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Eine unbestimmte Macht?

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31.10.20 15:22
12 Ab 12 Jahren
Homosexualität
Pausiert

Autorennotiz

[Erste Version eines BSD X YGO-Universe - Crossover? oder so?]

Oder auch BSD Gakuen!AU mit Anspielungen auf YGO (wer es kennt, wird das ein oder andere erkennen; erster Gedanke war eher ein YGO-Charaktere mit BSD-Charakteren 'überschrieben' und daraus was entwickelt)

- Das hier ist eher eine Outtake-Version! Wenn ich das nochmal schreibe, dann komplett neu überarbeitet! -

Das laute Zersplittern von Glas brachte ihn dazu, seine Augen aufzureißen, während er nicht wusste, ob er sich das Bild vor ihm gerade einbildete.
Er befand sich in seiner Wohnung, während sich eine Blutlache über dem Teppich im Wohnzimmer ausbreitete.
Willst du noch mehr? Soll ich dich dafür bestrafen, was du ihm antust?
„Wer bist du?“ Die Stimme seines Vaters drang an seine Ohren, auch, wenn er ihn nicht sah. Sein Blick wurde von einer schwarzen Gestalt, die absolut nicht menschlich aussah, verdeckt.
Wage es nicht noch einmal, Chuuya anzurühren. Ich schwöre, ich bringe dich um!
Wer war das? Was war das für eine Stimme, die in die Richtung seines Vaters sprach?
Er machte einen Schritt zurück, drehte seinen Kopf zur Seite, von links nach rechts, bevor er einen weiteren Schritt nach hinten machte. Diese Kreatur sorgte dafür, dass er hier wegwollte.
„Chuuya? Was willst du von ihm, du widerwärtiges Monster?! Wenn du meinen Sohn–“,
Chuuya zuckte zusammen, drehte sich ab und griff nach der Türklinke der Wohnungstür, grinste schief. Mit einem hastigen Griff hatte er seine Schuhe übergestreift und die Tür aufgezogen. Er musste hier weg. Von dieser Kreatur, von seinem Vater, einfach nur weg. Was auch immer das war.
Du wagst es, mich Monster zu nennen, wo du ihm genug antust?
Chuuya schluckte, schüttelte den Kopf und rannte, ohne noch auf etwas zu warten, los und aus der Wohnung auf die Straße unten.
Was war das nur? Was war dieses ... dieses Ungeheuer, was seinen Vater angegriffen hatte?
Nicht, dass er Mitleid mit seinem dämlichen Erzeuger hatte.
Er schüttelte den Kopf, holte sein Handy aus seiner Jackentasche und schrieb eine kurze Nachricht an seinen Kumpel.
Nebenbei ging er zu seinem Motorrad, zog seinen Helm an und setzte sich dann auf, um sogleich Gas zu geben. Er würde keine Sekunde länger warten, was in der Wohnung seines Erzeugers vor sich ging oder was diese komische Kreatur war.
Als er einen Schrei hinter sich hörte, stoppte er dennoch und hob seinen Kopf, blinzelte, als diese komische Kreatur direkt hinter ihm war und ihn aus dunkelroten Augen ansah. Ansonsten konnte Chuuya kein Gesicht bei dieser Kreatur erkennen. „Wa– was bist du, verfuckt nochmal?!“
Nicht so unfreundlich, Chuuya, immerhin habe ich dich von ihm befreit.“ Die Stimme war erheiternd, auch, wenn Chuuya keine Ahnung hatte, wie es überhaupt zu ihm sprach.
Es sorgte dafür, dass es ihn schauderte, als er diese Kreatur gehört hatte. Die Stimme klang, als wenn sie eher in seinem Kopf widerhallte. Hatte dieses Monster seinen Vater etwa getötet oder was hatte es gemacht? Nicht, dass es ihn kümmerte. Chuuya wäre froh, wenn er ihn los war. Zumindest war es das, was er sich einredete.
Er schüttelte den Kopf und fuhr dann wieder los, ignorierte diese Kreatur hinter ihm, die ihm scheinbar folgte. Dieser Nachmittag war schon seltsam genug und er wollte da nicht länger drüber nachdenken, er wollte nur nicht länger in dieser Wohnung sein, auch wenn dieses Ding hinter ihm irgendwas mit seinem Vater gemacht hatte.
In der Nähe des Hafens stoppte er und griff wieder nach seinem Handy, sah auf die bekommene Nachricht und seufzte tief. Er stellte sein Motorrad ab und lehnte sich dagegen, setzte seinen Helm neben sich ab und sah einfach über das Hafengelände. Was sollte er eigentlich jetzt machen? Er konnte unter keinen Umständen zurück. Niemals würde er auch nur einen Fuß zurück in die Wohnung seines dämlichen Erzeugers setzen.
Der Typ ist tot, du brauchst dir keine Gedanken mehr um ihn zu machen, mein lieber Chuuya.
Er verdrehte die Augen. Musste ihn jetzt auch noch irgendeine komische Kreatur verfolgen, die für ein Blutbad in seinem alten Zuhause gesorgt hatte und scheinbar seinen Vater getötet hatte? Nicht, dass dieser Umstand etwas änderte. Er würde auch so nicht mehr in diese Wohnung zurückkehren.
Er könnte sehen, dass er Kouyou-ane-san erreichte, aber er hatte das letzte Mal von ihr gehört, als sie quer durch Europa gereist war. Wenn er sich richtig erinnerte, kam ihre letzte Postkarte aus Frankreich? Sie fiel also aus, wenn es darum ging.
„Nii-san, kriege ich Zuckerwatte?“
Chuuya hob seinen Kopf, als er die viel zu niedliche Stimme in seiner Nähe hörte. Woher kam ihm diese Stimme noch einmal so bekannt vor?
„Also wirklich, Q, du solltest nicht so viel Zucker in dich stopfen.“
Chuuya verdrehte die Augen, als er die andere Stimme hörte, sorgte dafür, dass er seinen Blick in eine andere Richtung lenkte und versuchte, zu ignorieren, dass er ausgerechnet seinen nervigen Rivalen hier treffen musste. Davon ab, Dazai war gerade die letzte Person, die er sehen wollte, nach dem, was passiert war.
Ich könnte ihn auch aus dem Weg–“,
„Sei fucking still“, grummelte Chuuya leise zischend zu dieser Kreatur, die ihn scheinbar einfach nicht in Ruhe lassen wollte.
„Mjam, das ist so lecker!“, drang Kyuusakus Stimme an seine Ohren, während er kurz darauf einen Haarschopf erkannte, der halb weiß, halb schwarz war. Während die Haare des Jungen etwa schulterlang waren. Er zupfte mit einer Hand an seiner Zuckerwatte, während er seine Aufmerksamkeit zu dem Älteren neben sich gerichtet hatte.
Chuuya war gerade so froh, dass sie zwar einigermaßen an ihm vorbeikamen, aber Dazai seine Aufmerksamkeit gerade voll auf Kyuusaku gerichtet hatte. Er hatte gerade so keine Lust, ausgerechnet ihn zu treffen. Er drehte seinen Kopf absichtlich in eine andere Richtung, um nicht zu ihnen zu sehen.
„Nii-san ...“, hörte er Kyuusakus etwas leisere Stimme, allerdings wagte es Chuuya nicht, sich zu ihnen zu drehen.
Am liebsten würde er einfach auf sein Motorrad steigen und losfahren, aber das würde aussehen, als wenn er vor dem anderen davonlief und das würde er sich nie verzeihen.
„Hmm ...? Was ist, Q?“, erwiderte Dazai mit einem leicht fragenden Ton, „huh, was machst du denn hier, Chibi? Ich hätte dich fast nicht gesehen. Ehrlich versuchst du dich im Verschwinden?“
Chuuya verdrehte die Augen und sah nun doch wieder zu ihm, grummelte genervt. „Lass mich einfach in Ruhe!“ Er hatte so absolut keine Lust auf ausgerechnet Dazai. Davon ab, dass er immer noch spürte, wie diese Stimme in seinem Kopf widerhallte und diese Kreatur über ihm verweilte und nur darauf wartete, jemanden anzugreifen. So sehr er Dazai hasste, er wollte bestimmt nicht, dass es wieder irgendwas tat.
„Du siehst aus wie ein verlorener Streuner“, kicherte Dazai vor ihm, „ein ziemlich laut kläffender Streuner für so ein kleines Hündchen.“
„Verzieh dich einfach, Dazai!“, erwiderte er. Er wusste, wieso er gerade absolut keine Lust hatte, ausgerechnet ihn zu treffen. Er spürte erneut, wie diese Kreatur hinter ihm grollte. Was genau war das eigentlich und wieso verfolgte es ihn die ganze Zeit? Als wenn Chuuya nicht genug Probleme in seinem Leben hatte, obwohl er gerade einmal siebzehn war.
„Warte hier, Q“, sagte Dazai mit einer ruhigeren Stimme, bevor er seinen Blick wieder auf Chuuya richtete, „... kann es sein, dass du nur kläffst, weil du meine Aufmerksamkeit willst, Chibi? Du musst nur etwas sagen.“
Er grummelte und verdrehte die Augen. „Wie kommst du auf die Idee?“ Er zuckte zusammen, als er spürte, wie Dazai ihm eine Hand auf den Kopf legte und ihm dadurch direkt in die Augen sehen konnte. „Was–“, bevor Chuuya weitersprechen konnte, spürte er, wie diese Kreatur hinter ihm, so wie diese Stimme in seinem Kopf, sich auflöste und er blinzelte einfach nur noch zu Dazai auf, der wieder einen Schritt zurückgemacht hatte und seine Hand schüttelte.
„Ahh, was man nicht alles tut, um sein Hündchen zu retten“, sagte er und verzog angewidert das Gesicht, „komm, gehen wir, Kyuu.“
Irritiert blinzelte Chuuya ihm hinterher, während er nicht wusste, ob er jetzt wütend sein sollte oder einfach nur verwirrt. Was er allerdings gemerkt hatte, war, dass seit dem Moment, in dem Dazai ihn berührt hatte, diese Stimme und dieser Schatten dieser Kreatur um ihn herum verschwunden war. Hatte er diese Kreatur hinter ihm gesehen? Er strich sich mit einer Hand durch seine Haare und grummelte, griff nach seinem Helm, um ihn wieder aufzusetzen und sich dann auf sein Motorrad zu setzen und wieder weiterzufahren.
Er sollte nicht viel mehr in Dazais Aktion hinein interpretieren. Seine Aussage war doch das beste Beispiel.
Er genoss die Fahrt durch die Straßen, während er überlegte, wo er hinwollte. Zumindest für die nächste Nacht wollte er nicht in seine eigene Wohnung zurück und noch einmal sehen, was genau passiert war. Momentan war er nur froh, dass er zumindest, seit Dazais Berührung, von dieser Stimme in seinem Kopf verschont wurde, die ihm einredete, ihm helfen und ihn beschützen zu wollen. Gleichzeitig aber nicht davor zurückschreckte, jeden, der sich gegen ihn stellte, töten zu wollen.

In der Nähe eines alten, baufälligen Gebäudes stoppte Chuuya und blinzelte überrascht, als er seinen Kumpel gegen die Wand lehnen sah. „Was machst du hier, Tachihara?“
Tachihara zuckte mit den Schultern und grinste ihn einfach an: „Dachte, du brauchst jemanden zum Reden.“
Einen Moment sah er ihn einfach nur an, seufzte und zog dann seinen Helm aus, stellte sein Motorrad an der Seite ab und ließ sich neben dem anderen auf einigen Holzkisten an der Seite nieder. „Ich dachte, du warst beschäftigt ...“
Tachihara seufzte und stützte sich nach hinten. „Hatte ein komisches Gefühl und hab gesehen, dass ich etwas schneller wegkomme, um dich zu finden. Hab irgendwie geahnt, du kommst hier vorbei.“
Chuuya grinste ihn etwas schief an. Diese Gegend, dieses Gebäude, war früher, als sie in der Mittelschule waren, das Versteck ihrer Gang, in der sie damals waren. Seit sie auf die Oberschule gekommen waren, hatte sich die Gang aufgelöst und Tachihara und er nutzten es als ihren geheimen Treffpunkt, wenn es jemandem von ihnen nicht gutging oder etwas vorgefallen war.
Er hatte eigentlich nicht einmal darüber nachgedacht, aber vermutlich hatte er automatisch den Weg hierhin eingeschlagen. „Ich weiß nicht, ob ich noch einmal zurück nach Hause kann“, sagte Chuuya langsam und legte seinen Kopf in den Nacken.
„Dein Vater?“, murmelte Tachihara, während er ihn von der Seite her ansah, „was willst du denn tun?“
„Ungefähr? Ich weiß nicht, was es war, aber irgendwas hat ihn angegriffen und ich habe keine Ahnung, ob er überhaupt noch lebt“, erwiderte Chuuya und sah nun zu ihm, „es ist so unglaubwürdig, wenn ich es nicht gesehen hätte. Dieser Schatten, der ihn niedergerungen hat und zu mir gesprochen hat. Diese Stimme, die so drauf war, dass sie einfach nur töten wollte, jeden, der mir etwas antun wollte.“
„Das klingt in der Tat unglaubwürdig“, sagte Tachihara und hatte seinen Blick auf ihn gerichtet, lächelte dann aber, „allerdings weißt du, dass ich nicht daran zweifle, was du mir erzählst.“
„Was dagegen, wenn ich nächste Nacht bei dir schlafe?“, fragte Chuuya nach und sah ihm ruhig entgegen, „ich denke, ich könnte zurück. Es meinte, dass es ihn getötet hat. Aber ... ich weiß nicht, ob ich dieses Bild ertragen könnte.“
„Warum sollte ich?“, entgegnete Tachihara und grinste ihn weiterhin an, legte ihm einen Arm über die Schultern, „du weißt, dass du immer bei mir übernachten kannst. Und wenn du ... nicht zurückwillst, sicher auch ein paar Tage länger.“
Chuuya nickte still. Er wusste, dass Tachihara ihn nicht im Stich lassen würde und das er nichts dagegen hatte. „Wir werden sehen ... erst einmal nur bis Morgen“, sagte er dann, „außerdem werde ich morgen dorthin zurückmüssen.“
„Das kriegen wir schon hin und zur Not komme ich mit dir“, sagte Tachihara grinsend.

–*–

Es war spät am Abend und Chuuya lag wach auf dem Gästefuton in Tachiharas Zimmer, während er sein Handy anstarrte. Er wusste, dass es so nicht weitergehen konnte und er würde bestimmt nicht länger hierbleiben, so sehr sein Kumpel ihm auch sagte, dass er es konnte.
Genauso wie Tachiharas Familie ihn immer herzlich aufgenommen hatten, aber es störte ihn irgendwie einfach.
Er tippte eine Nachricht auf seinem Handy an Kouyou-ane-san ein und seufzte danach. Vielleicht würde sie wissen, was er tun konnte. Wobei, wenn sie wusste, dass ihr Vater vermutlich tot war, würde sie bestimmt sehen, dass sie zurückkam. Sie hatte sich schon immer um ihn gesorgt, seit sich ihre Eltern getrennt und ihre Mutter einen neuen Freund gefunden hatte, der ihn nicht ausstehen konnte.
Kouyou-ane-san war seitdem die Einzige, die sich noch um Chuuya sorgte, auch wenn sie quer durch die Welt reiste. Aber Chuuya hatte auch nie vorgehabt, sie aufzuhalten oder hatte sie daran hindern wollen. Sie sollte ihren Spaß haben. Manchmal fragte er sich selbst, wie es wäre, Yokohama zu entfliehen und ein bisschen mehr zu entdecken. Oder einfach diese Stadt hinter sich zu lassen, wo er nichts als Leid erlebte.
Sein Handy meldete sich mit einem leisen Ton und er blickte auf die bekommene Nachricht. „Willst du reden, Chuuya?“, war das Einzige, was Kouyou-ane-san ihm geschrieben hatte und er lächelte schwach. Vermutlich wusste sie, dass er gerade jemanden gebrauchen konnte, aber dennoch nicht einfach wollte, dass sie zurückkam.
Kann ich dich anrufen?“, schrieb er kurz darauf zurück, in der Hoffnung, dass sie gerade konnte und nicht irgendwo unterwegs war. Mit einer kurze Bewegung rutschte er ins Sitzen, sah zur Seite zu Tachihara, der quer auf seinem Bett lag und ein paar undefinierbare Geräusche von sich gab.
Als das leise Klingeln seines Handys anging, stand Chuuya auf und bewegte sich leise aus dem Zimmer seines Freundes, bevor er das Gespräch annahm. „Hey Kouyou-ane-san“, sagte er schließlich, als er im Flur gegen die Wand lehnte.
Hey, was ist los, Chu-Chu? Bei euch müsste es ziemlich spät sein“, hörte er Kouyou-ane-san und aus ihrer Stimme konnte man die Besorgnis heraushören.
„Hm ... kann nicht schlafen“, murmelte er und ließ sich einfach auf den Boden sinken, „das mit Vater geht mir nicht aus dem Kopf und ... ich– diese Kreatur– es macht mir irgendwie ... Angst?“ Wobei er nicht wusste, ob Angst das richtige Wort für das war, was er spürte, wenn er diese Stimme in seinem Kopf hörte.
Du hast geschrieben, dass er tot ist ...“, murmelte Kouyou-ane-san leise zurück, „ich nehme nicht an, dass du willst, dass ich zu dir komme?
Chuuya lächelte bitter vor sich hin. „Ich komme schon klar.“
Wo bist du, Chu-Chu?“, fragte Kouyou-ane-san nach.
„Bei Tachihara-kun“, antwortete er still zurück, „er hat nichts dagegen, wenn ich eine Weile hier bin, aber dieses ... Ding macht mir Sorge. Was, wenn es wieder auftaucht? Ich– ich weiß nicht einmal, wieso es plötzlich weg war, als ...“, er stoppte und dachte an den Moment, wo diese Kreatur plötzlich weg war und wo er diese Stimme nicht mehr in seinem Kopf gehört hatte. Es war, als Dazai ihn berührt hatte, auch, wenn er keine Ahnung hatte, warum.
Willst du nicht mit Mama reden? Wenn sie hört, dass du ... alleine wohnst ...
Chuuya schnaubte und unterbrach Kouyou-ane-san dadurch. „Mama interessiert sich einen Dreck für mich. Und ihr Freund hasst mich. Sie will ja nicht einmal, dass ich mit Kyouka-chan unterwegs bin.“
Chuuya“, entgegnete Kouyou-ane-san ein wenig vorwurfsvoll, allerdings seufzte sie kurz darauf, „sorry, ich weiß, dass sie nichts mehr mit dir zu tun haben will. Ich hätte es nicht ansprechen sollen.
„Nakahara-kun?“
Überrascht drehte Chuuya seinen Kopf zur Seite und blinzelte, als er Tachihara in der halb geöffneten Tür sah, wie er zu ihm runter blickte. „Tachihara ...“, murmelte er, kurz das Handy ein wenig zur Seite haltend, „ich dachte, du schläfst.“
„Bin wachgeworden und hab gesehen, dass du nicht schläfst“, murmelte Tachihara ruhig.
Ist das Tachihara-kun? Chu-Chu, ich bin sicher, es wird alles werden und wenn wirklich etwas ist, meldest du dich, ja? Du weißt, dass ich sofort nach Yokohama zurückkommen kann, wenn du mich brauchst!
Chuuya blinzelte und hielt sich das Handy wieder ans Ohr, nickte etwas vor sich hin, bevor er ein „ja, ich weiß. Danke Kouyou-ane-san“, entgegnete.
Gut und jetzt ab ins Bett mit dir! Ich weiß, dass es in Japan viel zu spät ist und du morgen Schule hast, Chu-Chu“, sagte sie und Chuuya musste ein wenig schmunzeln.
„Ja, ja, gute Nacht, Kouyou-ane-san“, erwiderte er ein wenig kichernd, bevor er das Gespräch beendete und sich wieder aufrichtete, ein wenig verwundert zu Tachihara blickte, der die ganze Zeit in dem Türrahmen gestanden hatte, „Tachihara-kun?“
„Ist ... wirklich alles in Ordnung, Nakahara-kun?“, fragte er nach und kratzte sich etwas am Hinterkopf, „ich meine, wir sind Freunde, oder? Du kannst mir alles erzählen, was dich bedrückt!“
Chuuya legte den Kopf schief, seufzte und nickte dann, lächelte ihn an. „Vielleicht mache ich mir ein wenig zu viele Gedanken darüber, was jetzt ist, obwohl ... obwohl ich weiß, dass ich hierbleiben kann.“
„Natürlich kannst du hierbleiben! Ich meine– ich kann dich nicht alleine lassen, nachdem ... und meine Eltern sehen das genauso“, sagte er und grinste etwas schief, wobei Chuuya bemerkte, dass er ein wenig verlegener seinen Blick abwandte.
„Komm, wir sollten wieder schlafen“, sagte er dann und schob Tachihara zurück ins Zimmer, schloss die Tür hinter ihnen, „danke Tachihara-kun.“

Die leise Stimme seines Freundes sorgte dafür, dass er am nächsten Morgen seine Augen öffnete und ein wenig irritiert durch das Zimmer blickte.
Es dauerte ein paar Sekunden, bis Chuuya realisierte, dass er sich bei Tachihara befand. „Morgen Tachihara-kun ...“, murmelte er, während er sich aufsetzte, blinzelte, als er bemerkte, dass sein Freund noch schlief, seine Arme und Beine quer zur Seite gestreckt, während er seinen Mund halb geöffnet hatte. „Du schläfst noch?“, flüsterte er und rutschte zu ihm, beobachtete ihn einen Moment und konnte einfach nicht anders, als ein wenig zu schmunzeln.
„... Chuuya-kun ...“
Er zuckte zurück, bevor er dem anderen näher rutschte, sah ihn irritiert an. Tachihara nannte ihn normalerweise nicht beim Vornamen, auch, wenn er seinen Freunden gesagt hatte, dass er nichts dagegen hatte. „Tachihara?“, fragte er leise nach, „bist du wach?“
„... bleib bei mir ... Chuuya ...“, murmelte sein Freund weiterhin im Schlaf, bevor er sich umdrehte und die Decke umklammerte.
„Du solltest langsam aufstehen, Tachihara-kun“, erwiderte Chuuya, ohne darauf einzugehen, was der andere sagte. Er wusste, dass sein Freund nur irgendwas träumte und vermutlich darüber nachdachte, was er ihm erzählt hatte.
Er bemerkte, wie sich die Augen seines Freundes öffneten und er ein wenig blinzelte, bevor er gähnte. „Chu– Nakahara-kun, Morgen ...“
Chuuya seufzte, schenkte ihm dann aber ein sanftes Lächeln. „Wir müssen gleich los, keine Zeit für dich, von mir zu träumen, okay? Und ich werde schon nicht einfach gehen.“
Er bemerkte, wie Tachiharas Wangen ein heftigeres Rot annahmen, bevor er seinen Kopf von Chuuya wegdrehte. „Ich hab nicht– wie kommst du– habe ich ...?“
„Du hast mich ‚Chuuya‘ im Schlaf genannt“, erwiderte er, während er sich aufrichtete und von ihm wegdrehte, „was auch immer du geträumt hast, wir sollten da nicht jetzt drüber reden. Ich geh schonmal duschen.“ Nachdem er keinerlei Erwiderung seines Freundes hörte, ging er aus dem Zimmer und bewegte sich ins Bad, um sich dort fertigzumachen.

–*–

Ein entnervtes Stöhnen entwich ihm, während er sich zurück auf sein Bett fallen ließ und das Kissen gegen sein Gesicht drückte.
Eigentlich hatte Michizou nicht gedacht, dass es ihm etwas ausmachte, wenn Chu–Nakahara-kun bei ihm übernachtete, aber das war scheinbar gerade eine Nummer schwieriger geworden, wenn er anfing, von dem anderen im Schlaf zu reden. Dass er in seinen Kumpel verknallt war, hatte er längst als gegeben angenommen. Es war einer der Gründe, wieso er nicht wagte, ihn anders zu nennen, weil es ihm zu persönlich war, auch wenn er wusste, wie sein Freund dazu stand.
Er zog das Kissen von seinem Kopf runter und starrte an die Zimmerdecke. Was sollte er denn jetzt machen? Er wollte nicht, dass sein Kumpel zurück in diese Wohnung musste, jetzt, wo es ihm sowieso nicht gutging. Aber er wusste auch, dass es ihm schadete, wenn er länger mit Nakahara zusammen in einem Zimmer schlief, obwohl er heftig in ihn verknallt war.
„Tachihara-kun?“
Er zuckte zusammen und setzte sich auf, hielt das Kissen gegen seinen Bauch gedrückt und blinzelte, als er seinen Freund in seinem Zimmer stehen sah, während er nur ein Handtuch um die Hüften geschlungen hatte.
Mit einem schnellen Reflex drückte er sich das Kissen wieder gegen das Gesicht, um den anderen nicht ansehen zu müssen.
„Was, fühlst du dich so unwohl, mich anzusehen?“
Er schüttelte heftig den Kopf, wagte aber dennoch keinen weiteren Blick. Er war sich ziemlich sicher, dass seine Verliebtheit für die halbe Schule offensichtlich war. Zumindest für die, die mit ihnen zu tun hatten. Er fragte sich, ob Nakahara es einfach nicht sehen wollte oder wirklich nicht bemerkte, was er für eine Wirkung auf ihn hatte.
„Kannst du dich fertigmachen, Tachihara-kun? Ich muss nochmal Zuhause vorbei und würde das gerne nicht alleine machen ...“, hörte er die Stimme seines Freundes, worauf er ein wenig nickte und sich langsam daran machte, sein Kissen zur Seite zu legen, um aufzustehen. Er sollte sich sowieso fertig machen, nicht?
Michizou schluckte, bewegte sich an seinem Freund vorbei und versuchte jeden Blick zu ihm abzuwenden, so dass er sich einfach ins Bad bewegte, sich kurz duschte und fertig wusch. Nachdem er zurück in seinem Zimmer war, atmete er etwas durch, als er bemerkte, dass Nakahara nicht mehr dort war, so dass er sich schnell seine Schuluniform anziehen und dann in die Küche gehen konnte.
„Hier, ich hab deiner Mutter erzählt, dass wir noch zu mir müssen“, sagte Nakahara und hielt ihm eine Lunchbox entgegen, „... ist was, Tachihara-kun?“
„Was ...?“, blinzelte Michizou ihm entgegen, bevor er grinste und den Kopf schüttelte, seine Lunchbox in seiner Tasche verschwinden ließ und schließlich nickte, „ja, lass uns gehen.“

Er spürte geradezu, wie sein Freund angespannter wurde, als sie die Wohnung des anderen betraten.
„... Es fühlt sich immer noch so komisch an“, murmelte Nakahara und drehte sich in die Richtung seines Zimmers, „warte ruhig hier, Tachihara-kun.“
Michizou schluckte, nickte und schloss die Tür hinter sich, lehnte sich gegen die Wand, während er nicht wagte, sich zu bewegen. Was auch immer am gestrigen Tag passiert war, er war irgendwie nicht wirklich scharf drauf, mehr zu erfahren. Er warf einen Blick auf sein Handy und überblickte die Uhrzeit. Zum Glück waren sie mit Nakahara-kuns Motorrad relativ schnell unterwegs und würden noch pünktlich sein.
Die Umgebung sorgte dafür, dass er sich ebenfalls ein wenig unbehaglich fühlte. Er konnte verstehen, wieso sein Freund so ungern Zuhause war. Schon früher, was auch ein Grund war, wieso sie zur Mittelschulzeit so häufig mit ihrer Gang abgehangen hatten. Oder eigentlich war Michizou nur dort, weil er Nakahara-kun nicht alleine lassen wollte und weil er schon damals irgendwie das Gefühl hatte, dass er etwas für ihn empfand.
„Tachihara?“
Er blinzelte und blickte zu seinem Kumpel, der ihn mit schiefgelegtem Kopf ansah, während er seine Schultasche über die Schulter geworfen hatte und nun ebenfalls seine Schuluniform trug. „Uh, sorry, können wir?“
Nakaharas Blick glitt an ihm vorbei und durch den Flur und den Weg entlang, der ins Wohnzimmer führte. Er machte einen Schritt in die Richtung, drehte sich dann aber ab und schüttelte nur den Kopf. „Gehen wir.“
Michizou war sich nicht sicher, ob er erleichtert sein sollte, dass er nicht mehr von der Wohnung sah oder sah, was passiert war oder ob Nakaharas Vater wirklich tot war. Aber vermutlich war sich sein Freund selbst nicht ganz sicher, ob er es sehen wollte oder lieber nicht.
Sie sprachen nicht darüber, sondern fuhren einfach wieder los, ohne das einer von ihnen noch einen Blick zurückwarf. Erst als sie bei ihrer Schule stoppten und sich auf den Weg ins Innere machten, warf Nakahara ihm einen kurzen Blick zu und seufzte schließlich. „Es ist komisch, weißt du? Dass er ... tot sein soll. Es fühlt sich an, als wenn etwas, was mir jahrelang Schmerzen zugeführt hat, plötzlich nicht mehr da ist und dennoch ... er war mein Vater?“
„Du brauchst ihn nicht, Nakahara-kun“, erwiderte Michizou leise und schluckte, während er neben ihn trat, ihn von der Seite her ansah, „ich meine ... er hat dich eh nicht gut behandelt und ... du verdienst was Besseres.“
„Was meinst du damit?“, fragte Nakahara nach und blieb hinter dem Eingang stehen, drehte sich zu ihm, so dass Michizou ebenfalls stoppte und seinen Freund anblickte.
„Das ...“, murmelte er, stoppte und dachte darüber nach, was er gerade sagen wollte. Er wollte, dass sein Freund glücklich war. Er wollte, dass er sich geliebt fühlte. Er wollte, dass Nakahara seine Gefühle erwiderte? War es das, was ihm in dem Moment durch den Kopf ging? „Ich will, dass du weißt, dass es Menschen gibt, die dich gern haben und nicht wollen, dass du leidest. Ich ...“,
„Was ... Tachihara-kun?“, fing sein Freund ein wenig fragender an, während Michizou ihm einfach nur entgegensah, „was wird das hier?“
„... Ich liebe dich ... Chuuya-kun“, sagte er schließlich mit einem entschlossenen Ton, „und ich will, dass du weißt, dass du da nicht alleine durchmusst, solang ich–“, bevor er weitersprechen konnte, spürte er, wie sein Freund ihn zu sich zog und seine Lippen mit einem eindringlichen Kuss versiegelte. Es fühlte sich zu überraschend und gut an, so dass Michizou nicht einmal wirklich wusste, wie er reagieren sollte. Er hätte ja nicht einmal gedacht, dass sein Freund seine Gefühle überhaupt in irgendeiner Weise erwiderte.
„Du willst mein Freund sein?“, fragte Nakahara– Chuuya-kun– ihn und schenkte ihm ein ruhiges Lächeln, „obwohl ich ... obwohl dieses ... Ding ... irgendwo in mir ist und meinen Vater getötet hat?“
Michizou schluckte. Chuuya-kun hatte ihm davon erzählt, was er gesehen und gehört hatte. Dass er von einer merkwürdigen Kreatur verfolgt worden war und eine Stimme in seinem Kopf gehört hatte. Aber er hatte so ein Gefühl, dass es nichts war, was ihn aufhielt, Chuuya-kun zu lieben. „Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dein Freund zu sein.“
„Auch wenn ich ... nicht weiß, ob ich deine Gefühle wirklich erwidere oder das hier ... nur ein Gefühl ist, mich von allem abzulenken?“, erwiderte Chuuya-kun und sah etwas betrübter zur Seite.
Michizou schluckte, nickte allerdings schließlich. Es war nicht so, als hätte er nicht längst das Gefühl gehabt, als wenn zwischen ihnen sogar nur Freundschaft wäre. Immerhin sah er auch dieses Feuer in Chuuya-kuns Blick, wenn er Dazai ansah, obwohl er beteuerte, dass er den anderen hasste. „Solang ich eine Chance habe, dich als meinen Freund zu sehen ... kann ich vielleicht auch eine Chance haben, dass du mich vielleicht doch irgendwann richtig liebst?“
„Es wird nicht unsere Freundschaft zerstören, wenn es nicht so ist, oder, Michizou?“, fragte Chuuya-kun nach und sah ihn mit einem ruhigen Lächeln an. Und es fühlte sich so gut an, den anderen seinen Vornamen sagen zu hören.
„Alles, was darüber hinaus kommen kann, sehe ich als Zusatz und sonst ... bin ich bereit, dass wir wieder nur Freunde sind“, sagte Michizou ruhig lächelnd zurück, „und jetzt sollten wir wirklich los, sonst kriegen wir nur Ärger.“
„Als wenn das noch irgendwas ändert“, sagte Chuuya-kun und zuckte mit den Schultern, grinste dann aber und umschloss ohne zu Zögern seine Hand, bevor sie sich gemeinsam durch den Schulflur begaben. Und nein, Michizou wurde nicht rot, nur weil Chuuya-kun seine Hand festhielt und so offensichtlich zeigte, dass sie zusammen waren.

Es war Mittagspause und er saß auf einer Bank auf dem Schulhof, während er seine Lunchbox vor sich geöffnet hatte.
„Was hast du, Tiger?“, fragte Atsushi ruhig nach, während die Gestalt eines Tigers vor ihm stand und mehrfach grummelte. Er wusste, dass niemand außer ihm den Tiger sehen konnte, aber es störte ihn nicht, dass es für andere vielleicht aussah, als würde er mit sich selbst reden. Es war eh nicht so, dass er besonders von seinen Mitschülern beachtet wurde.
Das Grummeln wurde eine Spur lauter und der Tiger setzte eine Pfote auf Atsushis Knie ab, sah ihn aus großen, blaugrauen Augen an.
„Du machst dir Gedanken um Nakahara-senpai?“, fragte Atsushi nach, während er ein Stück von seinem Lunch aß, „... was ist es, was du meinst? Ich ... ich kann ihn nicht darauf ansprechen ...“ Er blickte ein wenig betrübter auf seine Lunchbox, stocherte etwas darin herum und seufzte. Nicht nur, dass jeder in der Schule ihn für seltsam hielt, weil er von einem Tiger verfolgt wurde, den nur er sehen konnte. Seine weißen Haare sorgten ebenfalls dafür, dass er als komisch abgestempelt und gemieden wurde.
Atsushi störte sich wirklich nicht dran. Seit der Grundschule war er es gewohnt, dass er alleine war und er brauchte niemanden. Es war angenehmer, wenn er alleine war, so konnte er mit dem Tiger bei ihm reden. So konnte er sich einfach irgendwo zum Lesen niederlassen, ohne das ihn jemand störte.
Atsushi ...“, kam es leise grummelnd von dem Tiger, so dass er wieder zu ihm blickte. Er wusste nicht, wieso er verstand, was diese Kreatur sagte, aber seit er bei ihm war, konnte er ihn einfach verstehen.
Wann war er nochmal bei ihm aufgetaucht? Es müsste jetzt gute drei Jahre und ein paar Monate her sein, als er auf die Mittelschule damals gekommen war. In der Anfangszeit dort hatte es angefangen und es hatte sich angefühlt, als wenn er plötzlich jemanden hatte, der bei ihm war und mit dem er reden konnte, auch wenn das für andere eher noch seltsamer wirkte.
„Ich ... kann nicht, Tiger“, flüsterte er vor sich hin und sah wieder mehr auf seine Lunchbox, um langsam weiterzuessen.
Ich spüre etwas bei ihm. Atsushi, du musst mal mit ihm reden“, entgegnete der Tiger ihm erneut mit einem lauteren Grummeln, während er weiterhin zu ihm aufsah.
Ein wenig überraschter hob Atsushi seinen Kopf und sah wieder in die blau-grauen Augen des Tigers, der ihm entgegenblickte und ein leises Schnurren von sich gab. „Du meinst ... er hat ...“, er schüttelte den Kopf und lächelte den Tiger schief an, „ich kann nicht ... Nakahara-senpai würde ... mich nie ... beachten oder mit mir reden.“
Atsushi“, grummelte der Tiger erneut und setzte sich nun vor ihm auf den Boden, blickte ihm einfach nur entgegen.
Atsushi wusste, dass diese Kreatur bei ihm meistens recht hatte. Aber bis jetzt war es nie so weit, dass er mit jemandem aus der Schule deswegen reden musste. Schon gar nicht mit jemandem seiner Senpai, noch dazu hatte er viel zu viel Respekt und eventuell auch Angst vor Nakahara-senpai, nach allem, was er von dem anderen gehört hatte.
Dennoch seufzte er und steckte seine Lunchbox wieder ein, richtete sich auf und ging langsam über den Schulhof.
Eigentlich wusste er immer noch nicht, wie er den anderen überhaupt ansprechen sollte, weil er genau wusste, dass er ihn vermutlich nicht einmal wahrnahm.
„Was ist denn heute mit dir los, Jinko?“
Überrascht drehte er seinen Kopf zur Seite, blinzelte, als er bemerkte, wie der Tiger neben ihm knurrte, bevor er seine Aufmerksamkeit auf Akutagawa richtete. Manchmal fragte er sich, wieso ausgerechnet er die einzige Person war, die überhaupt mit ihm redete, auch, wenn Akutagawa meistens eher darauf aus war, ihn zu ärgern oder irgendwelche anderen Pläne mit ihm hatte.
Langsam zuckte Atsushi nur mit den Schultern. Es war irritierend, dass Akutagawa über seiner Schuluniform einen schwarzen Mantel trug, der ihn fast komplett verdeckte und ihm eine unheimlichere Aura verpasste. Atsushi wusste, dass viele in der Schule tuschelten, ob er nicht eigentlich ein Vampir war. Es war dämlich, wenn jemand Atsushi fragte, aber ihn fragte sowieso niemand. Außerdem wusste er, dass es weniger das war, als dass Akutagawa eher ebenfalls eine Kreatur hatte, die ihn begleitete. Und sein Tiger war absolut nicht gut auf diese Kreatur bei Akutagawa zu sprechen, so wie er sie jedes Mal anfauchte.
„Ich suche Nakahara-senpai“, sagte Atsushi schließlich mit gedämpfter Stimme.
Akutagawa hob eine Augenbraue, grinste ihn dann schief an. „Was, du traust dich in die Nähe von Nakahara-san?“
Atsushi zuckte mit den Schultern, sah mit einem Seitenblick neben sich zu dem Tiger, der seinen Kopf etwas anhob und ihm entgegensah.
„Hmpf, wie auch immer“, entgegnete Akutagawa und bewegte sich an ihm vorbei, „ich glaub, er ist in der Cafeteria oder so.“
Atsushi sah ihm nach und lächelte ein wenig, ohne noch etwas zu sagen. Irgendwie war es seltsam, dass Akutagawa der Einzige war, der normal mit ihm redete, obwohl er gleichzeitig jedes Mal so tat, als wenn er ihn nicht ausstehen konnte. Andererseits war Akutagawa auch nicht gerade der, der unbedingt normal angesehen wurde, nur dass es bei ihm vermutlich eher an seiner dunklen Aura lag, die er überall hin mitnahm und die andere dazu brachte, sich von ihm fernzuhalten.
Atsushi schüttelte den Kopf. Warum dachte er gerade so sehr über ihn nach?
Er bewegte sich durch die Schulflure und zur Cafeteria, blinzelte, als er bereits von außerhalb die Stimmen von Nakahara-senpai und Dazai-senpai hörte. Es gehörte irgendwie auch zum Schulalltag, vor allem in dem Jahrgang über ihm, dass die beiden sich regelmäßig angifteten.
Vermutlich war das gerade nicht der richtige Zeitpunkt, um sich zu ihnen zu bewegen. Er seufzte, wann würde es innerhalb der Schule eigentlich einen richtigen Zeitpunkt geben, um mit Nakahara-senpai zu reden, wenn es kaum einen Moment gab, wo sie sich nicht angifteten?
Atsushi schluckte und betrat langsam die Cafeteria, wurde überrascht an der Schulter gegriffen, worauf der Tiger neben ihm grollte. „Ahh ...“
„Oh, oh, Atsushi-kun, du bist nicht lebensmüde, oder?“
Atsushi starrte zu der Person neben der Tür auf. Die Augen des anderen blitzten unter einer eckigen Brille hervor, während er langsam seinen Arm zurückzog und stattdessen seine Mütze nach hinten schob. „Uh ... Ranpo-senpai? Ich ... uh ...“, Atsushi war sich absolut nicht sicher, wie er den anderen sehen sollte. Er war in dem dritten Jahrgang ihrer Schule und erhielt von allen Seiten den Titel des ‚Meisterdetektivs‘.
„Du wolltest doch gerade zu Chuuya-kun und Osamu-kun, nicht?“, kicherte Ranpo vor sich hin, „... Nakajima Atsushi-kun, Erstklässler und ansonsten ziemlich zurückgezogen, wie?“
Atsushi schluckte, senkte seinen Blick. Wie kam er gerade in die Position, dass ausgerechnet Ranpo-senpai ihn aufgehalten hatte?
„Nee, nee, du solltest wissen, dass es nicht gut ist, sich in ihre Streitigkeiten einzumischen, das geht nicht gut aus für jemanden wie dich“, sagte Ranpo-senpai weiterhin, „ich meine, du bist neu, da kannst du das nicht wissen und vielleicht ist es besser, wenn du es nicht weißt.“
„Eh ... Ranpo-senpai?“, fing Atsushi leise an und hob nun doch langsam wieder seinen Kopf, um den anderen anzusehen.
„Keine Sorge, ich muss doch auf einen unschuldigen Kouhai aufpassen, nee, Atsushi-kun?“, grinste Ranpo-senpai ihn breit an, bevor er ihm durch die Haare wuschelte, „hast du schon gegessen? Du solltest was Ordentliches essen, du wirkst so klein und schwach, Atsushi-kun! Oh ... ich weiß, ich kenne da ein tolles Café, wo wir nachher hingehen sollten! Du kommst doch mit, oder, Atsushi-kun?“
„Äh, n–natürlich? Ich meine, wenn Senpai mich einlädt ...“, murmelte Atsushi ein wenig zu verwirrt von der Freundlichkeit des anderen. Bis jetzt hatte ihn jeder nur als seltsam abgestempelt und wollte nichts mit ihm zu tun haben. Außer Akutagawa. Aber Akutagawa war jetzt nicht unbedingt das, was man normal nennen konnte. Und außerdem war er auch nicht wirklich freundlich zu ihm.
„Hm, hm!“, nickte Ranpo-senpai vor sich hin, „wir treffen uns nach der Schule am Eingang, okay?“
Noch bevor Atsushi irgendwas sagen oder erwidern konnte, spürte er, wie Ranpo-senpai ihn aus der Tür der Cafeteria schob. „Eh, Ranpo-senpai–“,
„Ich kann nicht zulassen, dass sich mein Kouhai hier verletzt“, war das Letzte, was er noch von Ranpo-senpai hörte, bevor er wieder alleine auf dem Schulflur stand.
Blinzelnd starrte Atsushi vor sich, sah zur Seite zu dem Tiger, der neben ihm stand. „Das war seltsam ...“, murmelte er vor sich hin, allerdings war sich Atsushi sicher, dass er sich lieber nicht gegen Ranpo-senpai widersetzen sollte.

–*–

Nach der letzten Stunde wartete Atsushi an dem Schuleingang und blinzelte, als er schließlich Ranpo-senpai erkannte, der mit einem breiten Lächeln auf ihn zutrat, während er ihm winkte. „Hey Atsushi-kun!“
„Uh, hi ... Ranpo-senpai ...?“, murmelte er ein wenig leiser, weitete seine Augen, als hinter ihm Nakahara-senpai und dessen Klassenkamerad, den er bis jetzt allerdings nicht wirklich kannte, ebenfalls nach draußen traten.
„Was gibt es so Wichtiges, Ranpo?“, brummte Nakahara-senpai und legte den Kopf schief, „du weißt, dass ich zum Club muss ...“
„Hey, ganz ruhig, Chuuya-kun“, kicherte Ranpo vor sich hin, „aber Atsushi-kun hier wollte heute Mittag mit dir sprechen, als du so erheitert mit Osamu-kun geflirtet hast.“
„Haaah?“, machte Nakahara-senpai und verzog sein Gesicht, „als wenn ich mit diesem Idioten flirten sollte ...“, brummte er vor sich hin und versenkte seine Hände in den Taschen seiner Hose, sah dann in Atsushis Richtung, „... was willst du denn?“
Atsushi versteifte sich und sah in Ranpo-senpais Richtung, der allerdings nur fröhlich nach einem Lutscher angelte und sich in den Mund schob, bevor er seine Arme hinter seinem Kopf verschränkte. Er sollte nie wieder eine Einladung von Ranpo-senpai so leichtfertig annehmen! „Uh, eh ... ich ... es gibt da etwas ... ah ... was ich mit dir besprechen müsste, Nakahara-senpai?“, sagte er dann mit einigem Zögern und einem leicht fragenden Ton in der Stimme, während er seinen Kopf gesenkt hatte.
Einen Moment hörte er nichts, was dazu führte, dass Atsushi ein wenig mehr bereute, überhaupt etwas gesagt zu haben. Schließlich bemerkte er allerdings ein Seufzen.
„Kannst du dem Trainer Bescheid geben, dass ich ein paar Minuten später bin, Michizou?“, hörte er kurz darauf Nakahara-senpais Stimme, worauf Atsushi wieder seinen Kopf hob und den anderen irritierter ansah.
„Klar, wir sehen uns gleich, Chuuya“, nickte dessen Freund und wandte sich dann ab.
„Komm mit, dort drüben sind wir ungestört von nervigen Detektiven“, sagte Nakahara-senpai dann und sah ihm ruhiger entgegen, „Atsushi-kun?“
Atsushi nickte heftig. „Eh, Nakajima Atsushi, aus der Ersten“, sagte er dann noch schnell mit einer kurzen Verbeugung.
„Nicht nett, wie du von deinem Senpai redest, Chuuya-kun“, hörte er Ranpo hinter ihnen noch mit quengeliger Stimme sagen.
Allerdings sah Atsushi nur, wie Nakahara-senpai abwinkte und ihn zu einer ruhigeren Stelle auf dem Schulhof führte, wo zu dieser Zeit eigentlich niemand mehr war. Wenn er nicht mit einem Blick zur Seite den Tiger erkannte, würde er sich in dem Moment glatt unwohl fühlen, dass er gerade mit Nakahara-senpai alleine war und vermutlich niemand sie bemerken würde.
„Was wolltest du mit mir besprechen, Atsushi-kun?“, fragte er schließlich nach, während er sich auf einer Bank an der Seite niederließ, „und keine Sorge, ich tu dir schon nichts.“
Atsushi schluckte, nickte ein wenig vor sich hin, blieb aber vor ihm stehen. „Ich– du hast– ... also äh, da ist etwas bei dir, oder? So wie ... eine Kreatur ... oder so? Die– die dich begleitet?“
Er bemerkte, wie Nakahara-senpai seine Augen weitete, bevor er seinen Kopf von ihm wegdrehte. Schließlich seufzte er und richtete sich wieder auf. „Ich weiß nicht, was du meinst, Atsushi-kun.“
Atsushi blinzelte, als der Tiger neben ihm grummelte. „Er lügt. Ich spüre etwas bei ihm.
„Ist das alles, was du wolltest, Atsushi?“, fragte Nakahara-senpai und verengte seine Augen, trat an ihm vorbei, „dann solltest du mich mit diesen Dingen ab jetzt in Ruhe lassen. Sorry, aber nein, da ist nichts, was mich begleitet oder was auch immer.“
Atsushi schluckte, nickte ein wenig und sah ihm kurz hinterher. „Ich ... ich habe auch etwas, was ... wenn du etwas hast ... vielleicht ...“
Er bemerkte, wie Nakahara-senpai stoppte und etwas verwundert blinzelte. „Was meinst du damit?“
„Na wenn ... es etwas gibt ... der Tiger bei mir ... hat es mir gesagt“, murmelte Atsushi leise vor sich hin.
„Hör zu, Atsushi“, entgegnete Nakahara-senpai und drehte sich nun doch wieder zu ihm, blickte ihm ernst entgegen, „was auch immer es war, ich bin froh, dass es weg ist. Hör auf, mich mit diesen Dingen zu nerven, okay? Wir kennen uns nicht. Du weißt nicht, was diese Kreatur angerichtet hat. Lass mich einfach damit in Ruhe!“
Atsushi schluckte jede Erwiderung herunter und sah nur noch, wie Nakahara-senpai ihn wieder alleine ließ. Langsam sah er zu dem Tiger neben sich und seufzte bitter. „Ist es das, was du wolltest?“
Er wird merken, dass es noch nicht alles ist. Lass ihm Zeit, Atsushi.
Verwirrt sah Atsushi ihn weiterhin an, bevor er sich schließlich wieder auf den Weg zum Schultor machte. Etwas überrascht sah er dort zu Ranpo-senpai, der gegen das geöffnete Tor lehnte und an seinem Lutscherstiel herumkaute. Er hätte nicht gedacht, dass der andere noch hier war. „Ranpo-senpai?“
„Da bist du ja, Atsushi-kun!“, sagte Ranpo-senpai fröhlich und drehte sich zu ihm, zeigte ein breites Lächeln, „komm, ich hab hunger! Du hast versprochen mich zu dem Café zu begleiten!“

Es verwirrte Atsushi immer mehr, je mehr er mit Ranpo-senpai zusammen unterwegs war.
Was ihn allerdings am meisten verwirrte, war, als sie in dem Café saßen und er Ranpo-senpai dabei zusah, wie er das Stück Kuchen vor ihm regelrecht genoss, während er ihm nebenbei ein paar kurze Blicke zuwarf.
„Warum isst du nicht, Atsushi-kun?“, fragte er zwischen zwei Bissen nach, „du solltest dankbarer sein, wenn dein Senpai dich einlädt!“
„Oh, äh ...“, murmelte Atsushi etwas zu perplex, aß dann ebenfalls ein Stück seines Kuchenstücks, worauf Ranpo-senpai ihm glücklich zunickte und selbst auch weiteraß. Er war sowieso überrascht gewesen, dass Ranpo-senpai ihn wirklich eingeladen hatte und nicht nur seine Gesellschaft wollte.
„Chuuya-kun war ziemlich gemein zu dir, oder?“, murmelte Ranpo-senpai ein wenig neben zwei Bissen vor sich hin, „hmpf, er tut echt alles für sein schlechtes Image in der Schule.“
Atsushi blickte ihm entgegen, während Ranpo-senpai seine Augen verdrehte und nebenbei den Kuchen in sich schaufelte. „Es ist schon gut, es war ... ziemlich speziell, was ich Nakahara-senpai gefragt habe ... und ... eh, es ist ... irgendwie ... privat?“, murmelte er schließlich vor sich hin. Er wusste, dass er seltsam war. Auch, wenn er den Tiger neben sich sehen konnte und es als nichts Besonderes sah, so wusste er, dass es dennoch komisch sein musste, wenn man so etwas sah. Er hätte seinen Senpai nie darauf ansprechen sollen. Oder überhaupt darüber nachdenken sollen.
„Du wirkst, als wenn du selbst nicht sicher bist, ob du mit ihm reden wolltest oder nicht“, sagte Ranpo-senpai und sah ihn nun ernster an, schob seine Brille ein wenig zurecht, „... hab ich dich gezwungen, mit Chuuya-kun zu reden? Weißt du, er ist eigentlich nett, wenn man ihn näher kennt, nur ein bisschen ... ah, vergiss es, Atsushi-kun.“
Atsushi hob seinen Blick und sah den anderen wieder an, ein wenig Verwirrung spiegelte sich in seinem Blick. „Nein, nein, es ist nicht– ich danke dir für deine Hilfe, Ranpo-senpai!“, erwiderte er dann und senkte seinen Kopf in einer andeutenden Verbeugung.
„Hmmmm“, machte Ranpo-senpai, so dass Atsushi wieder zu ihm blickte, „isst du das noch?“
Atsushi blinzelte verwirrt, dass Ranpo-senpai so plötzlich das Thema wechselte, sah zu seinem fast unberührten Kuchenstück, während sein Senpai bereits seinen Kuchen aufgegessen hatte. „Eh, du kannst ruhig–“,
„Nee, Atsushi-kun, kein Wunder, dass du so schmächtig aussiehst!“, unterbrach Ranpo ihn und machte ein Stück von dem Kuchenstück ab, hielt ihm die Gabel hin und grinste, „du musst echt mehr essen!“
„Ich esse–“, bevor Atsushi weitersprechen konnte, schob Ranpo-senpai ihm das Stückchen in den Mund, so dass er nicht anders konnte, als es erst einmal zu essen.
„Brav, Atsushi-kun!“, grinste Ranpo-senpai ihn an, worauf er etwas verlegen den Kopf zur Seite drehte.
Er war gerade wirklich froh, dass niemand auf sie achtete. Das war eindeutig peinlich, immerhin war er Oberschüler und kein kleines Kind mehr. Oder Ranpo-senpai sein Geliebter, der ihn mit Kuchen fütterte, so wie er es ab und an bei irgendwelchen Pärchen sah. „Ranpo-senpai ... nicht ...“, murmelte er, nachdem er das Stück runtergeschluckt hatte und sein Senpai dabei war, ihn mit einem neuen Kuchenstück zu füttern.
„Aber Atsushi-kun~ ich will doch nur, dass du was isst“, erwiderte Ranpo-senpai, bevor er das Stück selbst aß, „ehrlich~ undankbarer Kouhai!“
„Ranpo!“
Bevor Atsushi auch nur antworten konnte, bemerkte er, wie Ranpo-senpai sich umdrehte und zu einem Jungen sah, der gerade in das Café gekommen war. Seine Haare hingen ihm halb über dem Gesicht, so dass nur eins seiner Augen freigelegt war. Atsushi war sich nicht sicher, ob er ihn schon einmal gesehen hatte.
„Edgar-kun!“, grinste Ranpo-senpai ihn an, bevor er sich wieder umdrehte, „Atsushi-kun, das ist Edgar, Edgar, das ist mein Kouhai, Atsushi!“
„Uh, hi“, murmelte Atsushi ein wenig kleinlaut, während er etwas überrumpelt von Ranpo-senpais Vorstellung war. Es war allgemein irritierend, dass der andere scheinbar jeden beim Vornamen nannte.
„Hallo“, sagte Edgar und lächelte ihn ebenfalls etwas schüchtern an, „Ranpo ist nicht aufdringlich, oder?“
„Edgar-kun, ich bin nicht aufdringlich!“, brummte Ranpo-senpai und schob sich ein weiteres Stück des Kuchens in den Mund, so dass Atsushi den Kuchen nun zu ihm schob. In dem Moment war er froh, dass er zumindest darum herumkam, von seinem Senpai gefüttert zu werden.
„Natürlich“, murmelte Edgar und warf ihm einen Seitenblick zu, bevor er wieder Ranpo-senpai ansah, „hast du nachher Zeit?“
Ranpo-senpai grinste, während er auf einem weiteren Stück Kuchen kaute. „Hmmmm“, machte er, schluckte herunter und machte ein weiteres Stück von dem Kuchen ab, „keine Termine!“, sagte er dann, grinste in Atsushis Richtung und hielt ihm wieder die Kuchengabel hin, „mach ‚ah‘ Atsushi-kun!“
Atsushi blinzelte und schüttelte heftig den Kopf. Und er dachte, er würde da jetzt drum herumkommen. „Ranpo-senpai ... bitte ...“
„Nicht?“, guckte Ranpo-senpai ihn irritiert an, bevor er das letzte Stück dann selbst aß, „kannst du das glauben, Edgar? Atsushi-kun mag diesen superleckeren Kuchen, den die hier haben, nicht!“
„Ich glaube, er mag nur nicht von dir gefüttert werden“, entgegnete Edgar und schmunzelte ein wenig.
Atsushi seufzte und nickte heftig daraufhin. Immerhin einer, der ihn verstand.
„Aber Atsushi-kun hat vorher auch nichts gegessen“, brummte Ranpo-senpai ein bisschen eingeschnappt, „ehrlich, da lädt man seinen Kouhai ein und dann das! So undankbar!“
„Ich glaube nicht, dass es das ist, Ranpo“, sagte Edgar ruhig und sah nun zu Atsushi, „keine Sorge, magst du noch irgendwas?“
Atsushi schüttelte den Kopf und rutschte ein wenig zur Seite. „Nein, ich denke auch, dass ich langsam gehen sollte“, murmelte er und umklammerte seine Schultasche, „danke für die Einladung, Ranpo-senpai.“
„Natürlich Atsushi-kun, wir sehen uns Morgen“, grinste Ranpo-senpai ihn noch von der Seite her an, „und wenn irgendwas sein sollte, kannst du mich immer fragen! Oder wenn Chuuya-kun gemein zu dir ist ...“
Atsushi lächelte ein wenig schief. Es war ja nicht so, dass Nakahara-senpai gemein oder irgendwas zu ihm war. Es war eher das Gefühl, dass er besser nie etwas zu ihm gesagt hätte. Dennoch nickte er aus Freundlichkeit und machte sich dann daran, das Café zu verlassen und seinen Senpai und dessen Freund alleine zu lassen.

–*–

Ranpo sah dem Jüngeren ein wenig schmunzelnd hinterher, stützte sich dann auf dem Tisch ab und musterte seinen Freund. „Er ist doch süß, oder?“
„Ich glaube, du verängstigst ihn“, murmelte Edgar und sah ein wenig skeptischer zu ihm.
Mit einem gespielt beleidigten Blick sah Ranpo ihn an und legte den Kopf schief. „Wie kommst du darauf? Ich war nur ein guter Senpai zu Atsushi-kun!“
„Ich glaube nicht, dass Atsushi-kun es genossen hat, dass du ihn füttern wolltest“, erwiderte Edgar und lächelte ihn an. Ranpo konnte nicht anders, als seinen Freund nur genauer zu beobachten.
Es war wirklich eine Schande, dass Edgar auf einer anderen Schule war und sie sich nur danach sehen konnten, obwohl er am liebsten viel häufiger mit ihm Zeit verbringen wollte. Er streckte seinen Arm zu ihm aus und strich über die Haarsträhne, die sein Freund über einem Auge hängen hatte, ohne sie allerdings zur Seite zu schieben. „Lass uns gehen, Edgar“, flüsterte er ihm schließlich entgegen, bevor er seine Hand zurückzog.
Er bemerkte, wie Edgar kurz ein wenig zusammenzuckte, nachdem er ihn berührt hatte und es war so absolut süß, dass Ranpo wirklich an sich halten musste, mehr zu tun.
Nachdem sie das Café verlassen hatten, griff Ranpo allerdings langsam nach der Hand seines Freundes und lächelte ihn von der Seite her an. „Wohin willst du gehen, Edgar?“
„Eh ... wohin du willst, Ranpo“, flüsterte Edgar zurück, drehte seinen Kopf zur Seite.
Ranpo grinste schief. Er hatte nichts anderes von Edgar erwartet, obwohl er jedes Mal fragte. „Wir können ins Kino gehen. Es gibt einen neuen Film, der absolut genial sein soll! Ich habe von vielen gehört, die bis zum Ende nicht auf die Lösung gekommen sind!“
Edgar schmunzelte neben ihm und nickte etwas. „Bis jetzt hast du noch jeden Fall in irgendeinem Film durchschaut“, entgegnete er leise.
Ranpo grinste zu ihm und nickte entschlossen. „Wie soll ich mich noch Meisterdetektiv nennen, wenn ich das nicht könnte? Aber vielleicht schafft es jemand, mich mal so zu fordern, dass ich länger brauche“, sagte er schließlich schmunzelnd, während er Edgar mit sich die Straße entlang zog, „... oh und ich muss nochmal in die Buchhandlung! Ich brauche neues Lesematerial!“
„Ranpo, dein Bücherstapel der Bücher, die du noch lesen musst, ist ... wie groß?“, murmelte Edgar neben ihm ein wenig nachdenklicher.
„Oh ... ich glaube, mit dem letzten Einkauf sind es ... 172“, sagte Ranpo mit einer kurzen Überlegung, „zwei habe ich letztlich durchgelesen, eins habe ich Osamu-kun geliehen, eins hat Akiko-chan ...“
„Wann willst du die lesen, wenn du immer wieder was Neues kaufst?“, fragte Edgar neben ihm nach, als sie vor der Buchhandlung stoppten, zu der sie immer gingen. Es war eine relativ kleine Buchhandlung, allerdings gab es alles, was sie suchten. Außerdem bekam er hier häufig genau die Bücher, die ihn am meisten interessierten und teilweise sogar spannende Fälle bereithielten.
„Was soll ich denn machen, wenn ich plötzlich nichts mehr zu lesen habe?“, entgegnete Ranpo mit einem entsetzten Tonfall, „Edgar! Ich muss mich auf den Notstand vorbereiten!“
„Oh, sicher“, murmelte Edgar und sah ihn etwas skeptisch an.
Ranpo ignorierte dessen Blick und bewegte sich durch den Laden und sah sich ein wenig um. Er war ja froh, dass Edgar genauso gerne las, wie er, auch wenn er nicht wirklich verstand, wie man bitte nur ein paar wenige Bücher auf Vorrat haben konnte. Das war ja wohl der einzige Vorrat, den es sich lohnte, anzuhäufen, damit man für schlechte Zeiten gerüstet war, oder?! Zumindest war sich Ranpo da zu Einhundertprozent sicher. Und er irrte sich nie, immerhin war er ein Meisterdetektiv. Ein unfehlbarer Meisterdetektiv, sollte er hinzufügen!
„Ranpo ...“, murmelte Edgar nach einer Weile neben ihm, so dass er sich nun doch zu ihm drehte.
„Ah, Moment noch!“, grinste Ranpo ihn an, verschwand kurz in eine weitere Reihe, bevor er sich wieder zurückbewegte, „wir können gleich los!“
Er bemerkte, auch ohne ihn anzusehen, wie Edgar seine Lippen zu einem Lächeln verzog. „Du bist so glücklich, wenn wir hier sind ...“
Ranpo drehte sich um und lächelte den anderen dann an. „Ah, du bist so süß, Edgar!“, sagte er schließlich und machte einen Schritt auf seinen Freund zu, drückte ihm einen kurzen Kuss auf die Lippen, bevor er seinen Einkauf bezahlte und die Tasche in die eine Hand nahm, mit der er nicht Edgars Hand umschlossen hatte. „Und jetzt lass uns zusehen, dass wir diesen Film gucken. Ich bin wirklich gespannt, wie lange es dauert, bis ich hinter die Lösung gekommen bin~“, sagte Ranpo fröhlich vor sich hin, trat mit Edgar aus dem Laden, so dass sie sich schließlich gemeinsam auf den Weg zu dem Kino machen konnten.
Auch wenn Ranpo auf dem Weg eher darüber nachdachte, wie lange es dauern würde, bis er den Film durchschaut hatte, um sich eher und viel leidenschaftlicher um seinen süßen Freund zu kümmern.
Es dauerte nicht sehr lange, bis Ranpo ein wenig mehr zur Seite zu seinem Freund sah, statt auf die Leinwand in dem Kino zu blicken. Vielleicht auch, weil er gerade Edgar interessanter fand als irgendeinen Kriminalfall in dem Film.
Seine Augen glitten über die Gestalt seines Freundes, bevor er ihn ein wenig am Arm berührte und schließlich etwas näher zu sich zog, um ihn ein wenig sanft am Hals entlang zu küssen.
„... Ranpo?“, murmelte Edgar neben ihm leise, drehte seinen Kopf zur Seite.
Ranpo schenkte ihm ein Lächeln, legte seinem Freund einen Finger über die Lippen, bevor er sich ihm entgegen lehnte und ihn dann richtig küsste. Immerhin waren sie nicht alleine und er wollte absolut nicht, dass irgendwer mitbekam, dass sie gerade wenig bis kein Interesse an dem Film hatten.
„Hmm“, machte Edgar ruhig, gegen seine Lippen gehaucht, worauf Ranpo nur ein Kichern unterdrückte. Sein Freund war wirklich absolut süß.
Sanft umschloss er die Hand seines Freundes, während er ihn etwas zur Seite drückte und gerade wirklich froh war, dass sie auf einer der Liebesbänke in dem Kino saßen. Was natürlich absolut Ranpos Plan gewesen war.
Ein Schussgeräusch drang zu ihnen und er hob eine Augenbraue, bevor er Edgar erneut küsste. Er konnte sich denken, wer gerade in dem Moment in dem Film aufgetaucht war. Zumindest, wenn seine Schlussfolgerungen von den ersten fünfzehn Minuten stimmten. Was meistens der Fall war. Okay, eigentlich immer.
„Du weißt schon, wie es ausgeht, oder?“, flüsterte Edgar ihm entgegen, nachdem sie den Kuss unterbrochen hatten.
Ranpo lächelte ihn einfach nur wissend an. Für was war er denn der Meisterdetektiv seiner Schule und bald von ganz Yokohama? „Nachher gehen wir zu mir ... oder?“, flüsterte er seinem Freund entgegen, ohne weiter über den Film nachzudenken. Seine Gedanken galten in diesem Moment eh nur Edgar.
„Hmmm“, nickte sein Freund ihm kurz zu.
Ranpo lächelte und fuhr ihm über die eine Haarsträhne. Dieser Abend könnte noch ziemlich perfekt werden, wenn er so darüber nachdachte.

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