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War it's now or never

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1.12.2017 22:10
12 Ab 12 Jahren
Fertiggestellt

Sein rasselnder Atem erfüllte Tyelcormos ganzes Bewusstsein. Der Schmerz, der metallische Geschmack vom Blut, das seine Mundwinkel herab ran, das Klirren, Schreien und Weinen zwischen den Bäumen, all das verschwand zu dumpfem Dröhnen. Tiefe Atemzüge, ein ersticktes Gurgeln, als er sich an seinem eigenen Blut verschluckte. Ohrenbetäubend laut. Blut, Schweiß und Tränen trübten seine Sicht. Das war sein Ende. Erhobenen Hauptes war er mit seinen Brüdern in Doriath eingefallen, wie eine majestätische Inkarnation des Schreckens. Das war bei Morgengrauen gewesen. Nun, da die Sonne schon lang in nächtliche Gefilde abgedriftet war und Mond und Sterne kalt und höhnisch durch das Blätterdacht lachten wusste er nicht einmal, ob seine Brüder noch am Leben waren. Zuletzt hatte er Maitimo gesehen, dessen schockstarres Gesicht sich bald in rasenden Zorn verwandelt hatte. „Du hast was getan?", hallte seine Stimme schrill und entsetzt in seinem Kopf nach. Tyelcormo hatte stolz gelächelt, oder die Zähne gebleckt, ganz sicher konnte er es selbst nicht mehr sagen. „Sie sind fort. Naltamahtar und Hristilyon haben sie in den Wald gebracht. Für immer!", hatte er gesagt und dann war Maitimo davon gestürmt.

Später hatte er seine beiden Diener erschlagen gefunden. Ob von seinem Bruder oder von einem der verdammten Sindar konnte er nicht sagen. Und es war ihm egal. Einatmen. Ausatmen. Er würde jetzt sterben. Tyelcormo wusste nicht wie oft er heute wie stark verwundet worden war, er spürte keinen Schmerz mehr, doch das Blut überall sagte ihm, dass er viele Wunden hatte. Und es war ihm egal. Einatmen. Ausatmen. Wie hoch standen wohl die Chancen, dass seine Brüder noch lebten? Sie waren wohl schon tot oder lagen wie er, sterbend im Unterholz. Und es war ihm nicht egal. Einatmen. Irgendwer musst übrig bleiben und den Sieg davon tragen. Einer seiner Brüder musste gewinnen. Er war einverstanden damit hier zu sterben. Aber er war nicht einverstanden damit, hier als Verlierer zu sterben. Ausatmen. Er war nicht einverstanden damit, dass auch nur noch einer seiner Brüder starb.

„Turco!" Es war nur ein Flüstern, leise aber scharf und vor allem war es real. Tyelcormo öffnete die Augen und sah seinen Bruder. Gesund, am Leben, mit steinernem Gesicht, ein Ausdruck, bei dessen Anblick ein jedes Wesen mit Verstand die Flucht ergriffen hätte. „Curvo", krächzte Tyelcormo, „Willst du noch ein letztes ‚Lebe Wohl' hören?" Curufinwës starrer Blick verlor sich für den Bruchteil einer Sekunde. „Der verfluchte Schönling hat Moryo getötet", flüsterte er dann mit altbekannter Kälte. „Das soll sein Todesurteil sein."

„Ich hatte Dior fast", erklärte Tyelcormo wieder lächelnd, „Aber der kleine Feigling ist wie seine Mutter und lässt sich beschützen statt selbst zu kämpfen." Er schielte an sich herab. Klaffende Wunden waren in seinen athletischen Körper gerissen, sein einst glänzender Harnisch glich einer Ruine. „Du stirbst nicht, bevor Dior tot ist", versicherte Curufinwë, „Nicht bevor wir ihm den Silmarill aus seinen toten Händen nehmen können. Das ist Krieg. Jetzt oder nie. Wir stehen zusammen gegen sie." Tyelcormo nickte. Ein weißes Glühen huschte durch seine Augen, als wäre der Eid, der Fluch wieder aufgewacht.
 

War.
It's now or never,
We shall stand together,
One by one,
This world is Sacred.
I'm coming home.*

Und Curufinwë zog Tyelcormo wieder auf die Beine, ohne dass dieser das Gesicht verzog. „Das ist Wahnsinn." Tyelcormo hatte Makalaurë nicht gesehen, doch da stand er, an einen Baum gelehnt, ohne einen Kratzer und musterte seinen geschundenen Bruder. "Krieg ist nichts anderes als organisierter Wahnsinn. Das ist der Grund, warum verrückte und unerwartete Taktiken meistens funktionieren. Wenn sie es nicht tun, dann werden wir nicht leben, um darüber zu erzählen.*", fauchte Curufinwë und blickte zufrieden zu dem aufrecht stehenden Tyelcormo. Dieser sah aus wie ein wandelnder Erschlagener. Der Körper ein Wrack, die Haare wirr im Gesicht, der wilde Wahnsinn in den hellen Augen nur von seinem manischen Grinsen. Makalaurë wich einen Schritt zurück.

„Wo ist Dior?", knurrte Tyelcormo.

„Lass das unsere Sorge sein, Turco", wollte Makalaurë sagen. „Bleib liegen bevor du tatsächlich stirbst", wollte er rufen, doch er schwieg. Er wusste, dass Familie alles war, was ihnen geblieben war. Enge Familie. Sie Brüder. Und Tyelcormo würde jedes Lebewesen der Welt abschlachten, wenn dafür seine Brüder lebten. So blieb er einfach stehen und sah zu, wie Tyelcormo und Curufinwë im nächtlichen Wald verschwanden. Vielleicht sollte er sich auf die Suche nach Maitimo machen, dachte er dumpf, doch er rührte sich nicht von der Stelle.

Tyelcormo war wie von einem Rausch gefasst als er über tote Körper steigend zurück zwischen die kämpfenden Elben trat welche wie ein Wesen vor ihm zurückwichen. Sindar wie Noldor.

„Wo ist Dior?", hauchte er. „Wo ist Dior?", seine Stimme gellte durch den Wald.

Da trat ein junger Mann zwischen den Bäumen hervor. Seine seidig schwarzen Haare waren zu losen Zopf gebunden, doch einzelne Strähnen fielen in sein sagenhaft hübsches Gesicht. Schneeweiße Haut, tiefrote Lippen und große, melancholisch dreinblickende Augen. Ohne Zweifel, dies war der Sohn Tinúviels. Und dies hätte sein Sohn seien können! Hass wallte in Tyelcormo auf und in einer großen Geste zog er sein Schwert, deutete damit auf Dior und lächelte. Ein rascher Wink des jungen Königs und seine Soldaten zogen sich zurück, das war kein Schaukampf.

„Ihr schickt eure Lakaien hinfort, damit sie nicht sehen, wie ihr mich unehrenhaft zu zweit niederschlagt?", fragte Dior ruhig, nachdem Curufinwë seine Männer hinfort gescheucht hatte. „Du hattest deine Chance zu reden, Halbelb." Curufinwës Stimme war keine Emotion anzumerken, „Sprich nicht von Ehre, wenn du deine Lebwächter auf meinen Bruder hetzt, statt selbst zu kämpfen. Oder Moryo. Morifinwë. Caranthir, wie du ihn nennen würdest. Nennst du das einen ehrenhaften Kampf? Wir sind nicht hier um zu reden, oder über Moralen zu diskutieren. Wir sind hier um dich zu töten."

„Zwei invalide Wahnsinnige wollen mich töten, der von seinem Vater, Beren Erchamion, das Kämpfen gelernt hat?", spottete der junge Elb, doch als sein Blick auf Tyelcormo fiel, der stumm und starr vor ihm stand. Das Schwert noch immer gerade auf ihn gerichtet. Irres Funkeln in den Augen und ein genüssliches Lächeln auf den Lippen schwand sein Grinsen. Die beiden mochten tödlich verwundet sein, doch sie würden nicht ruhen, bevor er tot war. Unruhig blickte er von einem zum anderen. „Komm her, Junge." Tyelcormos Stimme schwebte über die kleine Lichtung. Dior zog sein Schwert. Tyelcormos Lächeln wurde noch breiter.

Keiner von ihnen ging lebend aus dem Kampf hervor.

_

*Sacred Worlds von Blind Guardian

*R.G. Risch, Beyond Mars: Crimson Fleet  

 

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Kurzbeschreibung

Curufinwës starrer Blick verlor sich für den Bruchteil einer Sekunde. „Der verfluchte Schönling hat Moryo getötet", flüsterte er dann mit altbekannter Kälte. „Das soll sein Todesurteil sein."

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Krieg, Prä Ringkrieg und Angst getaggt.