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Friedhof der Verdammten

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15.06.21 07:23
12 Ab 12 Jahren
Fertiggestellt

Es begann zu dämmern, die Nacht brach herein und ein leichter Nebel legte sich gespenstisch über den Wald. In dieser geisterhaften Umgebung würde sich jetzt wohl kaum noch jemand freiwillig aufhalten wollen und doch hörte man leise, aber dennoch schnelle Schritte.

Sie bewegten sich grazil, als würden sie wissen, wohin der Weg sie führte.

Ich bin nicht ängstlich.

Nein, nur auf der Suche nach der Perfektion und die werde ich finden.

Ein leises Lachen war zu hören, ebenso das Scharren eines Spatens, welchen jene Person hinter sich herzog.

Wer kam auf die glorreiche Idee mitten in der Nacht mit einem Spaten durch den Wald zu gehen?

Ein Mörder, der eine Leiche eingraben wollte?

Nein, ein Irrer, der sie ausgraben wollte.

Das traf es besser und daher nutzte er die Nacht und die Ruhe dieser. Anderenfalls wäre es nicht möglich und würde zu viele Fragen aufwerfen. Rasch bewegte sich die Person fort, fand endlich den Ort, den sie die letzten zwei Stunden gesucht hatte.

Hier irgendwo lag er.

Sasori der Puppenspieler, der selbst eine Marionette war.

Kalt, leblos und ohne jegliches Gefühl.

Und ungeduldig, was das Warten anging.

Ein Lächeln schlich sich über seine Lippen und er ließ den Blick über den sandigen Boden gleiten.

Er suchte die Stelle, an der zuletzt gegraben wurde und schritt langsam über den provisorischen Friedhof, der kein richtiger war.

Hier lagen nur jene, die Abtrünnige waren.

Mörder, Kinderschänder und einfach Menschen, die irre waren.

Sasori war einer von ihnen.

Er war Mörder und Irrer in einem gewesen.

Alleine wie er seine Opfer umgebracht, ausgehöhlt und zur Puppe gemacht hatte.

Erschreckend, wenn man ihn nicht kannte. Er kannte ihn ganz genau und wusste, dass seine Kunst, wie es Sasori immer genannt hatte, notwendig war.

Wieder glitt sein Blick über das weitläufige Gelände und endlich, endlich, fand er die Stelle, wo Sasori begraben war. Eigentlich könnte er eines seiner Jutsu anwenden, doch er fing stattdessen an zu graben.

Es dauerte lange, bis er Schicht für Schicht des lockeren Bodens abgetragen hatte und den Sarg freilegte.

Zufrieden warf er achtlos den Spaten zur Seite und hob den Deckel an. Er war noch immer perfekt erhalten, wie er feststellen musste und doch schlug ihm der Geruch von süßlich, verwesendem Fleisch entgegen.

Kurz rümpfte er die Nase und fragte sich, was da so stinken und verwesen konnte. Sasori war eine Marionette und kein Mensch. Er dürfte demnach nicht stinken. Erst als er sich langsam an den Geruch gewöhnt hatte, sah er erneut auf den rothaarigen Puppenkünstler.

Sasori sah aus, als würde er schlafen. Die Hände über der Brust gekreuzt, die Augen geschlossen. So wie er es immer getan, wenn er geschlafen hatte. Mit dem Unterschied, dass er jetzt keinen knurrenden Laut von sich gab.

„Ich werde dich aus deinem kalten Grab befreien und dir wieder Leben einhauchen." Lächelnd sprang er in das Grab, fasste unter den Rücken Sasoris und hob ihn an. Maden krochen unter diesem, wanden sich wie Schlangen und er presste die Hand vor den Mund.

Wie ekelhaft und dazu dieser Geruch! Fast hätte er sich übergeben müssen und auch, wenn er am liebsten schnell wieder von hier verschwunden wäre, wollte er wissen, was hier am Verwesen war. Er legte den leblosen Körper noch einmal hin, öffnete den Mantel und besah sich den Oberkörper.

Intakt, völlig unbeschadet und ebenso sein Kopf. Beine und Füße waren ebenfalls vorhanden. Erst als er die Hose abstreifte, wurden die Maden mehr, krochen herum und fraßen sich durch schwarzes Fleisch. Ein kurzer Blick genügte.

Es war ganz aufgedunsen, schwarz und an einigen Stellen kamen bereits Fliegen heraus gekrabbelt und grüne, eklige Käfer. Das war zu viel für ihn. Rasch sprang er aus dem Grab heraus und überließ seinen Mageninhalt dem sandigen Boden.

„Das hatte ich ganz vergessen", keuchte er leise, wischte sich den Mund ab und atmete erst einmal die frische Luft ein. Wie lange lag er nochmal da? Deidara überlegte, erinnerte sich zurück und wieder erfasste ihn sein Herz mit Trauer und Schmerz.

„Sasori ..." Weinerlich verließ der Name seines geliebten Dannas Deidaras Lippen er und sah zum Himmel rauf.

Weine nicht um mich, halt mich fest in deinem Herz.

Die Erinnerung an mich ist, was dir für immer bleibt.

Ich bin immer bei dir, wo du auch bist.

Auf allen deinen Wegen wirst du mich noch in dir spüren.

Meine Liebe hält dich fest.

Der Wind wirbelte den sandigen Boden auf und fast war ihm so, als hätte er Sasoris Stimme gehört, die leise zu ihm sprach.

Ein kalter Wind streifte durch sein Haar, hatte er damals schon gespürt, dass ihn die Dunkelheit in dieser Zeit verführte?

Hatte er sich damals schon in seinen dunklen Träumen verloren?

Mein Engel flieg mit mir, besiege die Angst, die deine Seele erfrieren lässt.

Geh deinen Weg noch bis zu Ende, schau nicht zurück auf das, was war.

Lass dich leiten von der Hoffnung ...

Wieder der Wind, denn es war niemand da, der zu ihm sprach.

Ich werde verrückt, ich höre schon Stimmen. Rasch schüttelte Deidara den Kopf, sprang erneut in das Grab und wickelte behutsam den Körper seines Dannas ein.

"Leg ihn wieder rein. Du kannst ihn nicht zurückholen, Deidara." Itachi und Kisame standen unweit neben Sasoris Grab und hatten ihn sehr genau in seinem Tun beobachtet. Ihnen war klar, dass Deidara mit dem Verlust seines Dannas nur schwer zurechtkommen würde, aber Grabschändung war dann doch etwas, was Itachi als letztes vermutet hätte.

Skeptisch sah er den blonden Jungen an, der mit sich haderte, auf Sasoris leblosen Körper starrte und schwach lächelte. "In seinem Grab ist es kalt. Er hat etwas Besseres verdient, hm.

"Deidara bitte. Keiner kann dir Sasori zurückgeben", versuchte Kisame es nun auch, rümpfte jedoch die Nase und trat wieder einen Schritt hinter den Uchiha.

"Ihr habt euch noch. Ihr wisst nicht, wie das ist niemanden mehr zu haben." Deidara bockte nicht nur, er schmollte und drückte den in Leinen gewickelten Sasori an sich.

"Du bist nicht alleine. Sasori wird immer in deinem Herzen sein. Er war zwar kaltherzig und Sadist, aber er mochte dich und er hätte nicht gewollt, dass du seine Totenruhe störst. Leg ihn wieder zu den anderen und komm mit uns."

Deidara sah Itachi mit aufgeblasenen Wangen an, ehe er Sasori beinahe zärtlich über den Kopf streichelte und diesen küsste. "Wir sehen uns wieder, Danna. Meine Zeit ist bald gekommen." Er lächelte schwach, während er Sasori zurück zu seinem Grab brachte, ihn in die kühle Erde ablegte und zur Schaufel griff.

Kisame und Itachi beachtete er nicht weiter, füllte die Grube wieder auf und übergab wortlos Kisame den Sparten. Ein paar Minuten wollte er noch mit seinem Danna haben, eine Tontaube auf dessen Grab platzieren und ihm ein letztes Mal seine Kunst demonstrieren.

Deidara lächelte trotz Tränen, während sein Kunstwerk erstarrte und die letzte Ruhestätte des Puppenspielers kunstvoll schmückte.

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Autor

Pragomas Profilbild Pragoma

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Kurzbeschreibung

Wenn der Verlust so weit geht, dass man zum Grabschänder wird und denkt, man könnte Tote zum Leben erwecken.

Kategorisierung

Diese Fanfiction wurde mit Trauer und Charaktertod getaggt.