Auch Geister haben Langeweile

Kurzbeschreibung:
Meine erste FF zu Supernatural, die zwar irgendwie canon ist, aber ich weiß sie nicht so recht in der Timeline einzuordnen. Auf jeden Fall gibt es einen Spoiler zum Anfang der 6. Staffel. ;)

Autorennotiz:
Meine erste FF zu Supernatural, die zwar irgendwie canon ist, aber ich weiß sie nicht so recht in der Timeline einzuordnen. Auf jeden Fall gibt es einen Spoiler zum Anfang der 6. Staffel. ;)

Am 24.7.2020 um 14:01 von Mozambique auf StoryHub veröffentlicht

AUCH GEISTER HABEN LANGEWEILE

 

© 2020 by Mozambique

 

***

 

 

 

„Ähm, Dean?“

 

„Ja, Sammy?“

 

„Die lachen. Und es ist nicht mal gruselig.“

 

„Ich weiß.“

 

Dean Winchester wusste nicht genau, was er fühlte – von Überforderung bis hin zur Verzweiflung war irgendwie alles dabei. In den letzten Jahren hatten er und Sam ja schon einiges erlebt, aber trotzdem war er nicht so wirklich davon überzeugt, dass das hier die Realität war. Vielleicht hatte irgendeiner der verfluchten Engel sie ja wieder in ein Paralleluniversum gezappt.

 

Er versuchte, seine Gedanken zu ordnen.

 

 

~ ~ ~

 

 

12 Stunden zuvor

 

 

Das Böse schien sich eine Pause zu gönnen, denn inzwischen wachte Dean schon zum siebten Mal in demselben Hotelzimmer auf. Die weißen Wände, an denen große Bilder mit Naturlandschaften hingen, die gemütlichen Betten und die Ruhe waren ein angenehmer Gegensatz zu den Motelzimmern, in denen sie sonst hausten. Doch hier in Glasgow, einer Kleinstadt in Montana, gab es nur zwei kleine Hotels.

 

Dean streckte sich, gähnte noch einmal kurz und warf dann einen Blick zu dem Bett seines Bruders. Dieses war jedoch verwaist.

 

„Guten Morgen, Schlafmütze!“, begrüßte Sam ihn, als er kurz darauf aus dem kleinen Badezimmer kam. Er lächelte schief, was auch Dean dazu brachte, zu grinsen.

 

„Wie spät ist es?“, fragte er und stieg aus dem Bett.

 

„Spät genug, um im Diner Mittag zu essen“, erwiderte Sam lachend.

 

„Du hast wohl Sehnsucht nach dieser scharfen Kellnerin, was, Sammy?“

 

Während er sich anzog, konnte Dean es nicht lassen, seinen kleinen Bruder etwas zu necken. Schließlich war Sam bei ihren Fällen immer um Professionalität bemüht und wehrte die Avancen diverser Frauen ab – im Gegensatz zu ihm selbst. Doch seit sie vor einer Woche die beiden Vampire, die in der Stadt ihr Unwesen getrieben hatten, beseitigt hatten, war Sam regelrecht aufgeblüht, sobald sie das Diner in der Nähe ihres Hotels betreten hatten.

 

„Sie hat auch einen Namen, Dean“, sagte Sam jetzt mit seiner belehrenden Stimme, die Dean ansonsten äußerst nervig fand.

 

Er zog seine Lederjacke an und drehte sich grinsend zu seinem Bruder um.

 

„Ja, ich weiß, Sammy. Die süße, scharfe Roseanne“, sagte er lauernd. „Ich verstehe immer noch nicht, wie Eltern so gemein sein können.“

 

Sam verdrehte nur die Augen, dann packte er Dean am Arm und zog ihn regelrecht aus dem Zimmer. Dean wehrte sich nicht, sondern begann sich zu fragen, ob diese Roseanne für Sam mehr war als nur ein Flirt.

 

 

~

 

 

Fünf Minuten später saßen sie im Diner auf ihren Stammplätzen und Sam versuchte auffällig unauffällig, die zierliche, schwarzhaarige Kellnerin nicht anzustarren. Dean runzelte ein wenig die Stirn, als er das Leuchten in Sams Augen und das verträumte Gesicht in dessen Gesicht sah. So hatte Dean ihn noch nie gesehen – außer ... bei Jessica.

 

Verdammt. Sam hatte sich doch nicht etwa verliebt? Hatte er denn gar nichts aus Deans Geschichte mit Lisa gelernt?

 

„Sam!“, sagte er energisch und schnippte vor den Augen seines Bruders mit den Fingern. Dieser schaute ihn erschrocken an.

 

„Was ist?“

 

„Du hast dich verknallt, oder?“, fragte Dean geradeheraus. „Wenn ja, verschwinden wir hier, sobald wir gegessen haben. Sammy, du weißt, dass das nicht geht. Du solltest das beenden, bevor es überhaupt anfängt.“

 

Sam wirkte etwas perplex, dann resigniert.

 

„Du hast recht“, sagte er leise, „ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte. Es ist mir gestern klar geworden, als ich ... bei ihr war.“

 

Jetzt war es Dean, der seinen Bruder mit offenem Mund anschaute.

 

„Du warst ... bei ihr? Wann?“

 

„Später am Abend, du bist beim Fernsehen eingeschlafen. Sie hat mir eine Nachricht geschickt.“

 

Sam vergrub sein Gesicht in den Händen.

 

„Ich weiß, ich hätte nicht gehen sollen“, seine Worte klangen dumpf, „aber sie zieht mich wie magisch an, verstehst du?“

 

Dean seufzte. Er verstand das nur zu gut, das war ja das Problem. Allerdings ... wenn Sam sich darauf einließ, würde Roseanne irgendwann mit gebrochenem Herzen zurückbleiben.

 

„Sam!“, sagte er also eindringlich. „Wir essen jetzt was und dann verlassen wir die Stadt, okay?“

 

Sein Bruder hatte keine Gelegenheit mehr, ihm zu antworten, denn Roseanne hatte sie entdeckt. Sie hatte ein atemberaubendes Lächeln, wie Dean zugeben musste. Ihr Blick suchte den von Sam, der wohl nicht anders konnte, als ihn zu erwidern.

 

„Hallo, ihr zwei“, sie trat zu ihnen an den Tisch, „ich hab schon auf euch gewartet. Ihr ... habt doch die Vampire getötet.“

 

Roseannes Stimme war leiser geworden, doch Dean hatte sie trotzdem verstanden. Dennoch traute er seinen Ohren kaum. Auch Sam wusste offenbar nicht, was er sagen sollte.

 

Die junge Frau guckte kurz nach rechts und links, setzte sich dann aber neben Sam, weil das Diner momentan nicht so voll war. Anscheinend amüsierte sie der überraschte Blick der Brüder, denn sie lachte leicht.

 

„Ich erkenne Jäger, wenn ich sie sehe“, meinte sie dann. „Mein Großvater ist nämlich einer. Ich bin bei ihm aufgewachsen und er hat mir alles erzählt, was ich wissen muss.“

 

„Dann jagst du auch?“, wollte Sam wissen.

 

„Nein“, sagte Roseanne und schaute abwechselnd von ihm zu Dean. „Grandpa hat mich schwören lassen, nicht aktiv auf die Jagd zu gehen. Er hat mich gelehrt, wie ich mich im Notfall verteidigen kann, aber nachdem mein Dad von einem Werwolf getötet wurde, wollte Grandpa mir ein normales Leben ermöglichen.“

 

Sams Blick wurde mitfühlend und er nahm Roseannes Hand.

 

„Das tut mir leid, Rosie“, sagte er.

 

Dean versuchte die Tatsache, dass Sam bereits einen Kosenamen für sie hatte, zu ignorieren.

 

„Okay, du wusstest also, dass die Vampire in der Stadt waren“, lenkte er stattdessen die Aufmerksamkeit der beiden auf sich.

 

„Und du hast seelenruhig dabei zugesehen, wie sie drei Menschen ausgesaugt haben?“

 

„Dean!“ Sam schaute ihn wütend an.

 

„Ist schon gut, Sam“, unterbrach Roseanne ihn, „dein Bruder hat doch eine berechtigte Frage gestellt.“

 

Dean lächelte leicht. Ihm gefiel diese Frau – endlich gab es jemanden außer ihm, auf den sein Bruder zu hören schien. Denn Sam klappte den Mund brav wieder zu.

 

„Wisst ihr, ich weiß zwar, wie ich mich verteidigen kann, aber ich war noch nie in so einer Situation“, erklärte sie und wirkte dabei etwas verlegen. „Als ich kapiert habe, dass es Vampire sind, wollte ich sie erledigen ... Aber ich hatte Angst. Schließlich bin ich total ungeübt und nicht gerade jemand, vor dem Vampire sich fürchten. Also hab ich Grandpa in seiner Seniorenresidenz angerufen. Am liebsten wäre er selbst losgezogen, aber braucht mittlerweile einen Rollator. Daher hat er mir versprochen, jemanden zu schicken. Na ja, und am nächsten Tag seid ihr aufgetaucht. Ich dachte deshalb, ihr würdet ihn kennen ... und von mir gehört haben.“

 

Bei ihrem letzten Satz warf Roseanne einen Seitenblick zu Sam, der nur mit den Schultern zuckte.

 

„Du, leider nicht“, sagte er, doch seine Stimme klang liebevoll. „Wir haben von Bobby Singer, unserem Ziehvater, den Tipp bekommen.“

 

„Mhm. Es stimmt wohl, dass Jäger nicht sehr gesprächig sind“, meinte Roseanne daraufhin. „Aber es ist verständlich.“

 

Sie lehnte sich etwas an Sam, der ihr auch sofort den Arm um die Schultern legte. Beide schienen sich in der Nähe des anderen wohl zu fühlen – etwas, was auch Dean auffiel. Vielleicht war das mit Roseanne ja doch keine aussichtslose Sache. Immerhin hatte sie Sam zu sich eingeladen, obwohl sie gewusst hatte, dass er ein Jäger war.

 

Dean freute sich sehr für Sam, keine Frage.

 

„Ähm, soll ich euch alleine lassen?“, fragte er schließlich.

 

Roseanne setzte sich auf.

 

„Nein, warte, ich wollte euch noch um etwas bitten“, hielt sie ihn zurück. „Erinnert ihr euch an das Waldgebiet, an dem ihr vor der Stadt vorbeigefahren seid? Tief dort in dem Wald drin befindet sich die Ruine eines Hotels aus dem 19. Jahrhundert. Ich glaube, dass es dort spukt.“

 

„Ein Geist in einer Ruine?“ Deans Stimme klang neugierig, aber nach so langer Zeit ohne Fall war es kein Wunder. Er spürte bereits das vertraute Kribbeln.

 

Roseanne nickte.

 

„Ja. Schon seit Jahrzehnten wächst jedes Kind in Glasgow mit der Spukgeschichte auf. Es sind die typischen Schauermärchen – plötzliche Temperaturwechsel, wenn man der Ruine zu nahe kommt, Bäume stehen auf einmal nicht mehr dort, wo sie vorher standen, und die wenigen Menschen, die mutig genug waren, die Ruine zu betreten, landen grundsätzlich in der Psychiatrie, weil sie sich völlig verändert haben. Ob Letzteres stimmt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber das mit dem Temperaturwechsel und den Bäumen habe ich selbst erlebt.“

 

Dean und Sam sahen sich an. Es war nicht sehr viel, aber auf jeden Fall merkwürdig, kamen sie stumm darin überein, sich die Sache mal ansehen zu wollen.

 

„Hast du denn eine Idee, wessen Geist dort herumspuken könnte, Rosie?“, fragte Sam.

 

„Ich habe eine traurige Befürchtung“, erwiderte Roseanne und zog einen Zettel aus der Hosentasche. „Das hier habe ich im Internet gefunden. Anfang des 20. Jahrhunderts hatten wir – kaum zu glauben – einen menschlichen Serienmörder im Valley County in Montana. Er hat Mädchen und Jungs im Grundschulalter entführt, missbraucht und umgebracht. Von fünf entführten Kindern sind nur von dreien wieder die Leichen aufgetaucht, alle in der Nähe der Ruine. Das heißt ...“

 

„... es gibt zwei traumatisierte Geister-Kinder, die wir töten müssen“, ergänzte Dean frustriert.

 

 

~ ~ ~

 

 

Jetzt waren sie also in der Ruine.

 

Vor ein paar Minuten hatte Sam sich noch über die Temperaturwechsel beschwert, woraufhin Dean aus dem Nichts heraus plötzlich mit Schlamm beworfen worden war. Das Kichern, das daraufhin ertönt war, hatte sich so echt angehört, dass Dean fast geglaubt hatte, zwei lebende Kinder würden sich einen dummen Scherz mit ihnen erlauben.

 

Doch es waren wirklich Geister-Kinder. Ein Mädchen und ein Junge, vermutlich nicht älter als neun.

 

Dean sah, dass Sam seine Waffe sinken ließ, und er konnte es ihm nachempfinden. Dennoch brachte ihn ein letztes Bisschen Misstrauen dazu, seine Waffe weiterhin auf die beiden Geister-Kinder zu richten.

 

Das Mädchen hörte jetzt auf zu lachen und hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund. Auch der Junge hielt nun die Klappe und beäugte Dean misstrauisch.

 

„Kannst du das Ding wegpacken? Bitte?“, fragte er schließlich höflich.

 

Dean, überwältigt von dem freundlichen Blick des Geister-Jungen, ließ die Waffe tatsächlich sinken. Er wusste nicht, warum, aber sein Instinkt sagte ihm, dass die beiden keine Bedrohung waren.

 

„Ähm, hi“, meldete sich Sam zu Wort. „Ich bin Sam und das ist mein Bruder Dean. Tut mir leid, wenn wir euch erschreckt haben ... Aber normalerweise sind wir es gewohnt, dass Geister uns angreifen.“

 

Das Mädchen machte große Augen.

 

„Angreifen? Wir wollen doch nur spielen“, sagte sie so ernsthaft, wie es ein Mädchen in ihrem Alter nur konnte. „Es war so lange niemand mehr hier zum Spielen.“

 

Dean schaute etwas hilflos zu Sam. Er wusste, wie man Geister zur Strecke brachte, und mit menschlichen Kindern konnte er auch umgehen. Aber diese Geister-Kinder überforderten ihn maßlos.

 

„Wollt ihr euch hinsetzen?“, fragte der Junge nun und deutete auf eine Ecke, in der einige Tannenzweige lagen. „Ich heiße übrigens Jamie.“

 

„Und ich Susan“, fügte das Mädchen hinzu. „Aber ihr könnt mich Sue nennen.“

 

Nach einem kurzen Blick von Dean zu Sam, der nur mit den Schultern zuckte, nahmen die Brüder das Angebot an und setzten sich auf die Tannenzweige. Die beiden Geister-Kinder setzten sich ihnen gegenüber und lächelten fast gleichzeitig.

 

„Ihr seid anders als die anderen Menschen“, sagte Sue. „Die sind immer abgehauen, sobald wir uns gezeigt haben. Irgendwann haben wir das dann nicht mehr gemacht.“

 

„Na ja, wisst ihr ... Die meisten Menschen haben keine Ahnung, dass Geister existieren“, begann Sam vorsichtig. „Sie haben Angst, versteht ihr? Sie fürchten sich vor den Dingen, die sie sich nicht erklären können.“

 

„Aber wir wollen doch nur spielen“, antwortete Jamie ziemlich betroffen. „Es ist so langweilig hier.“

 

„Kann ich mir vorstellen“, meinte Dean. „Aber hört mal, wegen euch sind einige Menschen so krank geworden, dass sie ins Krankenhaus mussten.“

 

„Ins Krankenhaus?“ Sues Augen hätten sich wohl mit Tränen gefüllt, wenn sie ein Mensch gewesen wäre. „Oh, Jamie! Wir hätten das nicht tun dürfen! Wir hätten nicht weglaufen dürfen!“

 

„Weglaufen?“ Sam schaute sie verwundert an. „Wovon sprichst du?“

 

„Na ja, Sue und ich, wir sind ... waren Waisenkinder“, erklärte Jamie, der sich offenbar als Sues Beschützer sah, denn er nahm sie in den Arm. Dean ertappte sich dabei, dass er die beiden süß fand. Süß. Geister!

 

„Das ist schon ganz lange her“, unterbrach Sue ihren Freund.

 

„Ja, ganz lange“, stimmte Jamie ihr zu. „Jedenfalls ... Wir hatten eine ganz schlimme Betreuerin, die hat uns gehauen und in dunkle Räume gesperrt, wenn wir nicht lieb gewesen sind. Und auch wenn wir lieb waren, sie hat es trotzdem gemacht. Einmal fand ich Sue in einem der Räume, sie hat ganz viel geblutet. Da wurde ich so wütend, dass ich gesagt habe, wir laufen weg. Und Sue wollte auch weg.“

 

Sue hatte sich ein wenig beruhigt, denn sie erzählte weiter.

 

„Wir sind nachts durch das Badezimmerfenster abgehauen“, sagte sie. „Es war im Sommer, also nicht sehr kalt. Wir sind gerannt und gerannt, ganz lange. Dann haben wir die Ruine hier gesehen und dachten, da könnten wir schlafen, also sind wir rein. Und als wir drin waren ... da ist so ein großer, schwerer Balken auf uns drauf gefallen.“

 

„Als wir wieder aufgewacht sind, waren wir auf einmal so durchsichtig wie jetzt“, Jamie deutete an sich herunter, „aber wir wussten nicht, was los war.“

 

Dean hatte der Geschichte der beiden Geister-Kinder gebannt zugehört. Also waren die zwei nicht Opfer eines Serienmörders gewesen, sondern hatten nur dem schrecklichen Waisenhaus entfliehen wollen. Und durch diesen tragischen Unfall waren sie schließlich gestorben.

 

„Dann war da so ein gruseliger Typ im schwarzen Anzug“, sagte Sue jetzt, „der wollte, dass wir mit ihm in den Himmel kommen. Aber man darf nicht mit Fremden mitgehen.“

 

Dean musste aufpassen, nicht zu lachen. Da erzählte dieses Geister-Mädchen ihnen ernsthaft, dass sie dem Sensenmann nicht gefolgt sind, weil sie ihn nicht kannten? Wie absurd war das bitte?

 

Auch Sam musste sich ein Grinsen verkneifen, wie Dean gerade feststellte. Er wechselte einen Blick mit ihm und deutete mit den Augen nach draußen.

 

„Kinder, ich muss kurz was mit meinem Bruder besprechen, in Ordnung?“ Sam guckte zu den beiden Kindern, die gleichzeitig nickten.

 

Okay, das war jetzt schon etwas gruselig, fand Dean.

 

 

~

 

 

Als sie vor der Ruine, außerhalb der Hörweite der Geister-Kinder, standen, prustete Sam los.

 

„Boah, wenn wir das Rosie erzählen! Und Bobby erst!“

 

Dean musste ebenfalls lachen, doch dann besann er sich.

 

„Was machen wir jetzt, Sammy? Suchen wir ihre Knochen? Die müssen ja noch irgendwo in der Ruine sein, wenn sie da gestorben sind.“

 

Sam schaute ihn entgeistert an.

 

„Spinnst du? Die beiden wollen doch nichts Böses!“

 

„Ja, ich weiß“, erwiderte Dean und steckte die Hände in die Jackentaschen. „Dann lassen wir sie weiter herumspuken?“

 

„Wir müssen ihnen erklären, dass sie die Menschen nicht mehr so erschrecken dürfen“, sagte Sam. „Und wir könnten Rosie fragen, ob sie ab und zu nach ihnen sieht.“

 

Dean musterte seinen Bruder, der schon wieder diesen verträumten Gesichtsausdruck aufgesetzt hatte.

 

„Rosie also, hm? Willst du mit ihr zusammen sein?“, wollte er wissen.

 

„Ich weiß nicht, das überlasse ich ihr“, antwortete Sam und sah ihm in die Augen. „Dean, ich bleibe bei dir. Das ist unser Leben, unser Schicksal. Rosie ist – ja, keine Ahnung – eine klasse Frau, die ich wirklich sehr gern hab. Aber sie muss entscheiden, ob sie mit einem Jäger zusammen sein will.“

 

Dean erwiderte den Blick seines Bruders und wusste, dass er nicht antworten musste.

 

 

~

 

 

„Jamie? Sue? Seid ihr noch da?“

 

Dean knipste seine Taschenlampe an, als sie die Ruine wieder betraten. Mittlerweile war es doch sehr dunkel geworden.

 

„Ja“, antworteten beide gleichzeitig und grinsten um die Wette, als sie die Brüder erkannten.

 

„Hey, wir müssen wieder los, ihr zwei“, sagte Sam und hockte sich vor die beiden. „Aber vorher müsst ihr mir versprechen, dass ihr den Menschen keine Angst mehr macht. Auch wenn euch langweilig ist – so etwas macht man nicht, okay?“

 

Jamie und Sue schauten sich etwas verschämt an, dann blickten sie traurig zu Sam.

 

„Kommt ihr mal wieder zum Spielen?“, fragte Sue und guckte so treuherzig, dass selbst Deans Herz erweichte.

 

„Wir kommen immer zu euch, wenn wir in der Nähe sind, kleine Sue“, sagte er an Sams Stelle und hockte sich nun neben diesen. „Und wir fragen eine Freundin von uns, ob sie mal mit euch spielt. Sie wohnt unten in der kleinen Stadt. Passt also auf, wenn sie eure Namen sagt, dann ist sie hergekommen, um mit euch zu spielen.“

 

Dean sah verwundert, dass Sue die Augen geschlossen hatte. Im nächsten Moment hatte er ein kleines Mädchen in den Armen liegen, das sich so gar nicht anfühlte wie ein Geist. Sie versprühte sogar den Duft, den nur kleine Kinder an sich hatten. Er strich ihr zaghaft über die blonden Haare und genoss diesen Augenblick sehr.

 

„Boah“, kam es bewundernd von Sam.

 

Sue löste sich von Dean und war kurz darauf wieder durchsichtig.

 

„Wie hast du das angestellt?“, fragte Dean leise.

 

„Geister-Geheimnis!“, sagte Sue und lachte.

 

„Vielleicht verraten wir es euch, wenn ihr das nächste Mal kommt“, sagte Jamie und stimmte in das Lachen seiner Freundin ein.

 

Nach einem letzten Blick zu den Brüdern winkten die beiden Geister-Kinder ihnen zu und verschwanden schließlich im Inneren der Ruine.

 

Zurück blieben zwei sehr verwirrte Winchesters, die nun den Weg zurück durch den Wald antraten.