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The Midsummer station - Kára und Thor

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2.5.2019 17:03
6 Ab 6 Jahren
Pausiert

Dreams and disasters
//I wanna feel alive forever after, and you say, you say you wanna feel alive forever after... Follow the light through the dreams and disasters//


„Kára.“
Wenn das die ersten Worte waren, die sie an einem Morgen aus Thors Mund hörte, wusste sie schon, dass der Tag gut anfing. Sie lächelte leise, sagte aber nichts.
„Tu nicht so, als würdest du schlafen.“ Thor beugte sich zu ihr; sie konnte seinen Atem spüren.
Seine Hand strich eine Strähne aus ihrem Gesicht. Kára öffnete die Augen.
Thor grinste spöttisch. „Sag ich doch.“
Kára setzte sich auf. „Ich habe wirklich geschlafen.“
„Ja, klar.“
„Wirklich“, sagte sie mit Nachdruck, und grinste dann selbst. „Ich bin aber schon seit längerem wach.“
Thor schien ihre letzte Bemerkung aber kaum gehört zu haben. Mit gerunzelter Stirn sah er in die Ferne. „Wir sollten aufbrechen.“
Kára hob eine Augenbraue. „Was ist das denn jetzt schon wieder?“
„Ich meine es ernst.“ Er nahm ihre Hand und sah ihr in die Augen. „Sie würden es nie verstehen.“
Sie wich seinem Blick aus. Er würde sie nur wieder in seinen Bann ziehen, wenn sie längere Zeit in seine Augen schaute. Wie schaffte Thor es nur, ihr Herz immer wieder dazu zu bringen, schneller zu schlagen?
„Ach“, sagte sie, und ihre Stimme klang ein wenig bitter, „hat der große Thor Angst vor seinem Papa?“
„Du kennst Odin“, erwiderte er. „Ich will die Dinge nur nicht komplizierter machen als sie sind. Mal abgesehen davon will ich ja auch nicht mit dir flüchten.“
Jetzt sah sie ihm doch wieder in die Augen. „Ah ja?“, fragte sie. „Sondern?“
„Wir brennen durch. Das ist ein Unterschied.“ Jetzt lachte er schon wieder. Dann drehte er sich um. „Aber jetzt komm. Wir machen uns auf den Weg. Weg von ihnen. Wenigstens für einen Tag und eine Nacht.“
„Darf ich fragen, wohin?“
„Du darfst.“
Kára starrte ihn an. Manchmal konnte er sie wahnsinnig machen. „Also, wohin geht es?“
„Ich habe dir zugesichert, dass du fragen darfst, aber nicht, dass ich dir die Frage beantworte.“
Gerade war einer dieser Momente. In denen sie Thor am liebsten erst eine klatschen und ihn dann zurücklassen würde. Dieser arrogante, abgehobene...
„Kommst du?“
Und jetzt sah er sie wieder an. Es war hoffnungslos. Kára war zu verliebt in ihn, als das sie ihn gehen lassen konnte. Jemals loslassen könnte.

Gemeinsam durchwanderten sie Asgard.  
Gefährlich in die Richtung, die Kára nicht einschlagen wollte.
Thor bemerkte ihr Zögern und zog sie vorwärts. „Angst, Kára?“
„Sei nicht lächerlich“, antwortete Kára mit fester Stimme. „Aber Thor... du hast doch nichts Gefährliches vor, oder?“
Sein Mundwinkel hob sich schon wieder zu einem spöttischen Grinsen. „Das kommt auf deine Definition von gefährlich an“, sagte er. „Aber das ganze Leben ist gefährlich, Kára. Das ist ja der Spaß daran.“
„Solange, wie du dein Leben in diesen Gefahren nicht aufs Spiel setzt.“
„Vielleicht“, meinte Thor und zuckte mit den Achseln. „Aber was ist das Leben ohne ein wenig Risiko? Vor allem, wenn man eine Begleitung wie dich hat.“
Kára konnte nicht anders, als sich geschmeichelt zu fühlen, aber natürlich würde sie Thor das so nicht sagen. „Spar dir deine Komplimente.“
Er nahm ihre Hand. „Ich liebe dich Kára, habe ich das schon gesagt?“
Jetzt konnte sie doch nicht widerstehen und zog ihn näher an sich. „Ja“, sagte sie leise, „hast du schon. Aber es fühlt sich immer wieder schön an.“
Er begann, ihr über das Haar zu streichen...
Kára machte einen Schritt rückwärts. „Heb dir das für später auf, und sag mir, was du vorhast.“
„Habe ich doch schon. Wir hauen ab. Ein kleines Abenteuer. Ein wenig Abwechslung zwischen den üblichen Feiern. Nenn es, wie du willst.“
„Du weißt was ich meine. Warum sind wir in Richtung Niflheim unterwegs?“
Thor lief weiter, sie immer noch an seiner Hand. „Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst.“
„Thor!“
Thor lief nur noch schneller. Kára beeilte sich, mithalten zu können. „Du machst mich wahnsinnig, weißt du das?“, knurrte sie. Er ignorierte sie noch immer und das Grinsen war ihm auch noch nicht aus dem Gesicht gefallen.
Kára ließ ihn los. „Keinen Meter geh ich weiter, wenn das hier nur wieder eine deiner Wahnsinnsideen ist.“
Thor blieb ebenfalls stehen und drehte sich zu ihr um. „Ist es nicht.“
Kára verschränkte die Arme. „Thor, wenn du vorhast den Riesen einen Besuch abzustatten, werde ich dich sicher nicht begleiten.“
„Du vertraust mir nicht.“
Kára starrte ihn an. Damit hatte sie nicht gerechnet. Natürlich vertraute sie Thor aber,...
„Es geht nicht um Vertrauen oder nicht!“, sagte sie. „Es geht darum, dass du als Ausflug wieder eine Suizidmission aussuchen musstest.“
„Wieso wied-?“
„Wem willst du hier etwas beweisen, Thor?“, fragte sie mit scharfer Stimme. Er zuckte zusammen.
„Kára...“, sagte er. „Du verstehst das falsch.“
Er ging zu ihr hinüber und nahm ihre Hand. Kára zog sie weg und schaute in eine andere Richtung. Vorsichtig ging Thor um sie herum. Kára hörte seine Schritte im Sand. Seine Hand strich an ihrem Körper entlang und hielt ihr die Augen zu. Kára öffnete erschrocken den Mund und wollte protestieren, aber Thor hatte sich schon zu ihr gebeugt und flüsterte ihr ins Ohr.
„Es geht nicht nur um das Risiko“, sagte er. „Es geht darum, dass ich frei sein möchte, mit dir, und nur mit dir. Ich will alles mit dir machen, Kára. Mit dir zu den Riesen. Nach Niflheim.“
Er zögerte für einen Moment. „Ich will dir nichts beweisen“, sagte er, „ich möchte erleben wie es ist, Dinge zu tun, die ich ohne dich nicht könnte.“
Kára schluckte. „Spar dir deine Romanzen“, flüsterte sie, aber Thor sprach schon weiter. „Wir vertrauen uns, Kára, oder?“
Sie zögerte. Und nickte.
„Kannst du nicht mal etwas verrücktes mitmachen?“
Kára drehte sich zu ihm, seine Hand rutschte von ihren Augen. „Ich...“
„Nicht einmal mit mir? Lass uns verrückt sein, Kára. Dafür leben wir doch.“
Für einen Moment zögerte sie noch; und diesen Moment nutzte Thor.
Er beugte sich vor und küsste sie, kurz und sanft.
Kára konnte die Augen nicht von ihm lassen.
„Was sagst du, Kára? Bereit, dein Leben auch zu leben?“
Sie lachte und lehnte sich an ihn. „Ich liebe dich, Thor“, sagte sie, „aber du bist vielleicht ein bisschen zu verrückt für mich.“
„Nein. Ich bin gerade verrückt genug für dich.“

Shooting star
//When the sun goes down, and the lights burn out, then it's time for you to shine, brighter than the shooting star, so shine no matter where you are /

„Vielleicht hast du Recht, Thor“, meinte Kára. Es wurde langsam schon Nacht, aber sie spürte weder Kälte und Dunkelheit, noch die Anstrengung des Fußmarsches. Immerhin waren sie schon mehrere Stunden unterwegs.
„Ich habe immer Recht“, sagte Thor und blieb dann auf einmal stehen.
„Was-“
„Sei still.“
Kára schloss ihren Mund, verwirrt. Vorsichtig machte Thor ein paar Schritte, und sah sich beunruhigt um.
Dann hörte Kára es auch. Ein Knacksen. Sie fuhr herum, konnte aber nichts sehen.
„Da ist nichts, Thor...“, sagte sie, und nahm seine Hand. „Lass uns einfach-.“
„Shh, halt doch mal die Klappe.“
Die Art, wie er mit ihr umsprang, machte Kára verrückt. Sie öffnete den Mund, aber Thor drückte ihr seine Hand auf ihren Mund. Sein Blick wanderte in den Himmel. Kára folgte seinen Augen, und sah, wie zwei Raben in die entgegengesetzte Richtung wegflogen.
„Verdammt“, murmelte Thor und nahm seine Hand von Káras Mund.
Auch sie konnte ihre Augen nicht von den beiden Vögeln nehmen, die am dunklen Himmel nun nur noch schemenhaft zu erkennen waren.
„Hugin und Munin?“, fragte sie.
„Ja“, meinte Thor düster. „Die Raben Odins. Verdammt, Kára, das bedeutet Ärger.“
„War ja aber auch zu erwarten. Oder wer wollte ein wenig Risiko?“
Er verzog sein Gesicht zu einer Grimasse und erwiderte nichts. „Lass uns lieber weitergehen, bevor die beiden Odin erreichen.“
„Also rennen wir lieber den Riesen in die Arme als Odin.“
„Solange du dir deine Feinde noch aussuchen kannst, bist du ihnen überlegen.“
„Kann ich mir denken, dass du das so siehst“, murmelte Kára leise. Er hob amüsiert eine Augenbraue. „Kára, werden wir uns jemals über etwas einig sein?“
„Ich glaube nicht.“
„Dann sind wir uns wenigstens darüber einig.“ Er lachte, packte ihre Hand und wirbelte sie einmal herum. Káras Herz schlug schneller. Sie konnte sich nicht erklären, wie Thor das mit ihr machte. In der einen Sekunde verwünschte sie ihn nach Hel, und in der nächsten Sekunde... Sie hatte noch nie für jemanden eine so scheinbar unbegrenzte Liebe gespürt. Aber gab es so etwas wie Unbegrenztheit?
„Alles ist vergänglich“, sagte sie leise, und Traurigkeit schwang in ihrer Stimme mit.
Thor sah sie überrascht an und drückte ihre Hand. „Für Menschen vielleicht“, sagte er. „Aber hier in Asgard, für uns, zählt doch so was wie Endlichkeit nichts.“
„Das sagst du jetzt“, sagte Kára leise.
Thor schluckte und beugte sich zu ihr. „Wir sind nicht vergänglich, Kára“, sagte er. „Denk so etwas nicht. Wir sind füreinander bestimmt.“
„Im Moment“, sagte sie bedrückt. „Du weißt nicht, was morgen ist.“
„Wieso kannst du mir nicht vertrauen?“, fragte er. „Wieso denkst du, ich spreche nicht von der Wahrheit, wenn ich dir sage, dass ich dich für immer lieben werde?“
„Ich... Eine Ewigkeit ist eine lange Zeit, Thor!“ Sie zögerte kurz. „Ich würde niemanden mit der Ewigkeit vertrauen.“
Thor sah sie einen langen Augenblick an, bevor er antwortete. „Wenn du der Ewigkeit nicht traust, lass uns wenigstens den Moment leben.“
Kára lächelte. „Ich lie-“
Doch Thor sah schon wieder gen Himmel, und runzelte die Stirn. „Lass uns weitergehen“, sagte er, „Odins Raben sind schnell, wenn er sie braucht, und am Ende laufen wir noch Geri und Freki über den Weg. Darauf kann ich ehrlich gesagt verzichten.“
„Ich auch“, sagte Kára, und beeilte sich, mit ihm Schritt zu halten, „aber darf ich mal fragen, warum es zwischen uns immer nur romantisch werden darf, wenn du es gerade zufällig so willst?“
Er grinste. „Ich bin eben einfach der Inbegriff der Romantik, Kára.“
Sie schnaubte. „Habe ich schonmal erwähnt, dass mich genau diese Art wahnsinnig macht?“
„Ja.“
„Und dir ist auch klar, dass wir uns schon mehr als einmal deswegen gestritten haben?“
„Genau. Wir haben uns schon tausendmal gestritten, aber du bist immer wieder zu mir zurückgekommen. Nichts ist ermutigender als die Erlebnisse der Vergangenheit.“
„Du bist unerträglich.“
Thor küsste sie. „Und du bist so herrlich erträglich, dass ich von dir die Finger nicht lassen kann.“
„Manchmal tust du wirklich so, als könntest du jedes weibliche Wesen auf der Erde abbekommen.“
„Wie sonst habe ich dich bekommen?“
Sie gab ihm einen Schubs. „Kannst du mal eine Sekunde ernst sein, Casanova?“
Kára starrte wieder in den Himmel. „Die Raben sind weg“, sagte sie, „und von den Wölfen ist auch keine Spur. Mal abgesehen davon, warum glaubst du, dass Odin hinter dir her ist?“
„Beziehungen zwischen Göttern und Walküren sind nicht gerne gesehen.“
„Aber er hat ja wohl trotzdem besseres zu tun, als uns nachzuspionieren.“
Thor zuckte nur mit den Schultern. „Fakt ist, dass wir Hugin und Munin gesehen haben. Das kann nichts Gutes bedeuten.“
Beruhigend nahm sie seine Hand. „Mach dir keine Sorgen“, sagte sie, und fügte dann, etwas sarkastischer hinzu: „Schließlich bist du ja ein großer Gott.“
Er lachte und hob das Kinn. „Ganz genau.“
„Wenn du dir da so sicher bist, können wir ja sicher jetzt mal Pause machen, oder? Es ist bald so dunkel, dass man nichts mehr sieht, und ich hätte auch nichts dagegen mich mal hinzusetzen. Deine Riesen können bis zum nächsten Tag warten, meinst du nicht?“
Thor betrachtete sie spöttisch. „Man merkt, dass du kein Gott bist“, sagte er, „ein Tagesmarsch und schon müde...“
„Thor, ich warne dich.“
Er grinste. „Tut mir leid. Es ist nur so schön zu wissen, dass du, egal, was ich sage, trotzdem bei mit bleiben willst. Jeder fühlt doch gerne Bestätigung.“
„Wenn ich dich nicht so gut kennen würde, würde ich dich für diese Bemerkung jetzt ziemlich verabscheuen“, meinte Kára. „Aber“, sie beugte sich zu ihm und küsste ihn sanft, „zum Glück kenne ich dich, und weiß, dass das auf Gegenseitigkeit beruht. Du würdest es doch keinen Tag ohne mich aushalten.“
Er lächelte sie an, seine Augen voll mit Liebe und Zuneigung. „Da hast du Recht.“
Gemeinsam setzten sie sich auf den Boden. Thor breitete eine Decke für Kára aus und verneigte sich kurz. „Wenn dies als Nachtgemach für Euch genehm ist...“
„Danke, der Herr“, meinte Kára lächelnd und zog Thor zu sich auf die Decke. „Es ist..“, sie gab ihm einen sanften Stups auf die Nase, „perfekt.“
„Bereit für die Nacht, Kára?“
„Mit dir immer.“
Er lächelte ein wenig. „Immer? Ich dachte es gibt keine Ewigkeit?“
Sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter. „In einem Moment können Ewigkeiten existieren“, flüsterte sie.

Gold
//I don't even need stars in the night, I found my treasure, all I need is you by my side, so shine forever//

Kára lag neben Thor, ihre Augen geschlossen. Aber sie schlief nicht.
Thor lag ganz dicht bei ihr. Kára wusste, dass auch er nicht eingeschlafen war. Sie lächelte und atmete tief ein, dann kuschelte sie sich noch ein wenig näher an Thor ran.
Thor öffnete die Augen. „Kára?“
Keine Antwort. Thor sah nach oben in den Himmel.
„Zu schade“, flüsterte er leise, „wenn meine Freundin jetzt nicht schlafen würde, könnte sie sich den Sternenhimmel anschauen... Zusammen mit mir.“
Kára grinste und drehte sich zu ihm.
Er lächelte, ein klein wenig spöttisch.
„Du kennst mich zu gut“, sagte sie ruhig.
„Da wir ohnehin nicht schlafen müssen“, sagte Thor, und nahm ihre Hand, „dann lass uns doch versuchen, etwas nützliches zu tun.“
Kára grinste. „Was denn, bitte?“, fragte sie, und schmiegte sich näher an ihn.
Thor schien einen Augenblick zu überlegen. „Sterne zählen“, sagte er dann ernsthaft.
Kára lachte. „Na dann, los geht’s würde ich sagen. Wann genau wolltest du in Niflheim ankommen?“
Er grinste jetzt ebenfalls und beugte sich zu ihr.
„Dann frag halt nicht so dämlich“, murmelte er, und begann, über ihren Hals zu streichen. „Eigentlich meinte ich das hier“, er küsste sie sanft auf die Wange, „du weißt schon...“ Liebevoll begann er sie zu küssen.
Káras Herz schlug schneller. Es schien ihr immer noch wie gestern, dass sie sich das erste mal geküsst hatten, und vielleicht wäre es besser, nicht Tag und Nacht an seinen Lippen zu hängen – sie wurde ja schon richtig süchtig nach ihm – wenn er...
Wenn er nicht so verdammt gut küssen würde.
Nach einer Weile ließ sie ihn los und lächelte ihn an. Er gab ihr einen Stups auf die Nase.
Kára lachte, und schaute wieder in den Himmel.
„Warum willst du unbedingt nach Niflheimr?“, fragte sie dann. „Ich meine, ist es hier nicht schön genug? Romantisch?“
„Romantik ist auf die langweiligste Art gefährlich“, sagte Thor.
Sie sah ihn an und legte die Stirn in Falten. „Dazu kommt, dass du nicht im Geringsten romantisch sein kannst.“
Thor grinste. „Ich halte mich für sehr romantisch, aber wie du meinst, Kára.“
Kára schmiegte sich an ihn. Natürlich hatte Thor Recht. Er hatte immer Recht. Naja, manchmal zumindestens.
Eine Weile saßen sie so da, nebeneinander und miteinander.
Dann hob Kára wieder ihre Stimme. „Was meinst du, hat Odin gegen uns?“
„Er hat seine Prinzipen“, meinte Thor, und seine Stimme wurde mit einem Mal ein wenig ernster. „Und du weißt, wie er ist. Er hört auf die Nornen, egal was.“
„Das ist doch nichts schlechtes, oder?“
Thor zuckte mit den Schultern. „Bisher lagen die Nornen nicht falsch aber...“
Er sprach nicht weiter.
Kára begann, mit dem Finger Kreise in die Erde zu ziehen. „Sag bloß, die Schicksalsschwestern haben etwas über uns gewebt?“
„Ich weiß gar nichts“, sagte Thor schnell, und starrte nach  oben. „Ich weiß nur, was ich eben so nichts mitkriege. Jedenfalls nichts Gutes.“
Kára gab sich mit dieser Antwort zufrieden, und ihr Blick durchstreifte Asgard. „Ich nehme an, sie feiern wieder da drüben“, sagte sie.
„Feiern und trinken und nichts tun“ bestätigte Thor. „Aber ohne uns, Kára. Ohne uns.“
Uns. Das klang schön.
Kára sah Thor von der Seite an. Konnte sie ihm trauen? Es schien ihr so unwirklich, dass sie beide...
„Thor“, sagte sie. „Warum ich?“
Thor wandte seinen Blick zu dir.
„Warum du?“, wiederholte er.
Kára nickte.
Thor sah sie einen Moment an, ohne etwas zu sagen. Dann griff er sich an sein Herz.
„Darum“, sagte er. „Hier drin, ganz tief hier drinnen, ist ein Platz nur für dich. Er ist golden und mit einigen Blumen verziert, und du wohnst in meinem Herzen, damit ich dich immer bei dir trage.“
Kára lächelte und wurde rot. „Das hast du bestimmt aus einem Buch auswendig gelernt“, flüsterte sie heiser.
Thor lehnte sich zu ihr und legte seinen Kopf auf ihre Schulter. „Nein“, sagte er, „aber wenn du willst, schreibe ich ein Buch über dich.“
„Über mich?“, fragte Kára und grinste.
„Sicher. Über deine wunderschönen Haare zum Beispiel. Über deine Augen, deine zarten Hände und deine Nase.“
Sie lachte. „Meine Nase?“
„Natürlich. Sie ist wunderschön, habe ich das nicht schon erwähnt?“
Kára grinste und schmiegte sich an ihn. „Sprich ruhig weiter.“
„Ich würde über deinen Humor schreiben, und darüber, wie leicht eingeschnappt du manchmal sein kannst, und wie sich dann deine Stirn in Falten legt. Aber auch, wie du danach immer lachst und einem kaum böse sein kannst. Über deinen Humor würde ich schreiben, und darüber, dass wir uns schon immer kennen, aus einer Familie stammen... Ich würde über uns schreiben, und darüber, wie verrückt ich nach dir bin, und wie sehr ich mir gewünscht habe, dass eine solche Walküre überhaupt Augen für mich haben könnte.“
Kára schluckte.
„Und wenn ich fertig bin“, fuhr Thor fort, „dann lege ich Odin das Buch auf seinen Frühstückstisch, wenn er Geburtstag hat.“
Kára lachte und nahm ihren Kopf von seinen Schultern. „Du bist unmöglich“; sagte sie
Thor lachte. „So oft, wie du mir das sagst, muss ich ja schon fast annehmen, dass du es nicht böse meinst.“
„Sei dir da mal nicht so sicher.“
Eine Weile starrten sie nur nach oben, an den Himmel. Kára sah ihn vorsichtig von der Seite an, und fragte sich, ob er wohl wusste, wie wichtig er ihr geworden war. Wie sehr sie ihn wertschätzte.
Zu sehr.
Oder konnte man jemanden zu sehr mögen?
Sie lehnte ihren Kopf an ihn. Auf einmal fiel ihr etwas ein, was sie vor langer Zeit mal Týr hatte sagen hören:
„Liebe ist das stärkste Gefühl, aber das heißt nicht, dass es einem immer guttut. Im Gegenteil, Liebe bringt einen auf den höchsten Punkt seiner Gefühle, nur um einen dann qualvoll fallen zu lassen.“
Aber vielleicht war Týr ja auch nur zu pessimistisch... Schließlich hatte er noch nie jemanden getroffen, der ihm so wichtig war, wie Thor es für sie war.
Liebe durfte nicht weh tun.
Sie durfte es einfach nicht.
Sonst war Kára verloren.
 
 

Dementia
Open up your eyes you're a star in the summer night/This is love this is war, it's insanity/ Dementia you're driving me crazy!

Am nächsten Morgen wurde sie nicht von Thor oder von den ersten Strahlen der Sonne geweckt, sondern von lauten Geräuschen am Himmel.
Ihr Kopf dröhnte, und die Geräusche schienen immer lauter zu werden; nach einer Weile ordnete sie den Raben zu.
Nicht die schönste Art aufzuwachen.
Kára schlug die Augen auf, und sah die Raben am Himmel fliegen.
Müde blinzelte sie, und setzte sich dann auf einmal mit klopfendem Herzen auf, und schaute zu Thor hinüber.
„Thor“, zischte sie. Keine Regung.
Sie runzelte die Stirn und stand auf, um nach oben zu sehen. Hugin und Munin zogen Kreise über ihre Köpfe, flogen aber seltsamerweise nicht weg.
Sie beugte sich zu Thor hinunter. „Thor!“
Er schien zu schlafen wie ein Stein. Sie begann, ihn ein wenig mit ihrem Fuß in die Seite zu stoßen, zuerst sanft, dann immer heftiger. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis Thor sich bequemte, die Augen zu öffnen. Er runzelte die Stirn, sah ihr ins Gesicht, und lächelte dann freundlich. Gar nicht spöttisch oder müde, nur freundlich. Für einen Moment war Kára wieder hin und weg.
Dann stupste sie ihn wieder unsanft mit dem Fuß an.
„Hey“, meinte er und schob ihren Fuß weg. „Das ist aber kein freundliches Guten Morgen.“
„Der Morgen ist ja auch schon halb rum, so lang wie du brauchst, um wach zu werden“, gab sie zurück.
Thor schloss nur die Augen und gähnte.
„Ey, Thor“, sie schubste ihn wieder. „Hast du Augen im Kopf? Schau mal an den Himmel.“
Thor reagierte nicht.
Kára schüttelte fassungslos den Kopf. „Ich soll springen, wenn der Herr eine Warnung ausgibt, aber selber legt er sich hin und pennt?“
Thor reagierte nicht einmal mehr.
„Sag mal“, sagte Kára und bückte sich wieder zu ihm runter, „wie viel hast du denn gestern noch getrunken, dass du so fertig bist?“
Er gab keine Antwort. Sie schüttelte den Kopf und stand auf.
„Gut“, meinte sie. „Der große Thor kann sich mit Odin und seinen Raben herumschlagen, vorausgesetzt er wacht irgendwann mal auf.“
Nicht einmal darauf reagierte er, und Kára drehte sich weg, sah noch einmal mit gerunzelter Stirn nach oben, und lief dann los.
Sie war aber kaum ein paar Meter gelaufen, als sie Thor müde rufen hörte.
„Kára!“
Für den Bruchteil einer Sekunde war sie versucht, einfach weiter zu gehen und ihn warten zu lassen, er hätte es ja verdient, aber dann war ihr Herz doch stärker und sie drehte sich zurück.
Thor hatte sich aufgesetzt, und sah sie wieder lächelnd an.
„Wo willst du hin?“
Ein wenig genervt, ein wenig belustigt zeigte Kára nach oben. Thor folgte ihrer Geste und entdeckte die Raben.
Sofort war er auf seinen Füßen. „Verdammt.“ Auf einmal wirkte er sehr viel wacher. Er bückte sich nach unten, schnappte sich die Decke und lief zu Kára.
„Lass uns gehen“, sagte er, „das gefällt mir gar nicht.“
Kára zog die Augenbrauen zusammen und folgte ihm. „Und mir gefällt dein Kommandoton nicht, habe ich das schon mal gesagt?“
„Ich denke eben manchmal logischer in solchen Situationen.“
Sie blieb stehen. „Logischer!“, schnaubte sie. „Logischer! Ich habe den Herrn gerade fast zehn Minuten versucht aufzuwecken, weil er sich zu bequem war, die Augen aufzumachen und nach oben zu sehen, aber wenn du sagst, Gefahr ist im Verzug, müssen wir sofort weg, ohne Diskussion?“
Er sah sie an, und dann zum Himmel. „Kára“, fing er an.
„Was?“, fauchte sie. „Ich habe deine Arroganz satt, Thor! Man kann darüber Witze machen, dass du ein Gott bist und dich für allmächtig hältst, aber gerade lebst du diesen Witz auf ziemlich ernste Weise.“
Er öffnete seinen Mund, um zu widersprechen, aber sie gab ihm keine Gelegenheit.
„Aber natürlich habe ich keinen Grund zur Sorge, nur Thor hat etwas an Odin zu verlieren, es geht dir immer nur um dich. Du machst mich krank.“
Sie machte einen Schritt zurück.
Thor fuhr sich durch die Haare. „Kára“, sagte er ein wenig hilflos, und streckte seine Hand nach ihm auf. Sie wich ihm aus.
„Weißt du was, Thor? Wie wäre es, wenn du schön alleine weiter gehst, und ich meinen Weg? Du kannst dich dann wieder um dich kümmern, das machst du ja sowieso den ganzen Tag. Nur dumm dass jetzt niemand mehr dir dabei zusehen wird.“
Er atmete tief durch. „Kannst du dich vielleicht mal abregen, Kára?“
Sie drehte sich um. „Ich gehe zurück“, sagte sie, und ihre Stimme war hart. „Die Aktion war von Anfang an eine blöde Idee, und... und du warst eine blöde Idee. Ich habe keinen Bock mehr, dir nachzurennen, Thor.“
Sie setzte sich in Bewegung. Thor starrte ihr nach.
„Hey, Kára, warte! Was ist denn los?“

Kára lief mit hocherhobenem Kopf davon. Ihre Hände zitterten ein wenig und sie biss sich auf die Lippe.
Hatte sie es übertrieben?
Nein, beschloss sie. Thor hatte sie zur Weißglut getrieben, und er konnte nicht erwarten, dass sich das Feuer nicht einfach mal entzünden würde.
Sollte er sie eben nicht immer so verrückt machen.
Sie lief ein wenig irrend in der Gegend herum, traf zum Glück aber zunächst auf niemanden. Das war ihr mehr als Recht; sie brauchte die Ruhe, um ihre Gedanken zu ordnen.
Sie liebte Thor doch so sehr. Und sie wollte ihn nicht verlassen, keineswegs. Aber vielleicht brauchten sie einfach ein wenig Abstand voneinander... Sie starrte auf ihre Hände. Sie würde ihre Gefühle für Thor akzeptieren müsste – er brachte sie so auf die Palme, weil er ihr wichtig war. So wichtig.
Jetzt gerade vermisste sie ihn sogar schon wieder, vermisste es, neben ihm durch Asgard zu streifen, über alles zu reden... Thor mochte manchmal ein angeberischer Idiot sein, aber er war auch empathisch und er verstand sie... Man konnte mit ihm über alles reden, und noch wichtiger, man konnte mit ihm genauso einfach über nichts reden.
Sie stöhnte leise auf und blieb stehen. Sie hatte keine Lust, Thor immer nachzulaufen wie ein treudoofer Hund. Sollte er seinen Stolz doch überwinden und zu ihr kommen.
Das würde er machen, wenn er sie liebte.
Und er liebte sie ja.
Sagte er.
Er würde schon kommen. Ganz bestimmt. Und wenn nicht.... dann wusste Kára wenigstens, dass er es einfach nicht wert war. Der Gedanken dieser harten Gewissheit schmerzte sie, und sie klammerte sich daher lieber an der Hoffnung fest, und an der Liebe.
In der Liebe und im Krieg war alles erlaubt, und ganz besonders hoffen.
Mal abgesehen davon waren sie und Thor doch füreinander bestimmt. War er nicht erst letzte Nacht so lieb und süß zu ihr gewesen? Sie gehörten zusammen, das fanden sie beide, und Thor würde sie sicher nicht getrennt lassen.
Dafür war er nicht der Typ.
Kára schloss die Augen, lehnte sich zurück und sah in den Himmel. Eigentlich fühlte sich alleine sein ganz schön an.

Autorennotiz

Huhu zu meiner Fanfiktion zu „Die Götter von Asgard“ von Liza Grimm.
Ähm. Liest das hier überhaupt irgendjemand? Normal mache ich keine Anmerkungen zu einer Geschichte, aber hier finde ich es irgendwie angebracht ^^
Ich denke man kann die Geschichte auch lesen ohne DGVA gelesen zu haben. Ich selber habe auch kaum Ahnung von der nordischen Mythologie, und obwohl die Geschichte in Asgard spielt, werde ich glaube ich nicht zu viele Wesen einbinden, die Fachwissen erfordern. Soll heißen, einmal googeln und dann müsste man sich zurechtfinden können :) Es ist im großen und ganzen eine klassische Romanze ;)

Die Geschichte erzählt etwas zu Káras und Thors Vorgeschichte und spielt demnach vor DGVA.

Inspiration für die Story ist das Album "The midsummer station" von Owl City.

Es wird genau 11 Kapitel geben, jeweils nach den Titeln des Albums benannt.
Viel Spaß

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Autor

LizTonkss Profilbild LizTonks

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Kapitel:4
Sätze:471
Wörter:4.600
Zeichen:24.949

Kurzbeschreibung

Zu "Die Götter von Asgard" von Liza Grimm./Kára und Thor hassen sich und lieben sich gleichzeitig, nur um sich dann zu verlieren.

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Mythologie und Romanze getaggt.

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