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Schlangengrube

8
16.9.2018 16:54
12 Ab 12 Jahren
Heterosexualität
Homosexualität
In Arbeit

Der Anfang allen Übels

Mr und Mrs Sommer in ihrem magisch vergrößerten Zelt waren stolz darauf, ganz und gar nicht normal zu sein, sehr stolz sogar. Niemand wäre auf die Idee gekommen, sie sie könnten sich in eine gewöhnliche und alltägliche Geschichte verstricken, denn mit solchem Unsinn wollten sie nichts zu tun haben.

Mr Sommer war Archäologe im Dienst eines Museums namens Geschichte der Magie, das historische Objekte von magischer Relevanz aus der ganzen Welt ausstellte. Er war klein und stämmig und hatte keinen Bart, dafür aber sehr buschiges blondes Haar. Mrs Sommer war dünn und groß und besaß eine beachtliche, dunkle Lockenmähne was allerdings weniger nützlich war, denn so war ihr in den exotischen Ländern, in denen sie und ihr Mann auf Expeditionen waren, unerträglich warm. Die Sommers hatten eine kleine Tochter und mit ihr kam auch die gewöhnliche und alltägliche Geschichte, in die sie sich verstrickten.

Viele Jahre nahmen sie ihre Tochter Wanda mit auf ihre Reisen. In die Türkei, nach Peru, nach Norwegen, Marokko, Ägypten, Griechenland und in den Irak. Ein alter Hauself namens Blink, den sie liebevoll ihren Zeltelf nannten passte auf sie auf, wenn Mr und Mrs Sommer Ruinen erforschten und Dschungel durchforsteten.
Das hielt die kleine Wanda nicht davon ab auf einem Bazar verloren zu gehen und in skandinavischen Wäldern fast von Trollen entführt zu werden und so sollte sie, wie ihre Eltern, eine Zaubererschule besuchen, sobald sie alt genug war.

Mr Sommer war der Sohn einer deutsche Hexe und eines deutschen Muggels. Diese konnten den Stasi-nahen Klassenlehrer mit dem Schwung eines Zauberstabs überzeugen, dass der junge Oskar gerne auf die Koldovstoretz Schule für magisch begabte Kinder des Ostblocks gehen möchte, statt die sechste Klasse der erweiterten Oberschule anzutreten. Derselbe Zauberstab ermöglichte ihnen ein Jahr später die Flucht in den Westen und damit Oskar Sommers Schulwechsel ins Durmstrang-Institut.
Wanda wollte er jedoch auf keine der beiden Schulen schicken. Koldovstoretz war noch immer das Herzstück sowjetischer Zauberer und Hexen, die noch nicht gemerkt hatten, dass der Ostblock der Muggel im Endstadium des Zerfalls war. Und die Reformen, die der neue Schulleiter Durmstrangs Karkaroff umsetzte ginge in eine deutlich schwarzmagische Richtung.

Mrs Sommer dagegen war unglücklich in die Oberschicht der britischen Zauberergemeinschaft geboren worden und hatte schon an ihrem ersten Schultag in Hogwarts die Erwartungen ihrer Familie enttäuscht. Fünf Jahre lang war sie gerade deshalb eine stolze Gryffindor bis 1969 ihre rebellische Natur ihre Hauslehrerin zwangen, sie von der Schule zu verweisen. Jung und von ihrer Familie verlassen fand sie einige Monate lang ihr Glück in den USA und der Philosophie der Liebe und des Friedens. And diesen Sommer erinnerte sie sich jedoch nur noch vage. Ihr Bedarf nach Rebellion und Revolution war danach jedoch auch zunächst gedeckt. Über die folgenden Jahre hatte Mrs Sommer innerlich Frieden mit Hogwarts geschlossen und würde ihre Tochter liebend gerne dorthin schicken. Es gab nur einen kleine Haken. Um für das Museum zu arbeiten lebten die Sommers offiziell in Deutschland. Um Hogwartsschüler zu werden musste man jedoch in Großbritannien leben.

Oskar und Marcia Sommer gaben also ihr Bestes, Wanda während ihren Expeditionen zu unterrichten. Ein soweit erfolgreiches Konzept auch wenn Wanda so eine interessante Bildung um Zauber, die beim Dauer-Camping essenziell sind, orientalische Zaubertränke, ausführliche Geschichte und Wissen über exotische, magische Tierwesen zukam. Und massig Möglichkeit an entlegenen Orten mit auf ihrem Besen zu fliegen.

Im Sommer 1991 war Wanda zwölf Jahre alt, saß am Euphrat und klebte einige rote Wildblumen in ihr Herbarium. Ihre Eltern waren am Morgen ein letztes Mal in die Ruinen alter babylonischer Tempel aufgebrochen. Die Expedition war ein Reinfall. Alle Hoffnung, den ersten Zauberstab zu finden, lag nun auf einer magisch verschlossenen Amphore und der Erwartung, dass irgendein frühbronzezeitlicher Zauberer sie als Versteck für eine Schriftrolle benutzt hatte.

„Wir können nur beten, dass wir Francois mit seinem Team in den sumerischen Ruinen noch weniger Erfolg hat. Und dass wir die Amphore bald öffnen können“, hatte Marcia am vorherigen Abend die Situation zusammengefasst. Dann hatte sie sich zu Wanda gedreht. „Und wenn wir den Stab gefunden haben, haben wir alle Zeit der Welt dir eine vernünftige Zauberschule zu finden!“ Wanda hatte genickt aber nur kau überzeugt ausgesehen.

Wanda hoffte einfach, dass der Fund der Amphore sie an einen Ort lotsen würde, an dem es weniger heiß war, denn auch sie hatte dichte, dunkle Locken und Blink hatte ihr verboten, im Euphrat zu schwimmen. Er war sich sicher eine Riesenschlange darin gesehen zu haben. Dieses Verbot musste Wanda jedoch brechen, als ein Knäuel aus Federn kreischend vor ihr ins Wasser platschte.

Eine Posteule!

Was Wanda nicht wusste war, dass die Eule mehr als nur ihr Ticket nach Großbritannien brachte.

 

Earley, den 7. Juli 1991

Marcia,

mein letzter Brief ist schon etwas her, weshalb ich hoffe, dass diese Adresse noch gültig ist. Wer weiß, wo ihr euch gerade herumtreibt, aber ich brauche deine Hilfe.

All die Jahre habe ich dein Geheimnis gehütet (wer hätte mir auch geglaubt) bis gestern. Gestern klingelte eine alte Dame an unserer Tür und erklärte mit genau das, was du mir damals gesagt hattest. Dass Hexen und Zauberer versteckt unter uns leben und dass, wenn auch selten, Kinder von „normalen Menschen“ (Muggel?) magisch seien können. Und es muss ein Omen gewesen sein, dass du Beckys Patentante wurdest. Sie ist wie du! Meine Becky ist eine Hexe! Und jetzt soll sie auf dieses Zauberinternat gehen.

Aber ich erinnere mich noch, dass du erzähltest von dieser Schule geflogen zu sein. Deshalb bat ich die Dame, auf eine Antwort zu warten, bis ich mit dir gesprochen habe. Bitte, ich weiß nicht, ob ihr grade eine wichtige Ausgrabung leitet oder Hals über Kopf in Nachforschungen steckt aber bitte antworte mir. Becky und Andrew sind ganz durch den Wind. Natürlich ist Becky aufgeregt und freut sich aber ich möchte erst deine Einschätzung wissen. Ist diese Schule gut für sie? Wie sollen wir damit umgehen?

Bitte.

Deine alte Freundin

Kate.

 

Angst

„Wanda, was sagst du dazu, im September als Zweitklässlerin in Hogwarts anzufangen?“ Oskar Sommer sah seine Tochter mit Begeisterung an, diese blickte verwirrt zurück. „Aber ich dachte, das ginge nicht, weil ich nicht hier wohne“, erinnerte sie sich. „Das könntest du aber! Becky wird nach den Ferien nach Hogwarts gehen und ihre Mutter und deine sind alte Freundinnen. Kate mag ein Muggel seien aber sie und Mum kennen sich schon seit sie Teenager waren und Kate ist deine Patentante, das weißt du ja“, erklärte Oskar, „Kate und Andrew haben nun angeboten, dass du bei ihnen wohnen kannst. So würde das britische Zaubereiministerium dich als britische Bürgerin sehen und du könntest nach Hogwarts gehen.“
„Ist das, was du und Mum in den ganzen Briefen und Flohpulver-Gesprächen geklärt habt?“
„Genau, du willst doch nach Hogwarts, oder? Dort lernst du von Lehrern und triffst andere Kinder und kannst deinen Abschluss machen!“ Oskar sah ein wenig besorgt aus aber er hatte Recht. Wanda hatte lange davon geträumt, nach Hogwarts zu können. Gleichaltrige Kinder um sich zu haben. Freunde zu finden. „Aber dann kann ich ja nicht mehr mit euch reisen“, sprach sie ihre Sorge aus.
„Ach Schätzchen, in den Ferien kannst du doch jederzeit wieder bei uns sein. Außerdem ist es in Hogwarts sicherer für dich als zwischen Ruinen und Höhlen zu leben“ Wanda sah noch immer betrübt drein und Oskar rückte näher. „Wir werden dir auch ganz viele Briefe schreiben, mit Fotos und Souvenirs.“ Er lächelte, als Wanda nickte und verkündete: „Dann gehe ich nach Hogwarts.“
„Dann lass uns zurück zu den anderen gehen!“

Die anderen waren Marcia und Kate, Becky und Andrew Hillington. Kate war klein, blond und trug ein liebevolles Lächeln im Gesicht. Becky war hochgewachsen und hatte rotbraune Haare, die sie in einem hohen Pferdeschwanz trug. Sie war hübsch, hatte große, dunkle Augen und eine Stupsnase. Ihr Vater Andrew war groß und schlank. Er trug eine Brille und schien nicht ganz zu wissen, was er mit seinen langen Gliedmaßen machen sollte. Sie standen alle im Garten der Hillingtons, der umgeben von einer niedrigen Hecke an eine große Wiese angrenzte. An der Hauswand stand ein kleiner Grill auf welchem Becky, unter Andrews Aufsicht, Bratwürste umdrehte. Marcia und Kate deckten den langen Gartentisch, der auf dem Rasen stand und unterhielten sich lebhaft.

Wanda blieb einen Augenblick in der Terrassentür stehen und schluckte bei dem Gedanken, dass sie nun bei dieser Familie leben würde.
Sie fragte sich, ob Andrew ihr auch beibringen würde, einen Grill zu bedienen.
Die Szene sah so fremd aus. Eine Katze schlich durch den Garten, Badeanzüge und Handtücher trockneten über einem Gitter. Kinderschreien drang aus dem Nachbargarten.
Oskar hatte ihr beigebracht, wie man ein Kamel führt und welche skandinavischen Kräuter essbar waren. War das so anders?
Sie fühlte sich wie ein Fremdkörper in diesem Garten. Becky würde sie bestimmt als Eindringling sehen. Wanda begann zu zittern und schreckte auf als Kate sie rief: „Wanda! Da bist du ja, willst du etwas trinken?“ Wanda wollte hier weg! Ihr Körper schien in Flammen zu stehen. Das Brutzeln der Bratwürste war viel zu laut und die Stimmen der Nachbarn waren schrill und einfach zu viel. Blut rauschte in ihren Ohren. Sie wollte schreien.
Hatte sie geschrien?
„Wanda ist alles in Ordnung?“, Kates Stimme kam aus weiter Ferne und Wanda merkte, dass alle sie anstarrten.
„Ich kann nicht nach Hogwarts“, hauchte sie wollte sich auf der Stelle umdrehen um ins Haus zu flüchten doch da stand hier Vater, der sie sanft an den Armen packte und leise auf sie einsprach.
Langsam wurde ihre Wahrnehmung wieder normal und sie atmete ruhiger.

„So ist gut, tief ein und ausatmen. Ist schon in Ordnung.“ Wanda drehte sich wieder um und blickte zu Boden. Noch immer raste ihr Herz aber die Stimme ihres Vaters beruhigte sie. Der Panik folgte nun Scham. Marcia war zu ihr geeilt schloss sie in ihre Arme. Tränen stiegen in Wandas Augen. „Es ist so lange nicht mehr passiert“, nuschelte sie erstickt und schluckte den Klos in ihrem Hals runter. „Das ist nicht schlimm. Du hattest es doch viel besser unter Kontrolle als die letzten male“, sagte Marcia tröstend.
„Es tut mir leid“, murmelte Wanda an die Hillingtons, die sie besorgt anblickten, „Das passiert nicht oft, versprochen. Ich krieg nur manchmal Angst. Das kommt ganz plötzlich und überfällt mich“, sie verstummte und sah betreten in die Runde.
„In meiner Grundschule war ein Junge, der hatte so was immer, wenn man ihn anfasste, ist das bei dir auch so?“, fragte Becky ehrlich neugierig.
„Nicht wenn man mich anfasst! Nur wenn manchmal alles neu und zu viel ist“, erklärte Wanda eilig. Ich bin nicht verrückt, wollte sie sagen. „Dad, mir wird das in Hogwarts auch passieren!“, sagte sie stattdessen verzweifelt.
„Darüber reden wir später okay? Du kriegst das hin“, antwortete Oskar mit einem sanften Lächeln und führte Wanda zum Tisch. Die Bratwürste waren inzwischen fertig und der Tisch war gedeckt. Wanda saß zwischen ihren Eltern, gegenüber von Becky und zwang sich zu einem Lächeln obwohl ihr Herz noch immer unangenehm pochte. Sie wollte normal wirken.

Wenn Becky sie für einen Freak hielt versteckte sie es gut hinter ihrer Neugier.
„Wie ist Zaubern so? Ist es schwer? Wie ist dieses Hogwarts? Werden wir zusammen in einer Klasse sein?“ Wanda war froh, über etwas Alltägliches reden zu können und beantwortete bereitwillig alle Fragen.
„Und man kann wirklich auf Besenstielen reiten?“, fragte Becky, als sie das benutzte Geschirr zurück in die Küche trugen. „Ja, der beliebteste Sport wird so gespielt! Quidditch!“ Becky war begeistert. „Wow, hast du einen eigenen Besen?“ Wanda nickte stolz und versprach Becky, ihr das Fliegen beizubringen. „Wenn du mir zeigst, wie man mit diesen Fahrrädern fährt!“

Diagon Alley 1.1

 

Als sie bald darauf zu fünft ins Auto der Hillingtons stiegen um in die Winkelgasse zu fahren waren zu wieder beim Thema Hogwarts. Oskar war bereits nach London appariert und Marcia war bereit sämtliche Fragen zu beantworten.

„Und welches Haus ist das beste?“ Marcia lachte. „Ihr werdet nach euren Persönlichkeiten in die Häuser eingeteilt. Jedes Haus steht für bestimmte Stärken und Schwächen, es gibt also kein bestes oder schlechtestes.“

„Aber alle hassen Slytherin“, erklärte Wanda, in Erinnerung and frühere Erzählungen ihrer Mutter.

„Es gibt Rivalitäten und Vorurteile unter den Häusern aber am besten geht ihr das ganz unvoreingenommen an. Haltet euch besser von Schülern fern, die euch anhand eures Hauses oder eures Blutstatus‘ verurteilen, okay?“

„Blutstatus?“, klinkte Andrew sich vom Fahrersitz ein.

„Ob man reines Zaubererblut hat, Muggelgeboren, wie Becky, ist oder gemischtes Blut hat. Für manche Reinblüter ist wichtig. Eine ziemlich toxische Sichtweise, es wurden schon Kriege darum geführt“, antwortete Marcia betrübt. Sie selbst stammte aus einer durch und durch reinblütigen Familie.

Die Dörfer wurden dichter und die Häuser höher und bald standen sie vor dem Eingang zum Tropfenden Kessel. Oskar wartete neben einer alten und streng dreinblickenden Hexe auf sie.

„Wanda, das ist Professor McGonagall. Sie ist Lehrerin in Hogwarts und Stellvertretende Schulleiterin“, erklärte er.

„Miss Sommer, Sie werden ab diesem Sommer in England wohnen?“ Wanda nickte. „Im Haus der Familie Hillington?“ „Ja, Professor.“ McGonagall hielt ihr einen Briefumschlag entgegen und sagte: „Dann freue ich mich, Sie nach Hogwarts einladen zu dürfen“, sie wand sich an Kate und Andrew, „Verstehe ich richtig, dass Sie sich ebenfalls für Hogwarts entschieden haben?“ Die Erwachsenen übernahmen das Gespräch von dort und Wanda und Becky grinsten sich gegenseitig an. Wanda stand dicht an ihrem Vater, der beruhigend eine Hand auf ihre Schulter gelegt hatte, während sie sich interessiert im Gasthaus umsah.

Der Raum war dunkel und nur durch wenige, dreckige Fenster fiel das Sonnenlicht der Muggelstraße in den Schankraum. Vor ihnen tanzte der Staub in der Luft. An den Tischen saßen Schüler, die ihre Schulsachen verglichen, verschrobene Hexen und Zauberer vom Land mit großen Körben voll magischer Zutaten und Flaschen. Am Tresen saßen eine Gruppe adrett gekleideter junger Hexen und stießen mit Sektgläsern an. Zu ihren Füßen lagen Einkaufstaschen voll Schlingpflanzen in Käfigen und Bücher über Kräuterkunde. Eine der Pflanzen schien Wanda zuzuwinken. Becky bekam große Augen, als sie Wandas Blick folgte. An der Wand hinter ihnen hing eine Tafel, die die verschiedenen Suppenangebote auflistete.

„Wenn Sie mir nun folgen würden.“ Das Gespräch der Erwachsenen war beendet und die Professorin lotste sie durch den Hintereingang des Gasthauses. Dort fanden sie sich in einem kleinen Hof wieder und McGonagall erklärte, welchen Stein, an der sich dort befindlichen Mauer sie mit dem Zauberstab anzutippen hatten. Die Steine der Mauer schwangen zur Seite und gaben die Sicht auf eine dicht bevölkerte Einkaufsstraße frei. Wanda hörte Becky neben ihr Keuchen und war auch selbst begeistert. „Das ist ja viel kleiner als der Bazar in Marrakesch!“ Mit Schaudern erinnerte sie sich an die gewaltigen Ausmaße dieses Zauberermarkts und an die Panik, als sie dort ihre Eltern aus dem Blick verloren hatte. McGonagall sah sie jedoch missbilligend an, bis sie das Strahlen auf ihrem Gesicht sah.

Sie teilten sich auf, da die Hillingtons zunächst in der Bank Geld wechseln mussten und versprachen, sich um 3pm beim Eissalon wieder zu treffen. Oskar verabschiedete sich um ihre Reiseapotheke wieder aufzufüllen und Marcia und Wanda spazierten zur Buchhandlung Florish & Blotts. Im Laden drängten sich die Kunden, überwiegend Hexen, um einen großen Tisch in der Mitte an welchem ein blonder Mann Bücher signierte. Ein über ihm schwebendes Banner verkündete „Gilderoy Lockharts 3. Jährliche Signierstunde – Exklusiv bei Florish & Blotts seit 1989“.  Wanda quetschte sich mit ihrer Bücherliste durch die Menge, während ihre Mutter sich den neusten Band Lockharts Abenteuer Reihe schnappte und sich in die Schlange stellte. Wanda selbst hatte die Bücher Lockharts ebenfalls gelesen und sich gesehnt auf Abenteuer zu gehen, hatte aber nie verstanden, warum ihre Mutter, die doch selbst von einer abenteuerlichen Ruine in die nächste stolperte, sie so vergötterte. So schnell sie konnte suchte sie all ihre Lehrbücher und stürzte sich schweren Herzens ins Gedränge, um ihre Mutter zu finden. Keine Minute länger als nötig wollte sie in diesem stickigen, engen Laden verbringen. Obwohl sie eigentlich liebend gerne in Buchhandlungen herumschmökerte.

Sie fand Marcia direkt vor Lockharts Tisch. „Sie haben verblüffende Ähnlichkeiten mit der schönen Dame auf dem Cover von ‚Magische Ruinen Südamerikas‘, hat ihnen das schon einmal jemand gesagt?“, säuselte Lockhart gerade und schenkte ihr ein breites Lächeln. „Meine Mum ist die Frau auf dem Cover!“ warf Wanda ein, als sie sich zu ihr durchgeschlagen hatte. „Ach!“ Lockhart riss affektiert die Augen auf, „Ein wundervolles Buch, ich muss schon sagen! Wobei ich natürlich viel schneller mit diesem Lethifold fertig geworden wäre. Hier ich schenke Ihnen mein Buch ‚Ein Jahr bei einem Yeti‘, damit sie auch ihr nächstes Abenteuer heil überstehen!“ Er zwinkerte Marcia zu bevor sie und Wanda von den nächsten beiseitegeschoben wurden.
„Ist er nicht hübsch?“, schwärme Marcia noch, als sie den Laden verließen. Wanda sagte nichts. Es war ihr ein wenig peinlich, wie ihre Mutter sich anstellte.
„Ich brauch noch Schulumhänge. Ist das da ein Kleiderladen?“, wechselte Wanda das Thema und deutete auf einen kleinen Laden, dessen lila lackiertes Schild mit „Madam Malkins Anzüge für alle Gelegenheiten“ beschriftet war.
„Ja, Mäuschen, was hältst du davon, wenn du dort schonmal reingehst und ich besorgt noch etwas Kleines? Ich komm dann wieder hier her“, schlug Marcia vor. Wanda nickte. Ob sie etwa zurück zu Lockhart ging?

Ein leises Klingeln klang von der Glocke über der Tür als Wanda den Laden betrat. Das laute Treiben der Straße drang nur gedämpft in den Laden, in dem es verlassen schien. Dunkle Umhänge hingen an einer Stange zu Wandas linken und sie ließ ihre Hand über die samtenen Stoffe fahren. „Einen Augenblick!“, flötete eine Stimme aus dem Ladenhinteren und mit langsamen Schritten folgte Wanda ihr. Hinter einem Regal fand sie dann die Ladeninhaberin. Eine ältere Dame in orangenem Kostüm, die um ein blondes Mädchen in Wandas Alter herum wuselte. Das Mädchen stand mit ausgestreckten Armen auf einem Schemel und die Verkäuferin nahm ihre Maße.

„Stell dich ruhig schonmal auf den anderen Schemel“, bat die ältere Hexe, ohne Wanda anzusehen. Wanda gehorchte und sofort schoss ein anderes Maßband herbei und maß ihre Armlänge und Körpergröße, während eine Feder selbstständig Notizen machte. 24 Zoll. Fünf Fuß ein Zo- das Pergament flatterte weiter um sie herum. „Auch Hogwarts, meine Liebe?“ fragte die Verkäuferin und sah sie erstmals an, „Ich bin Madame Malkin.“
„Ja, zweites Schuljahr“, bestätigte Wanda. Das Mädchen mit den langen blonden Haaren runzelte die Stirn. „Ich hab dich aber noch nie in Hogwarts gesehen! In welchem Haus bist du denn?“ Wanda sah das Mädchen an, ihre großen, wimpernlosen Augen irritierten sie. „Äh, ich bin neu. Ich wohne erst jetzt in England. Wohnst du auch in England?“, antwortete Wanda zögerlich. „Ich bin Schottin!“, erklärte das Mädchen ihr mit Nachdruck und Wanda überlegte, ob sie sie beleidigt hatte. Aber zumindest erklärte das ihren Akzent, Wanda hatte Schwierigkeiten das Mädchen überhaupt zu verstehen.
„Kommst du auch ins zweite Schuljahr? Wie heißt du eigentlich?“
„Ich bin Fay und ja, ich komme auch ins zweite Schuljahr.“
Wanda war begeistert. Sie hatte schon eine ihrer zukünftigen Klassenkameradinnen getroffen! „Toll! In welchem Haus bist du denn? Meine Mum hat mir erzählt es gäbe vier.“
Unterdessen legte sich ein schwarzer Umhang um sie und Nadeln steckten die etwas zu langen Ärmel ab.
„Ich bin in Slytherin.“ Fay zog ihren Umhang bereits wieder aus. „Das Haus für alle, die zu etwas großem bestimmt sind“, sie klang ungemein stolz, während Madam Malkin an ihrem Schulrock herumzupfte.
„Wie wird denn bestimmt, wer in welches Haus kommt?“, fragte Wanda und hörte Fay zu, wie sie vom sprechenden Hut erzählte und von der großen Halle, mit ihrer magischen Decke und vom köstlichen Festmahl. Als Madam Malkin mit Fays Gewändern fertig war stieg sie von ihrem Schemel reichte Wanda eine Hand. „Wir sehen uns im Hogwarts Express!“, verabschiedete sie sich und ein warmes Gefühl machte sich in Wanda breit.

„Ach ja, noch einmal nach Hogwarts gehen“, seufzte Madam Malkin belustigt, als die Tür hinter Fay zu fiel. „Du wirst sehen, das wird die beste Zeit deines Lebens.“

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Kapitel:3
Sätze:244
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Zeichen:20.884

Kurzbeschreibung

Sieben Hogwartsschüler, die erwachsen werden. Sieben Hogwartsschüler, die sich selbst kennenlernen Sieben Hogwartsschüler, die Freunde und Feinde finden, die sich verlieben und zaubern lernen, lieben und bereuen, Fehler machen und Geheimnisse haben, hassen und Geheimnisse teilen, Angst haben und Entscheidungen treffen, sich streiten und für einander töten würden. Sieben Hogwartsschüler, die alleine aber nicht einsam sind. - Schlangentextur des Covers von: deviantart: goblinstock (schaut mal vorbei, sie hat tolle Fotos, die ihr frei verwenden könnt!)

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Liebe, Freundschaft und Angst getaggt.

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