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Unter den Sternen

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30.4.2019 17:20
6 Ab 6 Jahren
Fertiggestellt

Lichtblitze. Tausende von ihnen, die durch den Wald blitzen und die Lichtung in grelles Licht tauchen.
Blau, Rot, Grün, Weiß. Es erinnert an ein Feuerwerk. Wenn es doch nur auch ein Feuerwerk wäre. Alice dreht sich keuchend um, den Zauberstab fest umklammert. Trotz der Zaubersprüche, die abgefeuert werden, schafft sie es, Frank weiter hinten auszumachen, der irgendwie versuchte, die Angriffe von Malfoy und Snape gleichzeitig abzuwehren. Neben ihr hört sie Lily etwas rufen.
„Wir schaffen es nicht!“ Schwer atmend stoppt Fabian neben ihr und sieht sich hektisch um.
Knall.
Weiter hinten explodieren drei der Bäume und fallen laut krachend zu Boden.
Alice zuckt zusammen, ein Schrei entfährt ihren Lippen. Frank schafft es nur gerade so, den Baumriesen auf dem Boden auszuweichen, und mit einigen Hastsprüngen steht er neben Alice und packt ihren Arm.
„Rückzug!“, brüllt er, und sieht sich nervös um. Lily feuert einen Zauber auf Snape ab, alle anderen ihrer Kämpfer liegen mehr oder weniger am Boden oder sind mit Verteidigung beschäftigt. Mit besorgten Blick sieht Frank zum Himmel und Alice tut es ihm nach. Was sie sehen, lässt sie erstarren. Eine riesige Wolke, die sich langsam zu einer Schlange formt und fast den ganzen Himmel einnimmt.
„Rückzug!“, ruft Frank ein wenig panischer. „Wir schaffen es nicht!“
Alice hört mit halben Ohr auf sie zu kommende Schritte, dreht sich um und feuert einen brennenden Ball auf den sich heranschleichenden Todesser ab. Die anderen scheinen Franks Aufforderungen endlich gehört zu haben. Einer nach dem anderen packen sie sich an den Händen, disapperieren. Erst als die Lichtung leer von Ordensmitgliedern ist, halten Alice und Frank sich an den Händen und verschwinden mit einem lauten Krack.


Frank stand in der Küche und hielt Alice' Hand. Sie war blass und ihr war den ganzen Morgen schon schlecht.
„Später kommen die Prewetts zum Essen“, sagte er sanft.
Sie hob den Kopf und ein kleines Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. „Nur die Prewetts oder auch die Weasleys?“
Er schlug sich an die Stirn und lächelte. „Natürlich. Mollys neuen Namen vergesse ich immer wieder. Doch, sie kommt natürlich auch. Und Arthur kommt auch mit.“
Alice hob eine Augenbraue. „Dann ist das Haus aber voll“, sagte sie, und rieb sich ihren Bauch.
„Ist das ein Problem für dich?“
Sie schüttelte langsam den Kopf und seufzte leise. „Nein, nein, natürlich nicht.“
Mindestens einmal die Woche, wenn nicht öfter, trafen sie sich mit Mitgliedern aus dem Orden, um zusammen zu essen. Es war hilfreich, wenn man nicht immer alleine im Haus und in seinen Gedanken gefangen war.
„Wir verlieren, Frank“, sagte sie mit leiser Stimme. „Was sollen wir nur machen? Wir haben keine Chance.“
Beruhigend strich er ihr über die Hand. „Lass uns erst mal essen und versuchen, die Sorgen im Wein zu ertränken.“
Sie runzelte die Stirn und hob amüsiert eine Augenbraue. Er stöhnte auf. „Du weißt, das ich das so nicht meinte. Natürlich sollen wir uns nicht betrinken.“
„Ich dachte schon“, meinte sie und stand auf. Stöhnend strich sie sich über den Kopf.
„Hast du Kopfschmerzen?“
Sie zuckte mit den Achseln. „Mir tut in letzter Zeit ungefähr alles weh.“ Er gab ihr einen liebevollen  Kuss, bevor er ein wenig Gemüse aus dem Schrank nahm. Kritisch betrachtete er ihre Vorräte.
„Hm... Wie wäre es mit Gurkensalat als Vorspeise, Gurkenauflauf als Hauptgericht und Gurkenquark als Dessert?“
Sie lachte und warf ebenfalls einen Blick in den Schrank. „Solange die Gesellschaft besser als das Essen ist.“
Er grinste und tat so, als würde er ihr die Gurke an den Kopf werfen. Sie nahm sie ihm ab und begann, sie in Stücke zu schnippeln. „Ich mache Vorspeise und Dessert und du den Auflauf, okay?“
„In Ordnung für mich.“

Während sie schweigend das Essen vorbereiteten, versuchte Alice, nicht daran zu denken, dass es den Todessern jederzeit möglich sein konnte, die Schutzzauber des Hauses zu durchbrechen. Dass sie weiterhin kämpfen und verlieren würden. Sie versuchte, ihre Gedanken auf die schöne Seite des Tages zu lenken.

Als Alice Geräusche an der Tür hörte, ihren Zauberstab zückte und in den Vorraum ging, war sie überrascht, dass außer den beiden Prewetts, Molly und Arthur auch noch zwei weitere Köpfe zu sehen waren. Ohne den Zauberstab abzulegen, kam sie näher. Nun erkannte sie, dass es die Bones waren. Amelia klopfte sich ein wenig Staub von ihren Klamotten. Alice sah ihren Bruder fragend an, der sie mit einem schiefen Lächeln anschaute.
Molly sah von Alice zu den beiden Geschwistern. „Das Haus ihrer Familie ist abgebrannt worden.“
Als Amelia ihren Kopf hoch, sah Alice, dass sie Tränen in den Augen hatte, und schluckte. Auch Amelias Stimme zitterte ein wenig, als sie zu sprechen begann. „Sie sind heute Morgen gekommen, wir waren völlig unvorbereitet. Snape und die Blacks.“
Alice zog ihre Augenbrauen zusammen und ließ ihren Zauberstab sinken. Amelia machte ein paar Schritte auf sie zu. Alice wollte fragen, ob Schlimmeres passiert war, aber die Worte blieben ihr im Halsstecken, als sie Amelias Gesicht sah.
„Meine Eltern sind tot.“
Kaum dass die Worte ausgesprochen waren, hingen sie wie ein kalter Schleier über dem Raum. Das folgende Schweigen war schrecklich. Frank kam aus der Küche und nahm Alice Hand. Ihr war eiskalt, als sie zu Amelia ging und sie umarmte. Alice strich der zitternden Amelie über den Rücken und für einen Moment schien es so, als wollten die beiden Freundinnen sich gar nicht mehr loslassen. Sie hielten sich fest umklammert. Alice spürte, wie sich Franks Hand auf ihren Rücken legte. Langsam löste sie sich von Amelia.
„Es tut mir Leid“, flüsterte sie.
Edgar drückte die Hand seiner Schwester. Einen Moment lang standen sie so da, bevor sie ohne ein weiteres Wort alle in die Küche gingen und sich stumm an den Tisch setzten. Frank hantierte mit dem Auflauf herum und Alice stellte acht Teller auf den Tisch. Er war zu klein, also expandierte sie ihn mit einer kurzen, stummen Bewegung mit ihrem Zauberstab. Frank stellte den Auflauf auf den Tisch und setzte sich gegenüber von Arthur. Alice nahm neben Amelia Platz und griff ihre Hand. Amelia sah auf, lächelte schwach unter ihren Tränen und erwiderte den sanften Händedruck. Frank lächelte, ein wenig gezwungen. „Wer will Salat?“

Während sie aßen, lockerte sich die Stimmung allmählich. Sogar Amelia schaffte es, wieder zu lächeln. Alice servierte das Dessert und alle waren – den Umständen entsprechend – guter Dinge. Als sie alle satt und zufrieden waren, kochte Alice eine große Kanne Tee und Frank verteilte die Tassen.
Amelia wischte sich mit einem Taschentuch über die Augen und sah zu Boden. Es war offensichtlich, dass die Geschehnisse des Tages sie noch sehr mitnahmen. Alice drückte ihr liebevoll die Hand. Amelia schniefte. „Heute Morgen sind sie gekommen“, sagte sie, mit zitternder Stimme. „Haben die Schutzzauber gebrochen, und haben alles zerstört. Wenn Christian nicht bei den Tonks untergekommen wäre...“ Sie schluchzte.
Alice schluckte. An Amelias Freund hatte sie gar nicht gedacht. Er war ein Muggel, und wahrscheinlich der Hauptgrund, warum die Todesser den Bones so sehr im Nacken saßen. Schließlich war die Familie Bone reinblütig.
Das sagte sie aber nichts, sondern streichelte nur sanft über Amelias Hand. „Schh“, machte sie sanft.
„Hoffentlich geht es ihm wenigstens gut“, schluchzte sie, „und ich kann nicht mal nach ihm sehen!“
Arthur und Molly wechselten einen besorgten Blick. Alle am Tisch waren ergriffen. Frank hatte heute eigentlich nach dem Essen die weitere Vorgehensweise bezüglich der Todesser besprechen wollen, aber er schwieg, und Alice war froh darüber. Amelia war sowieso schon komplett aufgelöst, da brauchte es nicht auch noch die weitere Erwähnung, dass die Todesser dabei waren, den Krieg zu gewinnen. Edgar setzte sich zu ihr auf den Stuhl und einen Moment später lagen sich die beiden Geschwister in den Armen. Amelia schluchzte verzweifelt, während Edgars Gesichtsausdruck vor allem leer schien.
Langsam rollte auch Alice eine Träne die Wange herunter.

Ihre Gäste blieben noch lange bis abends. Über die Todesser wurde nicht mehr gesprochen, aber Alice meinte überhört zu haben, wie Arthur, Edgar und Frank über den Orden geflüstert hatten. Alice bot Edgar und Amelia an, die Nacht bei ihnen zu verbringen. Amelia nahm dankend an, aber Edgar schüttelte nach kurzem Überlegen den Kopf. „Ich gehe zu Arthur“, sagte er mit einem Blick auf Amelia. „Ist das in Ordnung für dich?“ Er drückte sanft ihren Arm. Sie nickte und schniefte. Alice reichte ihr ein Taschentuch und begleitete Arthur, Molly und Edgar noch zur Tür. Frank hielt ihre Hand, und sie lächelten sich traurig an.
Langsam ging sie ein Stockwerk höher, um Decken für Amelia zu besorgen. Jetzt, wo die Gäste weg waren, kehrten ihre Bauchschmerzen wieder langsam zurück, und sie stöhnte.
Zusammen mit Amelia richteten sie im Wohnzimmer ein Lager für die Nacht her. Alice gab ihr eine letzte Umarmung, bevor sie sich umdrehte und zur Tür ging. Noch bevor die Tür geschlossen war, hörte sie, wie Amelias Atem langsam und gleichmäßig wurde. Erleichtert lächelte sie. Wenigstens konnte ihre Freundin gut einschlafen. Der Tag musste wirklich anstrengend gewesen sein.

Frank erwartete sie im Flur. Alice fiel ihm um den Hals. Er hielt sie fest.
„Mr. Und Mrs. Bones“, flüsterte sie verzweifelt. „Wer soll noch alles von uns gehen, bis wir uns schließlich alle ergeben müssen?“
Er strich ihr über den Rücken. „Psst“, sagte er sanft, „so kenne ich dich doch gar nicht, Alice. Wir werden kämpfen und wir werden die Gestorbenen nicht bedauern, sondern erinnern.“
Sie schniefte. „Das macht es nicht wirklich besser.“
Er nahm ihre Hand. „Komm“, sagte er, „ich bin noch nicht müde. Und es gibt eine Nacht zu erleben.“
Sie ließ sich von ihm in den Hintergarten führen. Kaum dass sie aus der Haustür waren, sahen Alice und Frank sich unsicher um, eine Tatsache, die Alice bitter auflachen ließ. „Nicht mal in unseren Hintergarten können wir uns gefahrlos trauen“, sagte sie traurig. „Ob man es will oder nicht, dieser Terror hat einem im Griff.“
Er führte sie unter den Apfelbaum am Rande des Gartens. „Die Schutzzauber reichen bis hier“, sagte er mit sachlicher Stimme.
„Die Bones hatten auch Schutzzauber.“
Er seufzte. „Das stimmt“, sagte er leise.
Sie lehnte ihren Kopf an den starken Stamm des Apfelbaumes und er lehnte sich an sie. Ihre Hände fanden zueinander und ein Lächeln formte sich auf Alice' Lippen.
Der schwarze Nachthimmel schien zu glitzern. Keine einzige Wolke war zu sehen.
Zum Glück, dachte Alice mit Unbehagen. Wolken konnten immer Todesser bedeuten. In diesem Moment verkrampfte sich ihr Magen wieder und sie rieb sich schmerzhaft über den Bauch. Frank sah sie mit gerunzelter Stirn an.
„Ist dir schon wieder schlecht?“
Alice verzog ihr Gesicht schmerzhaft. „Nur ein wenig verkrampft.“
Frank nickte und sagte nichts mehr. Alice strich sich über ihren Bauch. Frank sah ihr in die Augen. „Morgen ist es bestimmt besser“, bemerkte er. „Die Aufregung...“
„Frank, ich glaube nicht, dass es morgen besser wird.“
Er hob eine Augenbraue und fummelte mit seiner Hand im Gras herum. „Du meinst aber nicht etwa...“
Sie schwiegen kurz. Alice stöhnte kurz auf und verlagerte ihr Gewicht auf die andere Seite. „Frank, wenn ich mich nicht irre... bin ich schwanger.“
Er sah sie an und sah nicht im Geringsten so überrascht aus, wie sie sich fühlte. „Schwanger“, wiederholte er.
„Ich kann natürlich falsch liegen, aber...“ Alice legte eine Hand auf ihren Bauch. „Aber ich glaube nicht, dass ich falsch liege.“ Sie flüsterte die letzten Worte.
Frank neigte seinen Kopf zu ihrem Bauch und legte sein Ohr an den Stoff ihres Kleides, als wollte er etwas hören. Dann gab er ihr einen sanften Kuss, erst auf den Bauch, dann auf die Wange. „Ich glaube es auch nicht“, wisperte er. Seine Stimme zitterte ein wenig vor Aufregung und Glück und er legte seine Arme um ihren Hals, um ihr den Mund zu küssen.
Als er sie losließ, waren seine Augen feucht, aber sie strahlten. Er nahm ihre Hand und sie legten sich ins Gras. Ihre Arme waren ineinander verschlungen und ihre Köpfe lagen nebeneinander. Nach einer Weile sprach Alice wieder. „Frank, aber meinst du nicht... Ein Baby, jetzt, unter diesen Umständen...“
Er sah auf und gab ihr noch einen Kuss. „Für uns sollte kein Moment falsch sein.“
„Aber es fühlt sich nicht richtig an, ein Kind um diese Zeit in die Welt zu setzen. Um des Kindes Willen.“
Er drückte sanft ihre Hand. „Wir bekommen das hin, Alice“, sagte er liebevoll. „Wenn Menschen sterben und Hass verbreitet wird, wie kann man besser begegnen als mit Liebe und Leben? Nicht auf die Großen Flüche sollten wir uns konzentrieren, sondern“, er legte seine Hand auf ihren Bauch, „auf die Kleinen Zauber im Leben.“
Alice sah wieder ins Haus. Morgen früh würden sie wieder ihr Leben verteidigen müssen, für das Gute kämpfen... Sie fürchtete jetzt schon die schlechten Nachrichten die, tagein, tagaus, übermittelt wurden. Eine Katastrophe nach der anderen....
Und doch, saß sie nicht gerade hier mit einem Mann, der sie liebte? Bekam sie nicht ein Kind von ihm? War das nicht ein Moment, glücklich zu sein? Und glücklich war Alice auch, sehr... Wenn nur solche Nächte für immer anhalten könnten. Wenn es die schlimmen Zeiten nicht gäbe. Ohne Momente wie diesen, wenn Alice merkte, dass es Liebe und Freunde gab, würde sie vielleicht gar nicht mehr leben.
Sie drückte Franks Hand, und er drückte zurück.
Sie würden es gemeinsam schaffen. Zu dritt, als Familie, mit Freunden.

Autorennotiz

Geschrieben im Rahmen einer Wichtelaktion

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LizTonkss Profilbild LizTonks

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Sätze:220
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Kurzbeschreibung

Es ist Krieg. Der Orden ist dabei, zu verlieren. Dennoch gibt es schöne Momente. /AlicexFrank Longbottom

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Romanze, Krieg, in character, Canon-Ship und canon aware getaggt.