typ da ist ein Anbu, der kennt uns.“

Es blieb nur ein Schluss: Papa hatte diesen Ninja dazu bestellt, er war in den Plan dieses Trainings eingeweiht. Es war ein Anbu mit dem zusätzlichen Abzeichen der Konoha-Polizei auf der Uniform, also einer von Papas Untergebenen.

 

Wieder griff der Mann mich an, und er drängte mich tiefer in den Wald, weg von der Lichtung. Vorhin hatte ich gesehen, dass die Lichtung von sehr dichtem Unterholz umgeben war, und in diesem dichten Gestrüpp würde es schwierig werden, Angriffen auszuweichen.

Ich musste nun wirklich aufpassen, denn zwar wusste ich, dass Papa da war und aufpasste, dass ich nicht umkam, aber wenn ich gegen jemanden aus der Polizeiabteilung der Anbu kämpfen sollte, musste ich von diesem auf alles gefasst sein. Anbu-Ninja taten ohne jede Frage nicht mehr und nicht weniger als das, was ihnen befohlen wurde, und dieser Mann hatte den Auftrag, mich an den Rand meiner Kräfte zu bringen, damit am Ende meine Sharingan erwachten.

 

Ich sprach nicht, rief nicht nach Papa, und auch der Anbu sprach kein einziges Wort. Papa war irgendwo über uns, aber so weit entfernt, dass ich wusste, er würde das jetzt nur noch beobachten, weder eingreifen, noch das Ganze selbst steigern.

Die Schwerthiebe kamen immer schneller, und das Kribbeln hinter meinen Augen würde stärker und stärker, je schneller mein Gegner mich immer wieder angriff und es für meine Augen bald unmöglich wurde, die Bewegungen überhaupt zu erkennen. Ich parierte und wich aus, und es wurde immer klarer, dass ich den Anbu meinerseits angreifen musste.

Ich sah auf seine Beine, versuchte daraus seine Bewegungen zu lesen, und als er mit dem Schwert über mich hinweg rauschte, griff ich sein rechtes Knie an und hoffte, dass er als Rechtshänder auf der rechten Seite seine Kraft hatte.

Doch er zog ein Kunai aus seiner Waffentasche am Gürtel und griff mich nun mit diesem und seinem Schwert an, sodass es für mich langsam aber sicher unmöglich wurde, überhaupt wirklich an ihn heran zu kommen!

 

Dadurch, dass er nicht sprach, wirkten seine Angriffe bedrohlicher als alles, was ich bisher aus Trainingskämpfen kannte, und ich konnte Papa nicht mehr in meiner Nähe erkennen, ich war jetzt alleine mit diesem Anbu.

Das Kribbeln in meinem Kopf, hinter meinen Augen und durch mein ganzes Gehirn, wurde so stark, dass ich mich zuerst kaum noch auf den Kampf konzentrieren konnte, es sammelte sich Druck, und ich fragte mich einen Augenblick lang, ob es nur diese Situation war, die meine Sharingan weckte, oder ob ich vielleicht einfach nur nun alt genug dafür war?

Ich wusste es nicht, da mein körperliches Alter, sieben Jahre, schon lange nichts mehr mit meinem geistigen und seelischen Alter zu tun hatte. Ich war schon lange kein Kind mehr und wusste auch nicht mehr, wie sich Kindsein für mich angefühlt hatte, ja ob ich denn jemals eines gewesen war …

 

Ich schloss die Augen, wich wieder einem Hieb aus, und in diesem kurzen Augenblick, der sich auf einmal unendlich lang anfühlte, überrollte mich das kribbelnde Gefühl, ich versank in meiner Innenwelt, im Tsukuyomi, das mich aufnahm und dann wieder losließ, und als ich die Augen wieder öffnete, sah ich das Chakra meines Gegners, seine Kraft und seine Bewegungen, in einer Weise, die ich noch nie erlebt hatte, alle seine Bewegungen, irgendwie langsamer, wie in Zeitlupe, so als läge über jeder Bewegung, die er machte, ein Filterbild, das zeigte, was er gleich tun würde.

Ich spürte eine unglaubliche Kraft in mir, mit einem Mal waren die Ketten, in denen meine Fähigkeiten gelegen hatten und gewachsen waren, gesprengt und zerrissen, und innerhalb eines unendlichen Moments entfalteten sie sich, ich sah mir selbst zu, wie ich sprang, den Kopf des Anbu angriff, seinen Bewegungen jetzt so leicht ausweichen konnte, weil ich sie jetzt voraussah, und als ich nah genug war, trafen sich mein und sein Blick, und in mir öffnete sich intuitiv mein Tsukuyomi, das jahrelange Üben in meiner Innenwelt zeigte sein Ergebnis und ich nahm meinen Gegner mit hinein, griff ihn dort, in meiner inneren Heimat, in der ich mich auskannte wie nirgends sonst, endlich an, brach seine Verteidigung und hörte ihn überrascht aufkeuchen, ehe ich ihn an der Schulter erwischte und mein neues Schwert mit dem Klingenrücken auf sein Schlüsselbein niedersausen ließ.

 

Der Anbu schrie nicht, doch ich sah, dass ich ihn getroffen und verletzt hatte, und im nächsten Moment schloss sich Tsukuyomi und wir waren wieder im Wald. Doch nun war die Situation eine andere, er stand vornübergebeugt vor mir und ich sah Blut aus der Wunde an seiner Schulter in seine Kleider sickern.

Ich hatte ihn noch nicht besiegt, doch er hatte sein Ziel erreicht, seinen Auftrag erfüllt, und ich wusste, der Kampf war vorbei.

Papa kam von einem der Bäume herunter, stand mit einem Sprung wieder vor mir. Er hatte immer noch seine Sharingan aktiviert, doch er lächelte, schien stolz zu sein.

Ich konnte noch nicht sprechen, atmete schwer und meine Augen fühlten sich ganz seltsam an, irgendwie fremd und erschöpft …

„Gut gemacht, mein Sohn“, sagte Papa und trat vor mich, kniete sich hin und legte seine Hand auf meine Schulter. Dann zog er ein Tuch aus seiner Tasche, reichte es mir, und ich fuhr mir damit über die Augen, und erst dann bemerkte ich, dass mir die Tränen übers Gesicht liefen. Und als ich das Tuch dann ansah, waren meine Tränen darin von Blut durchzogen.

„Keine Angst, das ist normal“, sagte Papa. „Das passiert oft beim ersten Mal.“

Dann wandte er sich zu dem Anbu um. „Danke, du kannst gehen.“

Der Ninja verbeugte sich und verschwand augenblicklich.

 

„Das hast du sehr gut gemacht“, sagte Papa dann zu mir. „Hast du ein Genjutsu benutzt?“

„Ich hab … Tsukuyomi … benutzt …“, antwortete ich leise.

Papa sah mich überrascht an. „Wirklich?“

Ich nickte. „Es kam irgendwie einfach so …“

„Itachi, du bist wirklich unglaublich! Ich glaube, selbst dein Urgroßvater Fukuya hat das Tsukuyomi nicht so früh und so gut beherrscht wie du!“ Papa erhob sich und wir gingen zu der Lichtung zurück, und als wir wieder dort waren, spürte ich, wie meine Sharingan sich wieder zurückzogen in meine Innenwelt, wo sie von nun an mit dem Tsukuyomi eine Einheit bildeten.

 

Auf dem Weg zurück zur Gaststätte beruhigten sich meine Augen wieder, ich weinte nicht mehr und es kam auch kein Blut mehr. Papa hielt mich an der Hand und führte mich, und im Zimmer angekommen sagte er mir, ich sollte mich ein wenig hinlegen, während er sich mit dem mobilen Funkgerät zu Hause meldete. Ich lag also auf dem Futon und hörte, wie Papa im Nebenraum zuerst mit Mama sprach, und dann, wie er danach auch Yoneko Bericht erstattete: „Itachi hat jetzt seine Sharingan erweckt, und er hat sogar gleich Tsukuyomi benutzt!“

 

Ich hörte nicht, was Yoneko antwortete, aber ich konnte mir ihre Reaktion vorstellen. Und ich wusste, dass jetzt noch mehr Training auf mich zu kam. Ich war, wie Papa immer sagte, eine „Riesenchance für Konoha“, und diese Chance durfte nicht ungenutzt sein.

Mir fiel ein, was Mama gestern Abend gesagt hatte, im Streit mit Papa: „Du hast aber nicht ernsthaft vor, ihn zur Anbu zu schicken?!“ Mama wollte mich davor schützen, und ich wusste genug über die Anbu, um zu wissen, dass diese Arbeit eigentlich nicht zu mir, meinem Wesen, passte. Aber wenn ich so wichtig für das Dorf war, dann musste ich wohl auch das mitmachen?

Mein eigentlicher Wunsch, mit Mama zusammen in ihrer Praxis zu arbeiten und Menschen zu heilen, statt zu kämpfen, rückte vor diesen Plänen so sehr in den Hintergrund, dass ich dachte, es war vielleicht besser, nicht daran zu glauben … Es tat weh, und als Papa wieder ins Zimmer kam, saß ich auf dem Futon und weinte wieder.

 

„Was ist los, mein Sohn?“, fragte Papa.

Ich wusste nicht, ob ich ehrlich sein durfte, sagen durfte, dass mich die Aussicht, Anbu-Kämpfer anstatt Medizin-Ninja werden zu müssen, so traurig machte.

„Sag schon.“ Papa setzte sich zu mir.

„Ich will nicht zur Anbu …“, antwortete ich leise. „Ich möchte Medizin studieren.“

Papa sah mich an, und ich spürte, dass er nachdachte. „Du hast Mama gestern gehört?“

Ich nickte.

„Mit sieben Jahren geht niemand zur Anbu, Itachi. Auch Madara hat dort erst mit vierzehn angefangen. Irgendwann wird die Zeit für dich kommen, aber bis dahin ist es noch lange hin.“ Er sah mich wieder einen Moment lang an, dann sagte er: „Wenn du inzwischen eine Ausbildung zum Medizin-Ninja machen möchtest, kannst du das gern tun. Und auch die Anbu kann einen guten Mediziner gebrauchen.“

Ich war erleichtert, dass Papa das so sagte, so sehr, dass ich lächeln musste. Papa erwiderte es, und dann sagte er: „Ich will doch auch nur dein Bestes, Itachi. Weißt du … das ist auch für mich nicht immer einfach. Du bist mein Sohn und ich hab dich lieb, aber zugleich bist du so begabt, ich kann deine Fähigkeiten nicht ungenutzt lassen …“

Es kam selten vor, dass Papa mir so etwas so offen sagte. Er war eben ein echter Ninja, für den Kämpfe und Stärke Priorität hatten, und ich wusste, dass er sich schwer tat damit, über Gefühle zu sprechen. Die einzige Person, von der ich wusste, dass sie sein Innenleben kannte, war Mama.

 

Wir packten unsere Sachen wieder zusammen und verließen das Gasthaus, allerdings nicht, um gleich wieder nach Konoha zurück zu gehen.

Stattdessen gingen wir weiter in die Berge, kamen in einem weiter entfernten Gasthaus unter, und Papa führte mich zu einem Ort, einem Trainingsplatz, an dem ich eindeutige Spuren von Jutsus erkannte, die zu unserem Clan gehörten.

 

„Das ist unser Außenposten“, sagte Papa. „Wir sind hier, damit du deine Sharingan noch weiter entdecken kannst, bevor wir ins Dorf zurück gehen.“

Ich nickte, hatte die Hand schon an meinem neuen Schwert.

Papa aktivierte seine Sharingan und ich tat es ihm gleich, es ging ganz leicht. Zuerst übten wir ganz einfach nur Taijutsu, damit ich Sicherheit darin gewann, die Bewegungen voraus zu sehen. Wir sprachen dabei kein hörbares Wort, doch Papa bewegte die Lippen und ich konnte mit meinen Sharingan die Worte lesen, er gab mir tonlose Anweisungen, die ich sofort umsetzte.

 

Auf einmal, ich hatte gerade einen Tritt abgewehrt, spürte ich hinter mir etwas, eine Präsenz, eine Person … Ich sprang hoch, sah mich dabei kurz um, und sah jemanden hinter einem Gebüsch am Rand des Platzes stehen.

 

Papa ließ den nächsten Angriff sein, ich landete wieder auf dem Boden und wandte mich um.

Über dem Gebüsch schaute ein Kopf heraus, ein Junge von vielleicht zehn oder elf Jahren, er hatte leuchtend orangenes Haar und seine Augen waren von einem etwas eigenartigen Lila. Seine Kleidung war schlicht und ziemlich zerschlissen, sah ärmlich aus.

Ich sah ihn an, er erwiderte den Blick, und in dem Moment spürte ich eine eigenartige Energie, die ich sonst nur bei anderen Kindern meines Clans und bei denen vom Hyuuga-Clan bemerkte.

„Komm raus!“, rief Papa dem Jungen zu.

Doch der blieb hinter dem Gebüsch stehen.

 

Papa sah mich an, ich wandte mich wieder zu ihm um, und seine Lippen sagten mir, ohne einen Ton: „Kekkei Genkai, Dojutsu.“

Im Kopf ging ich alle Kekkei Genkai für Dojutsu, die ich kannte, durch, aber ich fand keines, was zu dieser Energie, die der Junge ausstrahlte, passte. Es musste also ein sehr seltenes Erbe sein, eines, das noch niemand aus Konoha Gakure erfasst hatte.

„Wie heißt du?“, rief Papa dem Jungen zu.

Doch dieser antwortete nicht. Er stand einfach nur da und sah zu uns herüber. Ein paar Sekunden verstrichen, dann sagte er doch etwas, aber nur ein einziges Wort: „Sharingan?“

Papa sah mich an, sein Blick sagte: „Kein Wort, Itachi.“

Wieder vergingen ein paar Sekunden, in denen ich mich fragte, woher dieser fremde Junge mit dem fremden Kekkei Genkai wissen konnte, dass unseres „Sharingan“ hieß. War er vielleicht ähnlich belesen wie ich und hatte auf diese Weise davon erfahren? Aber er sah so ärmlich und allein aus, dass ich das nicht so recht glauben konnte. Oder kannte er einfach jemanden aus unserem Dorf?

 

Auf einmal fiel mir jemand ein: Madaras Halbbruder Izuna. Der hatte das Dorf vor langer Zeit schon verlassen und lebte seither irgendwo, niemand aus Konoha hatte ihn je wieder gesehen. War es möglich, dass dieser Junge Izuna kannte?

Ich sah Papa an, der blickte fragend zurück, und ich entschloss mich, den Jungen einfach zu fragen: „Izuna Uchiha? Kennst du ihn?“

Doch ich bekam keine Antwort, nur ein Kopfschütteln. Und einen Moment später war der Junge einfach verschwunden. Und erst, als er weg war, dachte ich: „Und Madara? Wenn Madara noch irgendwo ist und lebt, kennt dieser Junge ihn vielleicht?“

Aber wir bekamen auf diese Frage keine Antwort mehr.

 

Papa fragte, nachdem wir sicher waren, dass der Junge nicht zurückkommen würde: „Wie kamst du eben auf Izuna?“

„Weiß nicht, es fiel mir so ein“, antwortete ich.

„Denkst du manchmal noch an Madara?“

Ich nickte. „Manchmal vermisse ich ihn noch.“

„Ich auch …“, gestand Papa. Es kam selten vor, dass er so etwas sagte, aber in diesem Moment sah ich diese Frage, was wohl mit Madara passiert war, in Papas Augen stehen, und auch, dass es ihn frustrierte, nicht zu wissen, ob Madara noch lebte oder nicht. Was wir beide wussten, war, dass Madara stark war und dass er, wenn er wollte, alle seine Spuren zu verwischen verstand. Da blieb nur das „Warum?“.

 

„Man kennt eben niemanden so ganz von Innen“, sagte Papa leise und sein Blick ging dabei in die Ferne. „Auch wenn wir als Nutzer des Sharingan weiter in die Menschen hineinsehen können als andere, so bleibt dennoch immer etwas, wo auch wir nicht weiter wissen. Ich frage mich auch immer wieder, warum er gegangen ist. Vielleicht wollte er Izuna suchen? Ich habe damals, als er gegangen ist, nichts gesehen oder gehört, wir standen einfach in Ame Gakure auf dem Dorfplatz und auf einmal ist Madara weggegangen, ohne ein Wort.“

„Und wenn Izuna dort gewesen ist?“, fragte ich.

„Vielleicht … Ich dachte erst, das wäre mir doch aufgefallen, den hätte ich bemerkt. Aber, ja, vielleicht war es so …“

„Wirst du … Nachforschungen anstellen?“, fragte ich leise.

„Habe ich schon. Ich habe schon damals, als Izuna gegangen ist, versucht, herauszufinden, wo er sein könnte, aber auch er ist spurlos verschwunden. Nun ja, als Uchiha wissen Izuna und Madara ja beide, wie man unsere Fähigkeiten austrickst, und auch, wie man den Anbu aus dem Weg geht.“

 

Wir blieben dann doch nicht lange auf diesem Platz. Papa wirkte nachdenklich und ich hatte das Gefühl, dass er über Madara und Izuna nachdachte, und über die Gründe, warum Izuna unser Dorf verlassen hatte. Und so kehrten wir ins Gasthaus zurück.

 

Izuna war schon als Jugendlicher gegangen, lange vor meiner Geburt, und so hatte ich weder ihn kennen gelernt, noch kannte ich die genauen Gründe, die dazu geführt hatten, das er Konoha verlassen hatte. Ich wusste nur, Izuna hatte sich mit Yoneko nicht gut verstanden und war nach einem Streit mit ihr über Nacht aus dem Dorf verschwunden, hatte nur einen kurzen Brief zurück gelassen, in dem er Yoneko als Grund für sein Weggehen benannte.

 

Zurück im Gasthaus ging ich auf mein Zimmer, ich war ziemlich erschöpft und wollte mich ein bisschen hinlegen. Aber ich konnte nicht einschlafen, in mir vibrierte eine starke Energie und es fiel mir schwer, die Augen zu schließen.

Und so blieb ich wach liegen, und dachte an den seltsamen Jungen, durchforstete mein Gedächtnis nach Informationen über Dojutsu-Bluterbe aus anderen Dörfern, aber ich fand nichts, das zu diesen seltsamen lila Augen gepasst hätte. Es war schon seltsam, denn eigentlich war es kaum möglich, dass eine Familie über so etwas verfügte und das geheim halten konnte … Es sei denn … ja, es sei denn jemand hatte es versiegelt. Manchmal wurden Kekkei Genkai aus verschiedenen Gründen versiegelt, und so war es dann auch möglich, dass sie in Vergessenheit gerieten.

 

Irgendwann muss ich dann doch eingeschlafen sein, denn Papa weckte mich und wir verließen das Gasthaus, machten uns auf den Weg zurück ins Dorf.

Ich hatte das Gefühl, dass Papa irgendwie unzufrieden war, und als wir schließlich durchs Tor gingen und der Wächter uns fragte, ob unsere Mission erfolgreich gewesen war, kam von Papa nur eine knappe Antwort.

„Du siehst müde aus, Itachi“, sagte der Wächter.

„Mir geht’s gut“, antwortete ich.

 

Auf dem Weg zu unserem Haus kamen wir an einem Laden mit Schaufenster vorbei, und ich sah mich im Vorbeigehen im Spiegel. Der Wächter hatte Recht, ich sah wirklich müde aus. Meine Augen waren etwas gerötet, hatten dunkle Schatten und es sah so aus, als seien die beiden Kanten, die von meiner Nasenwurzel über meine Wangen verliefen, etwas länger und tiefer geworden.

 

Zu Hause empfing uns Mama mit dem Mittagessen, aber sie sah auch irgendwie müde aus.

„Alles gut, Ikue?“, fragte Papa.

Mama schüttelte den Kopf. „Ich war mit Kushina frühstücken und irgendwas war im Essen drin, was ich nicht vertragen habe …“ 

Ich ging zu Mama hin und umarmte sie.

„Du siehst auch nicht gut aus, mein Kind“, sagte sie zu mir und drückte mich an sich.

„Vielleicht hat der Koch mit Bonito gekocht statt mit Kombu?“, vermutete ich. Mama ernährte sich schon seit vielen Jahren vegetarisch, weil sie manche tierischen Eiweiße nicht vertrug, sie bekam furchtbare Bauchschmerzen, wenn sie Fleisch oder Fisch gegessen hatte. Und weil sie mich von Anfang an mit hauptsächlich pflanzlicher Nahrung großgezogen hatte, zog ich selbst auch vegetarisches Essen vor, Fleisch war mir so ungewohnt, dass ich viel lieber Gemüse und Salat aß. Papa dagegen war Fleischesser und so kochte Mama nur für ihn ganz ‚normal‘.

 

Beim Essen war es still, und als ob ich erst jetzt, zu Hause, mich wirklich fallen lassen konnte, war ich nach dem Essen so müde, dass ich rauf in mein Zimmer ging, mich angezogen auf mein Bett legte und sofort wieder einschlief.

 

Als ich wieder aufwachte, war es dunkel, irgendwann mitten in der Nacht. Ich hörte Stimmen von unten, Mama und Papa, und noch andere, ich erkannte Yonekos Stimme und die eines Kollegen von Papa.

„… ihn auf Missionen zu schicken, wo er jedes Mal der Jüngste im Team ist … aber ich denke schon, dass er das kann …“

„Als Mediziner … ich weiß nicht …“

„… hätte den Vorteil, dass andere Länder ihn nicht so wahrnehmen …“

Papas Kollege und Oma Yoneko sprachen über mich, und ab und zu hörte ich Papas Stimme, wie er zustimmende Laute vernehmen ließ.

Und dann Mama: „Ihr wisst doch, dass ich mir Sorgen um ihn mache.“

„Ja, natürlich, immerhin ist er dein Sohn“, sagte Oma.

„Vor allem ist er noch ein Kind!“

„Ikue, du müsstest doch am besten wissen, dass Itachi kein gewöhnliches Kind ist! Er ist doch schon lange viel, viel weiter als alle anderen Kinder seines Alters!“ Das war wieder Oma.

Ein Geräusch war zu hören, wie ein Stuhl, der wackelte, weil Mama aufgesprungen war. „Genau deshalb hat er ein Recht auf eine Kindheit! Er ist nicht nur euer Wunderkind, er ist außerdem hochsensibel, und ich lasse nicht zu, dass ihr ihn kaputt macht!“

 

Ich stand auf, verließ mein Zimmer und ging rüber ins Bad, schaute mich im Spiegel an und stellte fest, dass ich etwas ausgeruhter aussah. Dann ging ich die Treppe hinunter, durch die Küche ins Wohnzimmer, und sah Papa, Oma und Papas einen Kollegen dort sitzen. Mama stand, und der Stuhl, auf dem sie gesessen hatte, stand hinter ihr.

„Itachi …“ Mama sah mich an.

„Nicht streiten …“, sagte ich, meine Stimme klang leise und kindlich.

Mama kam auf mich zu, kniete sich vor mich hin und legte ihre Hände auf meine Schultern. „Haben wir dich geweckt, Spatz?“

Ich schüttelte den Kopf.

Oma Yoneko sah mich an und fragte: „Itachi, willst du Mediziner werden?“

Ich nickte. „… Lieber als zur Anbu …“

„Du kannst nächste Woche mit dem Studium anfangen“, sagte Oma. Einfach so.

Ich sah Mama an, sie lächelte, und dann gab sie mir einen Kuss auf die Stirn.

 

Das Thema Anbu war damit fürs Erste vom Tisch.

Am nächsten Tag ging ich mit Mama in die Bibliothek der Akademie, in die Abteilung der Konoha-Universität, und sie suchte mir Bücher für verschiedene Grundlagen der medizinischen Ninjutsu aus, die wir mit nach Hause nahmen und mit denen ich mich die folgende Woche beschäftigen und so ein Thema für mein Studium finden sollte. Ich freute mich sehr darauf, denn für mich gab es kaum etwas Schöneres, als etwas Neues zu lernen, die Weite meines Geistes weiter zu entdecken und ihn mit Wissen zu füllen.

Medizinische Ninjutsu hatten einiges mit Genjutsu gemeinsam, und genau diese Gemeinsamkeiten waren es, die mir an beidem besonders gut gefielen. Beides erforderte, dass man sich bildete und sehr viel über die Hintergründe von Körper, Geist und Chakra lernte, und man konnte Tage und Wochen da sitzen und lesen, es war also wie für mich gemacht!

 

Wenn ich in dieser Woche nicht gerade lernte oder mich ins Tsukuyomi zurückzog, ging ich mit der Tochter der Familie, die neben uns wohnte, in dem kleinen Wäldchen am Fluss zum Spielen.

Sie hieß Yuki und ihren Eltern gehörte die Apotheke, von der Mama die Medizin für ihre Praxis bezog. Yuki war genau so alt wie ich, sie besuchte die Schule der Zivilisten und war im Unterschied zu mir wirklich noch ein Kind, aber sie war eher ruhig und ich hatte das Gefühl, dass wir uns, trotz dass ich im Kopf so viel weiter war, gut verstanden.

Wenn ich am Nachmittag mit ihr zusammen war, kam es mir so vor, als ob ich, wenn ich den ganzen Vormittag gelernt und meine Fähigkeiten ausgelebt hatte, dann bei ihr meine andere Seite, die einem Kind einfach ähnlicher war, einfacher herausholen und leben konnte. Die Einfachheit des Kindseins ließ mich dann entspannen, und wenn ich am Abend mit Mama in der Küche saß und ihr erzählte, was Yuki und ich zusammen erlebt hatten, wusste ich, dass ich auch Mama damit glücklich machte.

 

Der Beginn meines Studiums des Medizinischen Ninjutsu erschien mir so, wie anderen Kindern ihre Einschulung. Ich war fast acht Jahre alt, hatte die Akademie längst hinter mir, und das Gefühl von „Ich bin jetzt groß“ überraschte mich selbst, weil ich ja eigentlich nie das Gefühl gehabt hatte, ‚klein‘ zu sein. Ich freute mich auf das Lernen und Arbeiten, auf die Bücher und die Übungen, und ich war glücklich, etwas tun zu dürfen, was wirklich zu mir passte.

 

Neben dem Studium fing ich an, meine Übungen im Taijutsu immer früh am Morgen zu machen, eine halbe Stunde körperliches Training, dann war ich wach und ging schon bei Sonnenaufgang in die Uni, setzte mich in die Bibliothek und begann mit dem Lernen. Mittags aß ich mit Mama zu Hause, dann folgte wieder eine Einheit Tai- und Ninjutsu mit Shisui, und danach traf ich mich manchmal noch mit Yuki oder ging zu Papa in die Polizeiwache, um ihm dort von meinem Tag zu berichten.

Diesen Rhythmus hielt ich, mit gelegentlichen Abweichungen und etwas Abwechslung zwischendurch, fast eineinhalb Jahre lang aufrecht.

Zum Ende hin wurden die Teehaus-Sitzungen mit Oma Yoneko wieder häufiger, sie zeigte mich voller Stolz ihren Anhängern und ich erzählte dann auch ganz gern von meinem Studium, weil es mir einfach sehr viel Freude bereitete.

 

Wenn ich in dieser Zeit an meinen Traum dachte, irgendwann Hokage zu werden, dann stellte ich mir jetzt vor, dieses Amt mit demselben Rhythmus und derselben Freude wie in meinem Studium zu gestalten. Hokage sein bedeutete für mich eine Arbeit, bei der ich viel lesen können und wenig auf Missionen würde gehen müssen, denn der Hokage blieb im Dorf, saß an seinem Schreibtisch und kümmerte sich darum, dass es friedlich blieb. Ich fing an, mich für Diplomatie zu interessieren, führte mit Shisui lange Gespräche darüber und beschäftigte mich im Studium auch mit Psychologie, zum einen, weil das für mich als Genjutsu-Anwender sehr wichtig war, und auch, weil ich an einen Zusammenhang zwischen Diplomatie und Psychologie glaubte.

 

Das ging so, bis ich neun Jahre alt wurde. Ich machte meinen Abschluss an der Universität mit Bestnoten (und als jüngster Absolvent in der Geschichte Konohas), und dann hatte ich drei Monate frei, die ich meist zu Hause verbrachte, unterbrochen von gelegentlichen Missionen, bei denen ich verschiedene Teams als Medizin-Ninja und Stratege unterstützte.

 

Am Ende dieser freien Zeit geschah dann etwas, an das ich während des Studiums kaum noch gedacht hatte:

 

Ich war zu Hause, wachte morgens auf, zog mich an, ging zu Mama runter und fand sie im Bad neben der Küche, sie kniete vor dem Becken im Boden und erbrach sich.

„Mama? Was ist los, hast du was falsches gegessen?“, fragte ich und kniete mich neben sie.

„Nein … eigentlich nicht … Mir war gestern schon mal schlecht, und gegessen hab ich nicht viel.“

Ich half ihr, bis sie wieder aufstehen konnte, sie setzte sich auf einen Stuhl in der Küche und ich machte ihr einen Tee.

„Itachi, geh mal in die Wache zu Papa und sag ihm, er soll herkommen“, sagte Mama und nahm einen vorsichtigen, kleinen Schluck Tee.

„Ist gut.“ Ich zog mir meine Jacke an und lief raus, rannte durchs Dorf zur Polizeiwache.

 

„Hallo, Itachi“, begrüßte mich einer von Papas Kollegen.

„Ist Yoshio da?“

In dem Moment kam Papa aus seinem Büro.

„Was ist los, Itachi?“

Ich war ganz außer Atem, musste erst wieder Luft bekommen, und antwortete dann: „Mama geht’s schlecht, sie hat sich erbrochen!“

Papas Gesichtsausdruck überraschte mich etwas: Er sah nicht erschrocken aus, sondern lächelte.

„Ich bin gleich fertig, dann komm ich nach Hause“, sagte er.

„Was ist denn mit Mama?“, fragte ich besorgt.
„Ich glaube, du musst dir keine Sorgen machen, mein Sohn …“ Papa lächelte immer noch. „Mama geht’s bald wieder gut.“

 

Ich lief zurück nach Hause, kümmerte mich weiter um Mama, ihr war immer noch schlecht, und als Papa nach Hause kam, hatte er eine Tüte aus der Apotheke dabei.

„Na, meine Liebe, wie geht’s dir?“, fragte er Mama.

Mama lächelte. „Geht schon …“

Papa ging zur ihr, umarmte sie und gab ihr einen Kuss auf die Wange. Dann zog er eine Schachtel aus der Tüte und ich sah, was darauf stand: Es war ein Schwangerschaftstest!